Versicherte bemängeln die Beratung zur bAV

4.9.2017 – Versicherte, die über die Allianz eine betriebliche Altersversorgung abgeschlossen haben, sind mit ihrem Versicherer im Gesamten am zufriedensten. Das geht aus einer Befragung von Servicevalue und Focus-Money unter 2.203 Versicherten hervor. Die am schlechtesten bewertete Kategorie in der Studie ist die Kundenberatung. Darüber, dass bAV-Renten Steuer- und Sozialabgabe-pflichtig sind oder welche Auswirkung der niedrigere Bruttolohn haben kann, fühlen sich nicht alle Befragten gut informiert. Doch genau das sind nach Ansicht der Verbraucherzentrale Bayern die Aspekte, die vor Abschluss einer bAV unbedingt betrachtet werden sollten.

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Die Servicevalue GmbH hat in Kooperation mit der Zeitschrift Focus-Money in der Online-Umfrage „Kundenurteil: Fairness von betrieblichen Altersversorgern 2017“ 2.203 „Kunden“ zu ihren Versicherern befragt. Servicevalue befragte Arbeitnehmer, die fälschlicher Weise als Kunden in der Studie bezeichnet wurden. Dies räumte die Gesellschaft auf Nachfrage des VersicherungsJournals ein.

Die Teilnehmer konnten bis zu zwei Anbieter bewerten, bei denen sie in den letzten 24 Monaten „Kunden waren“, wie es in den Studienunterlagen heißt. Dadurch kamen 2.904 Urteile zusammen.

Bewertungen für 30 Versicherer

Insgesamt wurden 30 Anbieter in die Auswertung einbezogen. Servicevalue erklärte dazu auf Nachfrage. „Entscheidend für die Auswertung, Berichtlegung und Veröffentlichung ist letztendlich eine hinreichend hohe Anzahl an eingeholten Urteilen im Rahmen der eigeninitiierten sowie ohne Kenntnis der untersuchten Anbieter durchgeführten Online-Befragungen.“

Die Datenerhebung erfolgte im Juni und Juli dieses Jahres. Anhand einer fünfstufigen Skala mit den Antwortmöglichkeiten „ausgezeichnet“, „sehr gut“, „gut“, „mittelmäßig“ und „schlecht“ wurden die Versicherten gebeten, ihren Anbieter zu benoten.

18 Leistungskriterien in fünf Kategorien

Über eine weitere vierstufige Skala wurde des Weiteren die Zustimmung zu 18 Leistungskriterien, aufgeteilt in fünf Kategorien, abgefragt. Die Antwortmöglichkeiten waren „trifft voll und ganz zu“, „trifft eher zu“, „trifft eher nicht zu“ und „trifft überhaupt nicht zu“. Die Umfrageteilnehmer mussten ihre Versicherer in folgenden Bereichen bewerten:

  • faire Produktleistung (zum Beispiel Kombinations-Möglichkeiten, Zusatzversicherungen, problemlose Weiterführung),
  • faire Kundenberatung (zum Beispiel Hinweise zur Minderung der Sozialversicherungs-Leistungen, zur Sozialversicherungs-Pflicht, zur Haftung bei Beitragsrückständen),
  • faire Kommunikation (zum Beispiel Vollständigkeit der Informationen, Verbindlichkeit von Aussagen, Verständlichkeit der Unterlagen),
  • fairer Kundenservice (zum Beispiel Kontaktmöglichkeiten, Fachkompetenz, attraktive Einzel- oder Gruppenvereinbarungen),
  • faires Preis-Leistungs-Verhältnis (Kostentransparenz, Preis-Leistungs-Verhältnis).

Eine genaue Aufschlüsselung darüber, auf welche Durchführungswege sich die Befragten mit ihren Arbeitgebern bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) geeinigt haben, geht aus den Studienunterlagen nicht hervor. Einige Kategorien und Leistungskriterien können zudem von den hier befragten Arbeitnehmern vermutlich gar nicht beantwortet werden, da der Versicherungsnehmer, der vorrangig Kontakt zu den bAV-Anbietern hat, der Arbeitgeber ist.

Versicherte der Allianz, der Axa und der DEVK sind am zufriedensten

Über alle 30 bewerteten Versicherer hinweg vergaben die Befragten in puncto Gesamtzufriedenheit die Note 2,21 auf der fünfstufigen Antwortskala.

Als bester bAV-Anbieter schnitt die Allianz Lebensversicherungs-AG bei ihren Versicherten ab. Sie bewerteten die Gesellschaft mit durchschnittlich 1,94. Nur 0,02 Notenpunkte schlechter und damit Zweitplatzierte ist die Axa Lebensversicherung AG, gefolgt von dem Versicherer DEVK mit einem Notenschnitt von 2,01.

Mit diesen Anbietern sind die Versicherten im Gesamten am zufriedensten (Bild: Servicevalue)
Mit diesen Anbietern sind die Versicherten im Gesamten am zufriedensten (Bild: Servicevalue).

Die Versicherten der Huk-Coburg-Lebensversicherung AG würden diese am ehesten weiterempfehlen. Sie vergaben die durchschnittliche Punktzahl von 1,66 auf der vierstufigen Antwortskala. Die Allianz folgt mit einem Notenschnitt von 1,77 auf dem zweiten und die Swiss Life AG, Niederlassung für Deutschland mit 1,79 auf dem dritten Rang.

Allianz überzeugt auch Vermittler

Auch die Vermittler, die an der Untersuchung der BBG Betriebsberatungs GmbH und des IVV Instituts für Versicherungsvertrieb Beratungsgesellschaft mbH im Mai dieses Jahres teilnahmen, wählten die Allianz zum beliebtesten bAV-Direktversicherer. Ihr folgt in dieser Studie die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G.

Im Durchführungsweg Unterstützungskasse lag die Allianz hauchdünn hinter der Alten Leipziger, was die Gesamtzufriedenheit betrifft (VersicherungsJournal 26.7.2017).

„Faire Kundenberatung“ ist die am schlechtesten bewertete Kategorie

Die Kategorie, die bei Servicevalue mit den negativsten Notendurchschnitten bewertet wurde, ist die, die vermutlich eine der wichtigsten bei der Auswahl einer betrieblichen Altersversorgung ist: die Kundenberatung.

Die Hinweise zur Minderung der Sozialversicherungs-Leistungen (2,0), zur Krankenversicherungs-Pflichtgrenze (2,04), zur Haftung bei Beitragsrückständen (2,01) und zur Sozialversicherungs-Pflicht (1,99) wurden am schlechtesten beurteilt.

Die Kategorie „Faire Kundenberatung“ ist die am schlechtesten bewertete (Bild: Servicevalue)
Die Kategorie „Faire Kundenberatung“ ist die am schlechtesten bewertete (Bild: Servicevalue). Zum Vergrößern Bild klicken.

Jedoch ist auch hier zweifelhaft, inwieweit die befragten Arbeitnehmer überhaupt vom jeweiligen Versicherer beraten wurden.

Die (potenziellen) Folgen eines bAV-Abschlusses

Dass Beitragsleistungen zur bAV dazu führen, dass die Versicherten weniger in die Sozialversicherungen einzahlen und deshalb von dort weniger Leistungen erhalten, erklärt aus der Sicht der Befragten die Württembergische Lebensversicherung AG am besten. Sie wurde in diesem Leistungskriterium mit der Bestnote von 1,83 bewertet.

Auf dem zweiten Platz mit jeweils 1,85 landen die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. und die Huk-Coburg. Mit einer Durchschnittsbewertung von 1,86 folgt die Allianz auf dem dritten Rang.

Bei der Entgeltumwandlung kann es zudem passieren, dass ein Arbeitnehmer wieder unter die Krankenversicherungs-Pflichtgrenze fällt und demnach regulär gesetzlich krankenversichert sein müsste.

Hinweise auf diese potenziellen Auswirkungen erhielten die Befragten den Bewertungen zufolge am besten von der Huk-Coburg (1,78). Nur wenig schlechter wurde die Axa bewertet (1,79). Ihr folgt mit einem Bewertungsdurchschnitt von 1,8 die Allianz auf Rang drei.

Allianz informiert am besten über Beitragspflicht der Renten

Darüber, dass Beitragsrückstände zur Haftung führen, fühlen sich Allianz-Versicherte am besten aufgeklärt (1,83). Diejenigen, die bei der Huk-Coburg und der Iduna Vereinigte Lebensversicherung a.G. bAV-versichert waren, bescheinigen ihren Versicherern mit einer Durchschnittsbewertung von je 1,88 die zweitbeste Beratung diesbezüglich. Mit je 1,9 bewerteten Versicherte des Anbieters R+V und der Axa ihre Versicherer. Sie landen damit auf Rang drei.

BAV-Renten sind in vollem Umfang für gesetzlich versicherte Leistungsempfänger Sozialversicherungs-pflichtig. Hierüber fühlen sich die bAV-Versicherten der Allianz am besten informiert und vergaben die Durchschnittsnote 1,82. In Abstufungen von je 0,01 Bewertungspunkten folgen die Signal Iduna auf Rang zwei und die R+V auf Rang drei.

Verbraucherschutz rät bAV-Interessierten zur Vorsicht

Nicht nur die Sozialversicherungs-Pflicht der bAV-Renten stößt bei Verbraucherschützern auf Unmut. Auch Einkommenssteuer wird auf diese Rentenzahlungen erhoben. In einem Statement der Verbraucherzentrale Bayern e.V. von Ende Mai dieses Jahres rät diese bAV-Interessierten dazu, genau zu errechnen, ob sich eine Betriebsrente für sie lohnt.

Für Arbeitnehmer sei es laut diesem Statement wichtig, die Netto-Leistung im Rentenalter genau zu prüfen. Neben den Abzügen in der Leistungsphase und der potenziell geringeren gesetzlichen Rente aufgrund des niedrigeren Bruttolohns kann es zu Minderleistungen des Krankentage-, Arbeitslosen- und Erziehungsgelds in der Ansparphase kommen, heißt es.

Vor allem junge Arbeitnehmer sollten gut aufpassen. „Wenn sich der Arbeitgeber nicht mit einem nennenswerten Beitragszuschuss einbringt, drohen deutliche Einbußen“, warnt Merten Larisch, Altersvorsorgeberater der Verbraucherzentrale Bayern, im Bericht. Je nach Alter sollte der Arbeitgeberanteil laut der Verbraucherschützer demnach bei mindestens 40 Prozent liegen.

Laut dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) werden Arbeitgeber dazu verpflichtet, sich ab 2018 mit 15 Prozent an den Beiträgen zu beteiligen, soweit sie Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sparen. Von welchem Betrag genau diese 15 Prozent eingezahlt werden sollen, ist bis dato jedoch noch nicht geklärt (VersicherungsJournal 28.8.2017).

Bezugshinweis

Die vollständige 205-seitige Studie (PDF-Datei) kann unter diesem Link per E-Mail oder per Fax unter 0221 67786719 für 4.641 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) bestellt werden.

 
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