Konzernumbau: Axa streicht 800 Stellen

16.3.2017 – Bei der deutschen Axa-Gruppe reiht sich Programm an Programm. Nach Sparen mit „Focus to perform“ heißt es nun „Ambition 2020“. Letzteres soll das Geschäftsmodell transformieren, damit die Gruppe fit für die digitale Welt wird. Der neue Axa-Deutschland-Chef Dr. Alexander Vollert hat das von seinem Vorgänger übernommene Programm konkretisiert.

WERBUNG

Der neue Chef der Axa Konzern AG, Dr. Alexander Vollert, will das Geschäftsmodell der Nummer fünf im deutschen Erstversicherungsmarkt in den nächsten vier Jahren mit über 600 Millionen Euro umbauen.

Alexander Vollert (Bild: Lier)
Alexander Vollert (Bild: Lier)

Die Grundzüge des Transformationsprogramms „Ambition 2020“ (VersicherungsJournal 4.12.2015) hat er von seinem Vorgänger Dr. Thomas Buberl übernommen, der an die Konzernspitze gerückt ist (VersicherungsJournal 11.3.2016, 7.4.2016).

Viele Bausteine und Initiativen

Mit dem neuen Programm stellt sich die Axa auf die Veränderungen durch die Digitalisierung ein. Insgesamt handelt es sich um 18 Bausteine mit über 200 Initiativen, sagte Vollert am Dienstagabend vor der Presse. Es handele sich nicht um einfaches Kostensparen, sondern um die Transformation des Geschäfts und des Geschäftsmodells: „Weg von der klassischen Versicherung hin zu einer Gesellschaft, die Kundeninteraktion hat und den Kunden Sicherheit gibt.“

Gleichwohl stehen am Ende geplante Einsparungen von jährlich 180 Millionen Euro. Die Belegschaft soll bis 2020 um rund zehn Prozent beziehungsweise 800 Vollzeitstellen verkleinert werden. Mit dem Betriebsrat wurde bereits eine Betriebsvereinbarung geschlossen, bei der sich das Management verpflichtet hat, das sogenannte „Axa-Bündnis“ bis 2020 zu verlängern und auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Der Personalabbau geschieht nach Unternehmensangaben über die Ausnutzung der natürlichen Fluktuation und personalwirtschaftliche Instrumente wie Vorruhestandsregelungen und Abfindungen.

Zwischen 2010 bis Ende 2015 waren im Rahmen des Programms „Focus to perform“ die Belegschaft um 1.800 Personen und der Kostenblock um 328 Millionen Euro abgebaut worden (VersicherungsJournal 28.5.2015).

Vertretervertrieb bleibt wichtig

Das Programm „Ambition 2020“ setzt laut Vollert an drei Stellschrauben an: der Verbesserung der Kundenbeziehung, der Erhöhung von Effizienz und Effektivität und der Einführung einer neuen Unternehmenskultur.

Alle Kundenprozesse bekämen ein neues „Design“ und verbindliche Servicelevel. An allen relevanten Punkten will der Axa-Deutschland-Chef künftig die Weiterempfehlungs-Bereitschaft bei den Kunden abfragen. Der sogenannte Net Promoter Score (NPS) ist auch bei der Allianz-Gruppe, von der Vollert kommt, eine besonders wichtige Steuerungsgröße (VersicherungsJournal 17.8.2016).

Der Axa-Deutschland-Chef geht davon aus, dass nur ein „kleiner Teil der Kunden wirklich ausschließlich digital“ unterwegs sein wird und der Vertrieb für die persönlichen Interaktionswünsche der Kunden weiterhin wichtig ist. Man müsse den Vertretervertrieb aber in die digitale Welt bringen, beispielsweise mit Instrumenten wie der „DigiMap“ (VersicherungsJournal 5.7.2016).

Neue Produktentwicklung

Um effizienter und effektiver zu werden, wird unter anderem in den SHUK-Sparten in den nächsten drei Jahren ein neues IT-System implementiert. Bei der Produktentwicklung gilt laut Vollert „mobil first“.

Produkte müssen nun so entwickelt werden, dass sie auch auf kleinen Smartphones quotierbar und kaufbar sind. Sprich: Risikoinformationen müssen für den Versicherer einfach zu generieren sein, soll der potenzielle Käufer nicht durch langwierige Eingaben abgeschreckt werden.

Um dennoch ausreichend Informationen für die Preisfindung zu erhalten, werde auch auf externe Daten zurückgegriffen, beispielsweise auf Angaben der Katasterämter in der Wohngebäudeversicherung.

Die Mitarbeiter sollen künftig stärker funktionsübergreifend zusammenarbeiten. Hierarchien sollen flacher und Mitarbeiter flexibler in ihrem Arbeitseinsatz werden. Da eine Unternehmenskultur mit „agilem Führen und agilen Arbeiten“ (ähnlich der von Start-ups) eine andere Art des Arbeitens bedeutet, sollen alle Standorte auch räumlich umgebaut werden. Begonnen wird mit Hamburg, wo ohnehin ein Mietvertrag ausgelaufen ist.

Weniger feste Plätze

Von aktuell 1,1 Arbeitsplätzen je Mitarbeiter will Vollert auf eine Quote von 0,8 kommen. Dies geschieht zum einen durch mehr Heimarbeits-Plätze, zum anderen durch eine neue Aufteilung des Arbeitens.

So soll es weniger feste Büros für bestimmte Mitarbeiter geben. Stattdessen gibt es für einzelne Teams eine „homebase“ mit verschiedenen Räumen für unterschiedliche Arbeitsphasen – etwa Räume für Projektarbeit, Telefonie et cetera.

Da der Mitarbeiter der Zukunft auch teils andere Fähigkeiten benötigt als derzeit, setzt Vollert auf Aus- und Weiterbildung. Beispielsweise würden Führungskräfte seit rund anderthalb Jahren in Fragen wie „Rückdelegation von Verantwortung und Aufgaben“ geschult.

 
WERBUNG
WERBUNG
Die besten Vertriebstipps für Praktiker!

Fondsverkauf einfach gemacht

Warum nicht einfach Fonds verkaufen?

Wie Sie Kunden gewinnen und erfolgreiche Verkaufsgespräche führen.

Mehr Informationen und zur Bestellung...

WERBUNG
WERBUNG
Die Termin- und Empfehlungsquote steigern

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Kunden wollen für Themen gewonnen werden. Wie der Vermittler sie in Vorträgen zu Eigeninitiative animiert, zeigt dieses Praktikerhandbuch.

Mehr Informationen...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
30.3.2016 – Werden in einem Unternehmen gute Karrieremöglichkeiten attestiert, kann das den Ausschlag geben für die Arbeitgeberwahl. Dies gilt auch für Vertriebsunternehmen, die mit ihren Ratingergebnissen um die Gunst der zukünftigen Vermittler werben. mehr ...
 
23.4.2014 – Ob Demografie oder zunehmende Regulierung – die Versicherungsbranche steht vor einschneidenden Veränderungen. Welche Auswirkung dies auf Produkte und Vertrieb hat, zeigt eine Interview-Reihe im VersicherungsJournal. Teil 1: Wolfgang Hanssmann, Vertriebsvorstand Axa Konzern AG. (Bild: Axa) mehr ...
 
7.3.2017 – Die Aussichten der Mitarbeiter in der zunehmend digitalisierten Assekuranz und die größten Entwicklungspotenziale für die nächsten fünf Jahre wurden für die Studie „Kompetenzlabor – Welche Kompetenzen benötigt die Versicherungswirtschaft künftig“ untersucht. (Bild: F-BB und BWV) mehr ...
 
3.3.2017 – Der Marktführer in der Krankenversicherung hat auch 2016 wieder kräftig Vollversicherte gewonnen. Zudem geht die Debeka bei der Transparenz in die Offensive. Zusammen mit Concordia und Huk-Coburg will sie ein Vergleichsportal betreiben. (Bild: Lier) mehr ...
 
3.3.2017 – Der Personalabbau in der Assekuranz geht weiter: Jetzt haben auch der Gothaer-Konzern und der Industrieversicherer der Allianz den Wegfall von Stellen angekündigt. mehr ...
 
3.2.2017 – Die Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi) will, dass die Versicherungs-Angestellten deutlich besser an den „guten“ Unternehmensergebnissen beteiligt werden. Mit welchen Forderungen die Gewerkschaften in die Ende März beginnenden Tarifverhandlungen gehen. mehr ...
 
2.2.2017 – Nach dem ergebnislosen Auftakt der Tarifverhandlungen für die Angestellten im Versicherungs-Außendienst ist eine Einigung in weiter Ferne. Die Positionen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern liegen weit auseinander – und die Fronten scheinen massiv verhärtet. mehr ...