27.1.2012 – Die Assekurata Assekuranz Rating Agentur-GmbH erwartet, dass sich der Trend fallender Überschussbeteiligungen kurzfristig nicht umkehren wird. Altverträge mit vier Prozent Garantiezins wird die Branche in diesem Jahr stark nachreservieren müssen, so die aktuelle Studie zur Überschussbeteiligung. Erstmals wurden auch die Wachstumsaussichten abgefragt.

Die Assekurata schätzt die Entwicklung der Gewinnbeteiligung in der Lebensversicherung für 2013 „kritisch“ ein. Aufgrund des schwierigen Kapitalmarktumfelds und der Einführung von Solvency ll dürfte sich der Trend der fallenden Überschussbeteiligungen kurzfristig nicht umkehren, sagte Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will bei der Vorstellung der aktuellen Studie.
Die laufende Verzinsung von Lebens- und Rentenversicherungen falle 2012 im Marktdurchschnitt erstmals unter die Vier-Prozent-Marke und damit auf den historisch niedrigsten Stand, so Will. Seine Untersuchung zeigt, dass die Spreizung bei den verschiedenen Renditegrößen im Markt immer weiter wird. Die Auswahl des richtigen Anbieters gewinne damit für Kunden und Vermittler an Bedeutung.
Die Deklaration der laufenden Verzinsung für 2012 sinkt im Marktdurchschnitt über alle Tarifarten und -generationen auf 3,94 (2011: 4,08) Prozent. Damit kommt die Assekurata-Studie zu ähnlichen Werten wie der Map-Report (VersicherungsJournal 25.1.2012).
Für die private Rentenversicherung, auf die ein Viertel des Neugeschäftes entfällt, wird die Deklaration der laufenden Verzinsung durchschnittlich auf 3,91 (2011: 4,07) Prozent gestutzt. Noch stärker sinkt die Gesamtverzinsung inklusive aller Überschusskomponenten und Bewertungsreserven, die Assekurata für einen Mustervertrag der privaten Rente mit dem Anteil der Bewertungsreserven per Ende Oktober berechnet. Der so ermittelte Wert sinkt auf 4,75 (5,03) Prozent.
Für den Mustervertrag mit 25 Jahren Laufzeit nimmt die garantierte Beitragsrendite im Neugeschäft – also die garantierte Verzinsung des Sparanteils mit 1,75 Prozent – auf weniger als ein Prozent ab und liegt damit unter der Inflationsrate. Bei Laufzeiten von nur zwölf Jahren wird die Beitragsrendite bei einigen Anbietern sogar negativ.
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| Neugeschäft 2012 | Neugeschäft 2011 |
|---|---|---|
| Arithmetische Mittelwerte für einen bestimmten Mustervertrag; Quelle: Assekurata 2012 | ||
| Garantierte Verzinsung | 1,75% | 2,25% |
| Garantierte Beitragsrendite | 0,92% | 1,39% |
| Prognostiziert bzw. illustrierte Beitragsrendite | 3,66% | 3,81% |
| Laufende Verzinsung | 3,91% | 4,07% |
| Gesamtverzinsung bei Bewertungsreserven gleich Null | 4,57% | 4,72% |
| Gesamtverzinsung mit allen Überschusskomponenten und Bewertungsreserven | 4,75% | 5,03% |
Im Bestand liegt die durchschnittliche Garantieverzinsung trotz der Zinssenkungen in den letzten Jahren bei 3,23 Prozent. Knapp ein Viertel der Verpflichtungen muss mit dem Garantiezins von vier Prozent bedient werden. Das sind die Verträge, die von Juli 1994 bis Juli 2000 verkauft wurden.

Der Studie zufolge mussten alle Lebensversicherer aufgrund des niedrigen Zinsniveaus, das auf Basis eines einheitlichen Referenzzinses ermittelt wird, Verträge mit dem Höchstrechnungszins von 4,00 Prozent nachreservieren.
Für den Gesamtmarkt entspreche dies auf Basis der Geschäftsjahresdaten 2010 einem Aufwand von etwa 1,5 Milliarden Euro beziehungsweise einem Anteil von etwa zehn Prozent des Rohüberschusses, so Analyse-Leiter Lars Heermann.
In der Lebensversicherung gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung der Kunden, so dass diese Nachreservierung dieser hochverzinsten Verträge, die zu Lasten des Kollektivs geht, gegenfinanziert werden muss. Die BaFin empfiehlt, diese über unterschiedliche Verteilungen der Schlussgewinne vorzunehmen.
Nach Meinung der Assekurata verstärkt sich der Eindruck, dass einzelne Lebensversicherer selbst das Vertrauen in das Geschäftsmodell der konventionellen Lebensversicherung verlieren. Die Stimmen in der Branche würden lauter, dass sich das Geschäftsmodell mit langfristigen Garantien überdauert habe.
Dies könne zur Konsequenz haben, dass vermehrt Gesellschaften ihr Neugeschäft auf fondsgebundene Lebensversicherung verlagerten und das konventionelle Geschäft damit zunehmend zu einem „de facto-Run off“ werde.
Über alle Produktarten schätzen die Lebensversicherer ihre Wachstumschancen für 2012 der Studie zufolge „neutral bis leicht positiv“ ein. Das mit Abstand beste Stimmungsbild besteht für die Berufsunfähigkeits-Versicherung, für die kein Anbieter „negative“ und elf „sehr gute“ Wachstumschancen angaben.
Hingegen schätzt nur ein Versicherer die Wachstumschancen für die konventionellen Lebens- und Rentenversicherungen als „sehr positiv“ ein. 18 Unternehmen bezeichneten die Wachstumschancen für die fondsgebundene Lebensversicherung als „positiv“ und. „sehr positiv“. In der Tendenz positiv sehen die Unternehmen auch ihre Chancen in der Pflege- und der Risikolebens-Versicherung, wobei die Branche dem letztgenannten Produkt Nachholbedarf attestiert.
An der Untersuchung nahmen 67 (72) Lebensversicherer mit einem Marktanteil von 87,36 (93,48) Prozent teil. Nicht mitgemacht haben: Arag Lebensversicherungs-AG, Dialog Lebensversicherungs-AG, Generali Lebensversicherung AG, Münchener Verein Lebensversicherung a.G., Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG, Rheinland Lebensversicherung AG, Universa Lebensversicherung a.G., VPV Lebensversicherungs-AG und WWK Lebensversicherung a.G. Die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG lieferte Daten, aber verspätet.
Die Studie „Anleihezins, Garantiezins und Überschussverzinsung im Sinkflug – Wie attraktiv ist die konventionelle Lebensversicherung noch? – Fakten, Hintergründe und Kommentare zur Überschussbeteiligung 2012“ einschließlich vieler Einzelauswertungen kann in verschiedenen Version ab brutto 236,81 Euro erworben werden. Ein Bestellformular findet sich auf dieser Internetseite.
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