Erster Weiterbildungskurs für Berufserfahrene als Underwriter

6.4.2018 – Mit dem Inkrafttreten des IDD-Umsetzungsgesetzes ist das Thema Weiterbildung wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Dies trifft Makler und Versicherungsvertreter wie auch Angestellte der Versicherer, die im Vertrieb tätig sind. Ein Beispiel aus dem Weiterbildungsmarkt für Versicherungs-Mitarbeiter hat sich Gastautor Björn Fleck herausgegriffen. Er beschreibt einen Spezialistenkurs des Berufsbildungswerks Hannover, in dem vertiefendes Wissen erworben, Beratungskompetenzen ausgebaut und praxisrelevante Themen zur Sachversicherung verinnerlicht werden sollen.

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Weiterbildung ist nicht erst seit der 15-stündigen Verpflichtung durch die IDD ein wichtiges Thema der Versicherungsbranche (VersicherungsJournal 15.3.2018). Außen- und Innendienstmitarbeiter von Versicherern und Vermittlern haben sich in ihrem Berufsleben schon immer laufend weitergebildet.

Aus diesem Grund wurde an vielen Standorten in Deutschland vor einigen Jahrzehnten das Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V. gegründet, dessen Seminare allen Interessierten offenstehen.

Neues Bildungsangebot zum Underwriting-Spezialisten

Das BWV erweitert regelmäßig sein Bildungsangebot durch verschiedene Spezialistenkurse. So begann im Jahr 2017 für 15 Personen der erste Kurs zum „Spezialist/-in Underwriter Sach- und Privatkundengeschäft“ des Berufsbildungswerks der Versicherungswirtschaft in Hannover (BWV) e.V. Etwa acht Monate lang reisten die Teilnehmer sowie acht mitwirkende Dozenten aus ganz Niedersachsen samstagmorgens bei Schnee, Regen oder Sonnenschein an, um am Premierekurs teilzuhaben.

Am 16. März 2018 war es dann soweit: Die Teilnehmer erhielten in feierlicher Umgebung ihre IHK-Zeugnisse von Angelika Garche-Krüger, der Geschäftsführerin des BWV Hannover.

Vertiefendes Wissen in der privaten Sachversicherung

Der neue Kurs wurde von Manfred Lange aus Hannover ins Leben gerufen, der seit mehreren Jahrzehnten in der Versicherungswirtschaft unterrichtet und Vorträge hält. Ziel des Kurses ist es, Lücken in der Ausbildung von Innen- und Außendienstmitarbeitern zu schließen.

„Bei der Ausbildung zum Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen sowie beim weiterführenden geprüften Fachwirt für Versicherungen und Finanzen findet eine Spezialisierung auf private Sachversicherungen bisher nicht statt“, so der Sachexperte Lange. Bei der Ausbildung wird die private Sachversicherung nur in Teilen behandelt.

Nicht ausreichend behandelt werden häufig Themen wie: Denkmalschutz oder Nutzungsänderung von Immobilien sowie Wertgegenstände und anderer wertvoller Hausrat, inklusive Spezialversicherungen wie zum Beispiel der Kunstversicherung.

(Bild: Fleck)
Angelika Garche-Krüger (li.) bei der Übergabe des Abschlusszertifikats an die Kursteilnehmerin Bettina Fehlau (Bild: Fleck)

Praxisnähe

Im täglichen Versicherungsgeschäft treten jedoch immer häufiger spezielle Fragestellungen in den Bereichen Produkt-, Risiko- und Schadenmanagement auf. Vor allem die Risikobewertung exklusiver privater Sachwerte ist immer wieder ein Thema. Einzelne Seminare umfassen solche Aspekte, aber ein gesamter Speziallehrgang fehlte bis jetzt. Diese Lücke soll mit dem bisher in Deutschland ersten Kurs zum „Underwriter Sach- und Privatkundengeschäft“ geschlossen werden.

Besonders wichtig war bei der Zusammenstellung der Lerninhalte die Praxisnähe. So werden neben der Versicherungstechnik besonders die Themen Risikobewusstsein, Risiko-Analyse und Schadenverhütung vertieft. Dabei werden Schwerpunkte auf die Prävention von Einbruch, den Schutz vor Raubschäden, die Vermeidung von Leitungswasserschäden und den Schutz vor Elementarrisiken gelegt.

Anschauungsunterricht durch Fachleute

Im Pilotkurs wurde dabei über nicht alltägliche Versicherungen wie solche für Reisegepäck, Musikinstrumente, Schmuck, Teppiche und Technik gesprochen. Besonders geachtet wird dabei auf einen anschaulichen Unterricht. Daher war unter anderem ein Fachmann für Teppiche da, der zeigte, wie geknüpft wird und wie man Teppiche lagert.

Ebenso besuchten die Teilnehmer das Feuerwehrmuseum, um aus der Historie heraus die neuen Brandschutzmaßnahmen besser zu verstehen.

Auch Bezüge zur modernen Technik fehlten nicht. In den besprochenen Fällen ging es unter anderem um Photovoltaikanlagen, die auch separat versichert sein wollen. Zur Technik zählen natürlich auch die allgemein gut bekannten Rohrbrüche, und sogar Randgebiete wie Fahrstühle werden erfasst.

In den rund 150 Unterrichtseinheiten wurden somit viele Themen vertiefend vermittelt. Möglich war dieses durch den Querschnitt und die Erfahrungen der Dozenten vom Makler bis zum Ausbilder in den Versicherungs-Gesellschaften.

Zielgruppe Berufserfahrene

Der Kurs richtet sich an Interessierte, die auf eine entsprechende Ausbildung im Versicherungswesen oder auf eine mehrjährige Tätigkeit im Versicherungsbereich zurückgreifen können. Die Ausbildung umfasst rund 150 Unterrichtseinheiten (beziehungsweise 116,25 Stunden nach IDD) und erstreckt sich über circa acht Monate. Ausführliche Informationen können per Mail oder telefonisch unter 0511 5610010 beim BWV Hannover angefordert werden. Zurzeit wird dieser spezielle Underwriter mit IHK-Zertifizierung nur in Hannover angeboten.

Besonders begeistert waren die Teilnehmer von den Themen und der Darstellung zu Denkmalschutz, Sicherheitstechnik, Einbruch/ Diebstahl oder der Cyberversicherung. In einem waren sich alle einig: Die Inhalte hätten das Wissen so erweitert und vertieft, dass man mit Kollegen, Vermittlern oder dem Kunden sicher argumentieren kann.

Kursteilnehmer (Bild: Fleck)
Kursteilnehmer Helge Feussahrends bei der Vergabe der IHK-Zeugnisse (Bild: Fleck)

„Der Kurs hat meine Erwartungen erfüllt. Mit dem zusätzlichen Wissen kann ich noch besser Ansprechpartner für den Außendienst sein und ihn so weiter unterstützen“, sagte zum Beispiel der Absolvent Helge Feussahrends.

Andere Teilnehmer nutzen den Schwung, um gleich weiterzumachen. So sieht ein weiterer Absolvent den Underwriter als Grundlage für das versicherungstechnische Geschäft und hat sich nun für eine berufsbegleitende Fortbildung mit einem Bachelorabschluss in der Betriebsunterbrechungs-Versicherung entschieden.

Björn Fleck

Björn Fleck ist Jurist und seit 2001 für eine Versicherungs-Gesellschaft tätig. Zu Branchenthemen führt er seinen eigenen Blog Versicherungselemente.de.

 
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