Kurswechsel bei der Provinzial Rheinland Leben

4.5.2017 – Die Rheinischen Provinzial-Versicherungen haben 2016 infolge des Kurswechsels beim Einmalbeitrag Prämie verloren. Dabei wuchs der Kompositbereich überdurchschnittlich und verdiente – auch dank Sondereffekten – mehr.

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Über der zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörenden Provinzial Rheinland Gruppe schwebt unverändert das Gespenst einer Fusion mit der Provinzial Nordwest. Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sei es zwar hinsichtlich des Fusionsthemas ruhig und beide Unternehmen hätten Projekte begonnen, um ihre Fitness zu stärken; aber „das Nachdenken hört nicht auf“, sagte Vorstandschef Dr. Walter Tesarczyk.

Die Anläufe, die seit Jahrzehnten unternommen werden, wirken sich auch auf die Sparkassen Direktversicherung AG (S-Direkt) aus. „Wir wollen ihr Geschäft verbreitern, aber es ist schwer absehbar, wie sich die Konstellationen in der Finanzgruppe gestalten“, so der Vorstandschef auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz.

Walter Tesarczyk (Bild: Lier)
Walter Tesarczyk (Bild: Lier)

Kein Kannibalismus

„Die S-Direkt ist für uns eine starke strategische Option. Viele Internetversicherer verdienen kein Geld; unsere S-Direkt tut das und entwickelt sich weiterhin gut“, so Tesarczyk weiter. Er betonte aber auch, dass es für die S-Direkt keine Eile gebe.

Der Direktversicherer ist bereits seit 20 Jahren am Markt. Vor Jahren war der Eigentümerkreis um die rheinischen Sparkassen, die VGH Versicherungen, die Öffentliche Versicherung Braunschweig und die Oldenburgische Landesbrandkasse erweitert worden.

Die S-Direkt zeichnet bislang vor allem Kraftfahrtgeschäft. Da die Marke „aktiv“ außen vor bleibe beim eigenen Außendienst und beim Sparkassenvertrieb, beschränke sich das Wechselgeschäft zwischen den Gesellschaften auf etwa 300 Verträge im Jahr.

Ausstieg aus der Klassik

Auch die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG ist inzwischen aus dem Neugeschäft mit klassischen Garantieprodukten ausgestiegen. „Es gibt aber keinen Run-off“, sagte Tesarczyk. Verkauft wird nun eine Police aus der Gattung „Neue Klassik“ mit endfälligen Garantien.

Diese Sparbeiträge fließen, ebenso wie der garantierte Teil der Fondsgebundenen, in den Deckungsstock. Der Lebensversicherer hat zudem beim Einmalbeitragsgeschäft umgesteuert: Laufzeiten unter sechs Jahren gibt es nach Unternehmensangaben nicht mehr. Länger laufendes Einmalbeitragsgeschäft wurde für den Vertrieb limitiert, so der für das Leben-Geschäft verantwortliche Vorstand Guido Schaefers.

Das Einmalbeitragsgeschäft fiel 2016 um fast 16 Prozent auf 501 Millionen Euro zurück. Insgesamt buchte der Lebensversicherer 2016 mit 1,21 Milliarden Euro knapp neun Prozent weniger Beitrag. Wie sich bereits bei den vorläufigen Zahlen für 2016 abzeichnete, zog der Rückgang in Leben die Beitragseinnahme der gesamten Gruppe um 1,2 Prozent auf 2,706 Milliarden Euro nach unten (VersicherungsJournal 14.2.2017).

Guido Schaefers (Bild: Lier)
Guido Schaefers (Bild: Lier)

Ausreichend Kapital

Durch das geringere Neugeschäft, aber auch Einsparungen sowohl im Außendienst als auch in der IT verminderte sich die Abschlusskostenquote in Leben auf 4,6 (4,9) Prozent. Bei den Verwaltungskosten stieg die Quote wegen des Beitragsrückgangs auf 1,3 (1,2) Prozent.

Unter Vorbehalt, weil noch nicht vom Wirtschaftsprüfer bestätigt, wurden für die Lebensversicherung Solvenzquoten von 154 Prozent (mit Volatility Adjustment) beziehungsweise 476 Prozent (inklusive Rückstellungs-Transitional) genannt. Ohne jedwede Übergangsmaßnahmen wären es 129 Prozent.

Für Komposit wurde eine Quote nach Solvency ll von 234 Prozent genannt.

Günstige Schaden- und Kostenquote

Getragen vor allem von Kraftfahrt, Unfall und Wohngebäude ist die Provinzial Rheinland Versicherung 2016 um 4,1 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro Prämie gewachsen. Anders als Wettbewerber habe man in Wohngebäude die Preise stabil gehalten und nicht angehoben. Wachstum komme unter anderem aus Indexanpassungen und dem Neugeschäft mit Wohnbaugesellschaften.

Da der Industrieversicherungs-Markt außerordentlich schwierig sei, halte man sich hier mit Zeichnungen zurück, wenn nicht risikoadäquate Preise erzielt werden könnten, so Tesarczyk. Infolge mehrerer Großschäden sowie höherer Elementarschäden stieg die Schaden-Kosten-Quote auf 91,5 (88,7) Prozent, liegt damit aber immer noch unter dem Marktniveau von 96 Prozent.

Das Ergebnis vor Steuern machte einen Sprung auf 110 (88) Millionen Euro. Wachstum und Sondereffekte trugen die Verbesserung. So profitierte das Ergebnis von der gesetzlichen Änderung zur Berechnung des HGB-Zinssatzes bei den Pensionsrückstellungen und dem Verkauf von US-Rückversicherungs-Beständen aus den 1970er und 1980er Jahren.

Leichtes Wachstum

Die Tochtergesellschaft Lippische-Landes-Brandversicherungs-Anstalt befindet sich nach den Worten von Vorständin Sabine Krummenerl „auf sehr gutem Weg“. Diese wuchs um 0,8 Prozent auf 101,9 Millionen Euro Bruttobeitrag. Nach Sanierungen in der Kraftfahrt und in Wohngebäude wurde eine Combined Ratio von nur 90 Prozent erzielt.

Nachdem versicherungstechnisch zehn Jahre lang Handlungsbedarf bestanden habe, erzielten die Detmolder 2016 sowohl vor wie nach Schwankungsrückstellung einen Gewinn.

Weitere Details finden sich in den Geschäftsberichten unter diesem Link.

 
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