IDD-Umsetzung geht ans Eingemachte

25.9.2017 – Bis zum 23. Februar 2018 muss die europäische Richtlinie für den Versicherungsvertrieb vollständig in nationales Recht umgesetzt sein und in der Beratungspraxis angewendet werden. Was auf Vermittler zukommt, war Thema einer Fachveranstaltung.

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Bei der Umsetzung der IDD in deutsches Recht ergeben sich für die Branche vier wesentliche Handlungsfelder: bei Produkten, in der Beratung, bei der Vergütung sowie der Qualifikation.

Meyer
Sascha Steiner (Bild: Meyer)

Details erläuterte Sascha Steiner, Senior Consultant bei der BDO AG Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft, während seines Vortrages auf der kürzlich abgehaltenen Hauptstadtmesse der Fonds Finanz Maklerservice GmbH (VersicherungsJournal 13.9.2017).

Handlungsfeld „Produkt“

Im Handlungsfeld „Produkt“ fordere die IDD eine konsequente Transparenz und Überwachung von Zielmärkten, wie Steiner betonte. So müsse klar herausgearbeitet werden, ob man als Hersteller oder Vertreiber eines Produkts fungiere.

Zudem müsse der Vertrieb innerhalb klar definierter Zielmärkte stattfinden (VersicherungsJournal 15.9.2017). Vermittler haben demnach die Pflicht, sich alle erforderlichen Informationen zu beschaffen, damit sie den Zielmarkt jedes Produkts verstehen, das sie vermitteln wollen.

Absehbar sei auch, dass Kunden dann Produktinformations-Blätter für Versicherungsanlage-Produkte (Priips) beziehungsweise für Nicht-Lebensversicherungs-Produkte (Ibip) ausgehändigt bekommen (VersicherungsJournal 22.8.2017). Diese müssen bestimmten inhaltlichen und formalen Anforderungen entsprechen, dürfen beispielsweise eine bestimmte Länge nicht überschreiten (VersicherungsJournal 31.7.2017). Inhaltlich müssen die Ibips folgende Punkte enthalten:

  • Welche Art Versicherung?
  • Was ist versichert?
  • Was ist nicht versichert?
  • Gibt es Restriktionen?
  • Wo bin ich versichert?
  • Welche Obliegenheiten gibt es?
  • Wann und wie bezahle ich?
  • Wann beginnt und endet der Schutz?
  • Wie kann ich kündigen?

Handlungsfeld „Beratung“

Beim Handlungsfeld „Beratung“ sieht Steiner die gravierendsten Veränderungen, die für alle Vertriebsformen gelten würden. Dazu zähle die Pflicht von Online-Anbietern, ebenfalls zu beraten und dies zu dokumentieren. Dies werde auch im Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) München gegen die Check24 Vergleichsportal für Versicherungsprodukte GmbH wegen unlauteren Wettbewerbs klargestellt (VersicherungsJournal 7.4.2017, 18.8.2016, 14.7.2016). Die Folgen für den Vertrieb wurden kürzlich ausführlich skizziert (VersicherungsJournal 18.9.2017).

Zu einem Mehraufwand auch für Makler führt die obligatorische Angemessenheits- und Geeignetheits-Prüfung bei Versicherungsanlage-Produkten (VersicherungsJournal 5.7.2017), betonte Steiner. Hinter diesem Wortungetüm verberge sich die Pflicht, zu prüfen, ob ein Produkt zum Kunden passt oder nicht. „Werden Kunden regelmäßig beraten, muss jährlich neu herausgefunden werden, ob sich ein Produkt noch eignet oder nicht mehr“, erklärte Steiner.

In dem Zusammenhang sei der neue Begriff Versicherungsanlage-Produkt aufgetaucht, erläutert der BDO-Consultant. Damit werde eine Angleichung an die Anforderungen der Mifid-II-Regelungen erreicht. Das Zweite Finanzmarkt-Novellierungsgesetz, das die Finanzmarktrichtlinie (Mifid II) in Deutschland umsetzt, verschärft Regelungen für Versicherungsprodukte mit Fälligkeitswerten oder Rückkaufwerten, die vollständig oder teilweise direkt oder indirekt Marktschwankungen ausgesetzt sind.

Nicht darunter fallen laut Steiner alle Nicht-Lebensversicherungen, betriebliche Altersversorgung, Riester- und Basisrenten sowie Risikolebens-Versicherungen. Damit einher gehe, dass Kunden davor gewarnt werden müssten, wenn Produkte möglicherweise nicht zu ihnen passen.

Handlungsfeld „Vergütung“

Hierunter fallen laut Steiner alle Anreize, die dazu führen könnten, dass Vermittler gegen die Interessen von Kunden verstoßen (VersicherungsJournal 18.9.2017). Dazu zählen kritische Vergütungsansätze, etwa Staffel-Provisionen, produktspezifische Incentives sowie das Provisionsabgabeverbot ab einer Bagatellgrenze von 15 Euro (VersicherungsJournal 23.8.2017).

Rabattierungen sind nach Steiners Auffassungen weiter möglich, wenn der Vermittler beispielsweise auf Teile seiner Provision zugunsten einer Prämienreduzierung verzichtet. Positiv sieht er, dass Vermittler zwar die Art ihrer Vergütung offenlegen, aber keine Angaben in Euro und Cent machen müssten. Bei Honorarvermittlung müsse das Durchleitungsgebot bei der Vermittlung von Bruttotarifen durch Versicherungsberater beachtet werden.

Handlungsfeld „Qualifikation“

In diesem Bereich seien vor allem der Nachweis der Sachkunde und die Weiterbildungspflicht für vertriebsnahe Mitarbeiter von Versicherern von Bedeutung. Für Makler ändere sich hier wenig, wenn sie schon bisher im Rahmen der Weiterbildungs-Initiative „gut beraten“ oder anderweitig für frisches Wissen gesorgt haben.

Festgeschrieben würden künftig verpflichtend 15 Stunden Weiterbildung pro Jahr – auch für vertriebsnahe Mitarbeiter. Details werde aber erst die noch zu überarbeitende Versicherungs-Vermittlungs-Verordnung bringen.

Steiners Fazit: Der Druck aus Richtung Verbraucherschutz steige und erfordere erhöhte Ansprüche an klare Prozesse der Beratung, an Qualität und Dokumentation. Um das zu bewältigen, sei es auch notwendig, die Antragsprozesse zu digitalisieren. Nur so seien der Dokumentationsaufwand bei Versicherungsanlage-Produkten und die Überwachung von Zielmärkten betriebswirtschaftlich beherrschbar.

 
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