Insurtech Getsafe entwickelt Versicherungen

9.11.2017 – Der Makler und Anbieter eines digitalen Versicherungsordners, Getsafe, wird noch in diesem Jahr damit beginnen, eigene Versicherungen zu vertreiben. Als Risikoträger ist die Munich Re mit im Boot. Um das Vertrauen der Kunden in die Branche zu verbessern, setzt das Unternehmen auf Transparenz und ein Finanzierungsmodell nach dem Vorbild von US-Insurtech Lemonade.

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Bereits im April dieses Jahres wurde verkündet, dass der Digital-Makler Getsafe Insurance GmbH eigene Versicherungen anbieten will (VersicherungsJournal Medienspiegel 11.4.2017). Noch in diesem Jahr soll der Versicherungsvertrieb beginnen – zunächst mit einer Haftpflichtversicherung.

Munich Re ist mit im Boot

Getsafe hat keine Lizenz bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) beantragt, erläutert Geschäftsführer Christan Wiens auf Nachfrage des VersicherungsJournals. Das Unternehmen agiert jedoch in einem regulatorischen Umfang, der über den eines Assekuradeurs hinausgehe, wie er verdeutlichte.

Der Risikoträger ist die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re). Von dieser erhält Getsafe neben der Rückversicherung auch – wie Wiens sagt – leere Lizenz-Zellen. „Wir wickeln von der Produktentwicklung, über das Underwriting, Schäden, Technologie, Verwaltungssystem und weiteres alles komplett ab – ohne Einschränkungen, da unser Partner eben ein Rückversicherer ist“, so Wiens.

V.l.n.r: Die Getsafe-Geschäftsführer Marius Blaesing und Christian Wiens (Bild: Getsafe)
v.l.n.r: Die Getsafe-Geschäftsführer Marius Blaesing und Christian Wiens (Bild: Getsafe)

Direktvertrieb in Deutschland geplant

Dieser Ansatz und das Kooperationsmodell mit der Munich Re seien dabei kostengünstig, erlaubten Getsafe einen verhältnismäßig schnellen Marktstart und kurze Innovationszyklen, erläuterte der Geschäftsführer. Die Munich Re ist laut Wiens nicht an Getsafe beteiligt.

Die entwickelten Produkte werden unter der Marke „Getsafe“ im Direktvertrieb oder über den hauseigenen Versicherungsmanager an die Kunden gebracht. Unter dem Namen „Versicherungsmanager“ verbirgt sich im Übrigen das ursprüngliche Konzept von Getsafe. Im Rahmen der Umstrukturierung des Unternehmens wird das Geschäftsfmodell des digitalen Maklers und Versicherungsordners unabhängig weitergeführt, heißt es.

Beginnend mit einer Haftpflichtversicherung soll das Versicherungs-Geschäft Wiens zufolge sowohl um weitere Sachtarife als auch auf die Sparten Lebens- und Krankenversicherung erweitert werden. Als Zielmarkt fokussieren die Geschäftsführer zunächst Deutschland.

Keine Anreize, Schäden abzulehnen

Um das Vertrauen der Kunden in Versicherungen wiederzugewinnen, setzt Getsafe eigenen Angaben zufolge auf volle Transparenz. Wiens vertritt die Meinung, dass Versicherer sich mit dem Begleichen der Schäden schwer tun, da jeder bezahlte Schaden den Gewinn des Unternehmens schmälert. „Kunden denken, dass ihre Versicherung im Ernstfall ohnehin nicht leistet und reichen immer öfter ‚Gefälligkeitsschäden‘ ein, um sich etwas von den teuren Beiträgen wiederzuholen“, so Wiens.

Dabei bezieht er sich unter anderem auf Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), wonach 45 Prozent der eingereichten Schäden als unbegründet bewertet wurden (VersicherungsJournal 13.7.2011).

Finanzierung nach US-Vorbild

Um dem aus dem Weg zu gehen, hat sich Getsafe an dem Konzept des US-Insurtechs Lemonade Insurance Company orientiert. Von vorn herein wird ein fester Satz in Höhe von 20 Prozent des Beitrags (in der Sachversicherung) einbehalten, um laufende Kosten und die Gewinne zu finanzieren. Nicht in den 20 Prozent enthalten sind Schadenkosten sowie der Rückversicherungs-Beitrag, ergänzt Wiens.

„Wenn am Ende eines Jahres weniger Schäden entstehen als geplant und damit Beiträge übrig bleiben, spendet Getsafe überschüssige Gelder an wohltätige Zwecke, die von den Kunden vorab bestimmt werden“, heißt es in einer Pressemeldung zum Konzept.

Eine tiefgreifende Disruption kann es nur geben, wenn man auch Kontrolle über die Produkte und dahinterliegende Technik erlangt.

Christian Wiens, Geschäftsführer von Getsafe

Damit die Kunden sehen können, wie die Gelder des Unternehmens verteilt werden, erhalten sie ein Mal im Jahr einen Bericht über die Verwendung der Beiträge für Schäden und die Auszahlungen an soziale Einrichtungen via App.

Aussichten für Insurtechs positiv

Wiens glaubt an eine positive Zukunft für Insurtechs. In einer Branche, in der allein in Deutschland über 200.000 Beschäftigte arbeiten, gebe es seiner Ansicht nach genug Raum für innovative und digitale Vertriebsansätze.

Entwicklungsbedarf sieht er bei der Zusammenarbeit zwischen den Versicherern und den digitalen Maklermodellen. Allerdings glaubt er, dass nicht alle dieser Maklermodelle die Branche nachhaltig verändern werden, da sie im Prinzip immer noch Produkte von klassischen Versicherern verkaufen. „Eine tiefgreifende Disruption kann es nur geben, wenn man auch Kontrolle über die Produkte und dahinterliegende Technik erlangt“, findet Wiens.

 
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