Lebensversicherer: Nach HGB insolvent, nach Solvency ll fit?

1.2.2017 – Die Ratingagentur Assekurata sieht ihre 196 Milliarden Euro geschätzte Zinszusatzreserve (ZZR) bis 2025 durch den Sicherungsbedarf plausibilisiert. Angesichts dieser finanziellen Belastungen fürchtet sie um den einen oder anderen Lebensversicherer. Die aktuelle Marktstudie zeigt die Datenlage für die seit 2011 für die klassischen Garantien im Deckungsstock zu bildende ZZR.

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Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH schätzt, dass die Branche bis 2025 rund 196 Milliarden Euro Zinszusatzreserve aufbauen muss.

Reiner Will (Bild: Lier)
Reiner Will (Bild: Lier)

Diese Zahl ist nicht neu (VersicherungsJournal 17.6.2016), kann nun aber plausibilisiert werden, so Assekurata-Chef Dr. Reiner Will bei der Vorstellung der aktuellen Marktstudie zu den Überschussbeteiligungen (VersicherungsJournal 1.2.2017).

Hoch, aber nicht unrealistisch

In ihrer Marktstudie hatte Assekurata erstmals auch den in § 139 Absatz 4 VAG durch das LVRG definierten Sicherungsbedarf abgefragt. Dieser ergibt sich als Lücke der Deckungsrückstellung, wenn die Versicherungs-Verpflichtungen mit dem Marktzinssatz neu bewertet werden.

Von den 52 Studienteilnehmern hatten 31 Gesellschaften ihren Sicherungsbedarf beziffert. Diese Zahl war hochgerechnet worden – und entspricht dem Mittelwert der bislang von den Kölnern prognostizierten Zahl für die ZZR bis 2025.

Für 2016 schätzt Assekurata die ZZR-Zuführung auf 13 Milliarden Euro. Damit wären dann seit 2011 rund 45 Milliarden Euro ZZR gebildet worden. Die Bundesregierung hatte im Rahmen einer Kleinen Anfrage der Abgeordneten Susanna Karajawanskij und der Linksfraktion die bis 2016 gebildete ZZR auf rund 44,1 Milliarden Euro beziffert (VersicherungsJournal 31.1.2017).

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Schwer zu finanzieren

Will warnt vor den in den nächsten Jahren noch deutlich steigenden Belastungen. Einzelne Unternehmen könnten dies möglicherweise nicht mehr finanzieren. „Der Patient darf nicht an der Medizin sterben“, so Will, der die ZZR an sich für sinnvoll, die Methode aber für änderungswürdig hält.

Der Patient darf nicht an der Medizin sterben.

Dr. Reiner Will zur Zinszusatzreserve

„Es kann passieren, dass Gesellschaften in der HGB-Welt dadurch insolvent werden, während sie unter Solvency ll mit der Übergangsfrist von 15 Jahren solvent sind. Und wie soll das dann ein Verbraucher verstehen?“, so der Assekurata-Chef.

Eine Änderung des Berechnungsmodus der ZZR ist bekanntlich nicht in Sicht, wie Bafin-Exekutivaufseher Dr. Frank Grund schon mehrfach ausgeführt hat (VersicherungsJournal 15.11.2016).

Mit Wirkung

Der Studie zufolge müssen inzwischen mehr als die Hälfte der Sparguthaben mit mindestens 3,00 Prozent Zins bedient werden. Der Referenzzins der ZZR ist 2016 auf 2,54 Prozent gesunken, wodurch erstmals auch für die Tarife mit einem Garantiezins von 2,75 Prozent Reserven gebildet werden müssen. Mittlerweile sind zwei Drittel der Bestände von der Zinszusatzreserve betroffen.

Nach Berechnung von Assekurata beträgt die durchschnittliche Garantiezinsanforderung im Bestand nun 2,89 (Vorjahr: 2,97) Prozent im arithmetischen und 2,95 (3,01) Prozent im gewichteten Durchschnitt. Durch die ZZR sinken diese Werte auf 2,32 (2,58) Prozent beziehungsweise 2,35 (2,57) Prozent.

Lars Heermann (Bild: Lier)
Lars Heermann (Bild: Lier)

Der im Durchschnitt höchste Wert vor ZZR lag bei 3,34 (3,37) Prozent, der niedrigste bei 1,92 (2,14) Prozent. Die Entlastungswirkung beträgt also mittlerweile durchschnittlich 0,57 Prozentpunkte.

Wahlrechte genutzt

Die ZZR-Zuführung für 2016 entspreche in etwa dem bilanziellen Eigenkapital der Branche von rund 16 Milliarden Euro beziehungsweise 160 Basispunkten Kapitalanlageertrag, erläuterte Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei der Assekurata.

Finanziert wird die ZZR vor allem durch die Auflösung stiller Reserven in den Kapitalanlagen. Würden die Zinsen steigen, ergäben sich für die Gesellschaften einige Probleme: Die ZZR müsste aufgrund der aktuellen Methodik weitergeführt werden, zugleich lösten sich die Reserven in Festverzinslichen auf und es würden Abschreibungen auf Wertpapierbestände nötig. Zudem könnten Stornoprobleme hinzukommen.

33 von 47 Unternehmen haben eigenem Bekunden nach die Erleichterungen bei der Berücksichtigung der Storno- und Kapitalwahl-Wahrscheinlichkeiten bei der Berechnung der ZZR genutzt. Im Marktdurchschnitt ergab sich daraus eine Entlastung bei der ZZR-Zuführung von etwa 30 Prozent.

Die „Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2017: ‚Wenn Du eine Garantie haben willst, dann kauf Dir eine Lebensversicherung!?‘“ kann unter diesem Link bei Assekurata ab netto 689 Euro bestellt werden.

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