Wer nicht weiß, wann sein Flieger startet

13.3.2019 – Wird in Reiseunterlagen klar und verständlich darauf hingewiesen, wann und zu welcher Uhrzeit ein Rückflug stattfinden soll, hat ein Fluggast keinen Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz, wenn er den Flug verpasst. Das hat das Amtsgericht München mit einem am Freitag veröffentlichten Urteil vom 5. Oktober 2018 entschieden (123 C 9082/18).

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Die Klägerin hatte für sich und ihre Familie bei einem Reiseveranstalter eine Flugreise nach Ägypten gebucht. Sie hat behauptet, den Rückflug verpasst zu haben, weil sie vor Ort keine eindeutigen Informationen zum Rückflug erhalten hatte.

Widersprüchliche Informationen

Die Abreiseinformationen hätten im Wesentlichen aus einem an einer Tafel des Hotels ausgehängten Blatt Papier bestanden. Dort sei aufgelistet worden, dass am 5. Januar 2018 um 22.30 Uhr die Abholung vom Hotel erfolgen soll. In einem Ordner seien diese Daten hingegen als Abflugzeit bezeichnet worden.

Sie habe daher mehrfach versucht, die Reiseleitung zu erreichen. Damit sei sie jedoch gescheitert. Am angeblichen Tag des Abflugs habe sich dann herausgestellt, dass sich das Flugzeug bereits in der vorausgegangenen Nacht auf den Weg nach Deutschland gemacht hatte.

Klage abgewiesen

Den Schaden, der ihr und ihrer Familie durch den verpassten Rückflug entstanden ist, machte die Klägerin gegenüber der Reiseveranstalterin geltend. Denn es sei deren Sache gewesen, für ausreichende und klar verständliche Informationen zu sorgen. Im Übrigen hätte die Reiseleitung vor der Abfahrt zum Flughafen klären müssen, ob sich noch Reisende im Hotel befinden oder bereits auf dem Weg zum Flugplatz sind.

Dieser Argumentation wollte sich das Münchener Amtsgericht nicht anschließen. Es wies die Klage als unbegründet zurück.

Zeiten bekannt

Bei der vom Gericht durchgeführten Beweisaufnahme stellte sich heraus, dass im Aushang in dem Hotel in der ersten Zeile fettgedruckt in großen Buchstaben darauf hingewiesen worden war, dass die Fluggäste von Donnerstag auf Freitag im Hotel abgeholt werden sollten.

In einer Zeile, in der der Namen der Klägerin und die ihrer Mitreisenden genannt wurden, sei als Abflugzeit Donnerstag, der 5. Januar 2018, 2.15 Uhr angegeben worden. Da es selbstverständlich sei, dass eine Abholung vor dem Abflug stattfindet, hätte die Klägerin auch ohne zusätzliche Informationen durch die Reiseleitung wissen müssen, dass sie am 4. Januar 2018 um 22.30 Uhr im Hotel abgeholt wird.

„Denn selbst wenn ein Reiseleiter nicht erreichbar gewesen sein sollte, waren die Informationen der Beklagten ausreichend und eindeutig“, so das Gericht.

Gelegenheit zur Information

Im Übrigen seien die Flugzeiten sowohl in der Buchungsbestätigung, als auch in einem Informationsblatt zu den Flügen aufgeführt worden. Unabhängig davon sei es im Zeitalter des Internets kein Problem, sich über Flugzeiten zu informieren. Auch das spreche gegen die von der Klägerin geltend gemachten Schadenersatzansprüche.

Das Urteil ist nach Zurückweisung der Berufung mittlerweile rechtkräftig.

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