Von der üblichen Vergütung einer Kfz-Reparatur

9.7.2018 – Berechnet eine Kraftfahrzeugwerkstatt die Arbeitsstunden pauschal nach fiktiven Arbeitswerten, so entspricht das nicht jener üblichen Vergütung, welche ein Kunde ohne eine gesonderte Vereinbarung akzeptieren muss. Er hat vielmehr einen Anspruch auf Abrechnung der konkret geleisteten Arbeitsstunden, so das Amtsgericht München in einem Urteil vom 28. April 2017 (231 C 14128/16).

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Geklagt hatte eine Frau, die ihren Personenkraftwagen Mitte Januar 2016 um 9.30 Uhr in die Werkstatt des Beklagten gebracht hatte. Sie konnte ihn nach erfolgter Reparatur noch am gleichen Tag um 18.30 Uhr abholen.

Obwohl die Arbeiten nachweislich nur von einer Person durchgeführt wurden, stellte ihr die Werkstatt 14,7 Arbeitsstunden in Rechnung. Das fiel der Klägerin bei Abholung ihres Autos und der Begleichung der Rechnung zunächst nicht auf.

Mehr als fünf Stunden zu viel

Nachdem die Frau die Rechnung kontrolliert hatte, forderte sie von der Werkstatt die Rückzahlung des Gegenwerts von 5,7 Arbeitsstunden. Denn ihr Fahrzeug habe sich nachweislich nur neun Stunden in der Werkstatt befunden. Diese habe folglich 440,89 Euro zu viel von ihr verlangt.

Die Werkstatt hielt die Forderung für unbegründet. Eine Berechnung der Arbeitsstunden sei auf Basis fiktiver Arbeitswerte erfolgt, die beispielsweise in einer Liste der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) für die ausgeführten Reparaturarbeiten genannt seien. Die Rechnung sei daher korrekt.

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Keine Festpreisvereinbarung vorgenommen

Doch dem wollte das Münchener Amtsgericht nicht folgen. Es gab der Klage auf Rückzahlung des von der Klägerin geforderten Betrages in vollem Umfang statt.

Nach der Vernehmung eines Zeugen zeigte sich das Gericht davon überzeugt, dass die Werkstatt mit der Klägerin auch mündlich keine Festpreisvereinbarung getroffen hatte. Die aber sei erforderlich, wenn Arbeitsstunden pauschal nach fiktiven Arbeitswerten abgerechnet würden.

Übliche Vergütung

Es hätte daher nur die übliche Vergütung in Rechnung gestellt werden dürfen. Üblich sei eine Abrechnung auf Basis der konkret geleisteten Arbeitsstunden, im Fall der Klägerin also neun Stunden.

„Denn wäre es als üblich anzusehen, dass abstrakte Arbeitswerte anstelle tatsächlicher Arbeitsstunden abgerechnet werden, bedürfte es keines konkreten Stundensatzes. Vielmehr könnte für die einzelnen Reparaturleistungen in jeder Werkstatt sogleich ein Pauschalbetrag genannt und abgerechnet werden“, heißt es dazu wörtlich in der Urteilsbegründung.

 
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