Wer Krankheitskosten als Werbungskosten geltend macht

27.3.2020 – Erleidet ein Steuerpflichtiger auf dem Weg von beziehungsweise zu seiner Arbeitsstelle einen Unfall, kann er die Krankheitskosten, die dieser verursacht, als Werbungskosten steuermindernd geltend machen. Das hat der Bundesfinanzhof mit einem gestern veröffentlichten Urteil vom 19. Dezember 2019 entschieden (VI R 8/18).

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Der Entscheidung lag der Fall einer Beschäftigten zugrunde, die auf dem Weg von ihrer Arbeit nach Hause einen Unfall erlitten hatte. Dabei zog sie sich erhebliche Verletzungen zu.

Der für derartige Fälle zuständige gesetzliche Unfallversicherer erklärte sich zwar grundsätzlich zur Leistungserbringung bereit. Der Versicherten entstanden im Laufe der Behandlung ihrer Verletzungen allerdings Krankheitskosten, die weder von der Berufsgenossenschaft, noch von ihrem Krankenversicherer übernommen wurden.

Hinweis auf Entfernungspauschale zur Abgeltung

Diese Kosten machte die Frau in ihrer Einkommensteuer-Erklärung als Werbungskosten bei ihren Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit gegenüber dem Finanzamt geltend.

Weder die Behörde, noch das in erster Instanz mit dem Fall befasste Finanzgericht hielten die Kosten für abzugsfähig. Beide Institutionen gingen davon aus, dass diese im Rahmen der Entfernungspauschale, die von der Klägerin in ihrer Steuererklärung ebenfalls geltend gemacht worden ist, abgegolten worden sind.

Doch dem wollten sich die Richter des von der Versicherten in Revision angerufenen Bundesfinanzhofs nicht anschließen. Sie hielten ihre Klage für gerechtfertigt.

Nur fahrzeug- und wegstreckenbezogene Aufwendungen

Durch die Entfernungspauschale seien zwar grundsätzlich sämtliche fahrzeug- und wegstreckenbezogene Aufwendungen abgegolten, die bei den Wegen zwischen der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte eines Beschäftigten anfallen würden.

Das würde für Kosten, die ein Steuerpflichtiger wegen eines Unfalls aufwenden muss, aber nur gelten, solange es sich dabei um echte Wegekosten handelt. Als Beispiel für Letztere wurden die Aufwendungen genannt, die durch die Reparatur eines bei dem Unfall beschädigten Fahrzeugs entstehen.

Andere Aufwendungen, insbesondere jene, die einem Steuerpflichtigen in Zusammenhang mit der Beseitigung oder Linderung von Körperschäden entstehen, seien nicht durch die Entfernungspauschale abgegolten. Derartige beruflich veranlasste Krankheitskosten könnten daher neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten in der Einkommensteuer-Erklärung geltend gemacht werden.

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Leserbriefe zum Artikel:

+Reinhold Arneth - Beispiel für fachlich ungebildete Amtsträger. mehr ...

Peter Eidemüller - Für eine Entschuldigung des Sachbearbeiters gibt es keinen Grund. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Einkommensteuer · Gesetzliche Unfallversicherung · Gesundheitsreform · Werbung
 
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