Streit um Auffahrunfall

28.7.2017 – Kommt es zu einem Auffahrunfall, weil ein Autofahrer wegen eines von ihm wahrgenommenen Martinshorns bremst, so ist in der Regel allein der Auffahrende für die Kollision verantwortlich. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Hamburg vom 31. Oktober 2016 hervor (306 O 141/16).

WERBUNG

Nach einem Bericht des Deutschen Anwaltvereins hatte die Klägerin in einem vor dem Hamburger Landgericht verhandelten Fall mit ihrem Personenkraftwagen vor einer auf Rot zeigenden Ampel gehalten.

Als sie bei Grünlicht nach rechts abbog, nahm die Klägerin ein Martinshorn wahr. Weil sie nicht wusste, aus welcher Richtung sich das Einsatzfahrzeug näherte, brachte sie ihr Fahrzeug zum Stillstand. Dabei fuhr der hinter ihr fahrende Pkw, der ebenfalls an der Ampel gewartet hatte und dessen Fahrer auch nach rechts abgebogen war, auf ihr Auto auf.

Vorwurf des Mitverschuldens

Der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer des Auffahrenden bestritt zwar nicht, dass überwiegend sein Versicherungsnehmer für den Auffahrunfall verantwortlich war. Er hielt die Klägerin jedoch für mitschuldig. Denn diese habe ihr Fahrzeug völlig unnötig mit einer Vollbremsung zum Stillstand gebracht. Das sei dem Versicherten zum Verhängnis geworden.

Der habe nämlich angesichts der kurzen Strecke, welche die Beteiligten von der Ampel aus zurückgelegt hatten, keine Chance gehabt, einen ausreichenden Sicherheitsabstand herzustellen. Die Klägerin habe den Unfall daher zu mindestens einem Drittel mitverschuldet.

Doch dem wollten sich die Richter des Hamburger Landgerichts nicht anschließen. Sie gaben der Klage der Frau auf die vollständige Erstattung des ihr entstandenen Schadens statt.

Wichter Grund

Gemäß § 4 Absatz 1 Satz 2 StVO dürfe ein Vorausfahrender zwar nicht ohne einen zwingenden Grund stark bremsen. Anderseits müsse gemäß Satz 1 des Gesetzes der Abstand zu Vorausfahrenden so bemessen sein, dass auch dann rechtzeitig angehalten werden könne, wenn dieser sein Fahrzeug zum Stillstand bringe. Der Beweis des ersten Anscheins spreche folglich für ein alleiniges Verschulden des Beklagten.

Die Klägerin habe nämlich durchaus einen wichtigen Grund gehabt, ihr Fahrzeug zum Stehen zu bringen. Denn das Vernehmen eines Martinshorns gebietet es, sich schnellstmöglich Kenntnis darüber zu verschaffen, von wo aus sich das mit Sonderrechten fahrende Fahrzeug annähert. Nichts anderes habe die Klägerin gemacht.

Auch wenn später kein Fahrzeug mit Blaulicht beziehungsweise Martinshorn an der Unfallstelle vorbeigefahren sei, reiche es aus, dass die Klägerin ein Martinshorn gehört hat. Andere Gründe, warum sie gebremst haben könnte, seien nämlich nicht ersichtlich. Daher trete auch die Betriebsgefahr des von der Klägerin gefahrenen Fahrzeugs vollständig hinter dem Verschulden des Beklagten zurück.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gewerbeordnung · Haftpflichtversicherung · Pkw
 
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Keine Angst vorm Zahnarzt!

Fondsverkauf einfach gemacht

Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich auf eine Zielgruppe zu spezialisieren?

Welche Vorteile eine Spezialisierung besonders in Bezug auf Zahnärzte bietet, erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
24.7.2017 – Die Schuldfrage bei Parkplatzunfällen zu klären, ist auch für Richter nicht immer möglich. So auch in einem vom Amtsgericht Frankenthal entschiedenen Fall. mehr ...
 
10.3.2017 – Der Spezialmakler Hans John versichert Vermittler nun noch umfangreicher. Produkt- oder Preis-News gibt es auch von der ERV, der HDI Global, dem Volkswohl Bund, der Württembergischen sowie vom Maklerverbund Mibb. Gleich dreimal geht es um „Räder“. mehr ...
 
7.12.2016 – Nach der harten Rätselnuss aus der Vorwoche wird es dieses Mal weihnachtlich gemütlich – zumindest, was die Darstellung betrifft. Wer weiterklickt, erfährt die Auflösung und den Gewinnernamen des letzten Rätsels. (Bild: Lier) mehr ...
 
15.3.2016 – Lösungen für den Umgang mit abgelehnten Schadenfällen, die Tücken von Regulierungsvollmachten, „Abmahnungen und andere schlimme Dinge“ sowie die Praxis der Digitalisierung wurden beim Maklerforum der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler angeboten. (Bild: Meyer) mehr ...
 
14.11.2014 – Der Bestand an Kasko-Policen ist in den letzten Jahren kräftig angestiegen. Check24 hat anhand von 700.000 Datensätzen die Durchdringung mit Teil- oder Vollkaskoversicherungen in Relation zu Fahrzeugwert und -alter analysiert. (Bild: Wichert) mehr ...
 
4.10.2013 – Ein Minderjähriger hatte sich des Autoschlüssels des Familienautos für einen Fahrt mit einem Freund bemächtigt. Über die Obliegenheits-Pflichten der Eltern wurde vor Gericht gestritten. mehr ...
 
2.5.2013 – Ob ein Bauunternehmen zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn es im Bereich einer Straßenbaustelle wegen einer widersprüchlichen Beschilderung zu einem Unfall kommt, zeigt ein kürzlich bekannt gewordenes Gerichtsurteil. mehr ...