Studie: Cyber-Deckungen werden Kfz-Versicherungen überholen

9.2.2017 – Laut Modellrechnungen der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG wird das Prämienvolumen in der Cyber-Versicherung in Deutschland bis zum Jahr 2036 von heute 90 Millionen Euro auf bis zu 20 Milliarden Euro wachsen. 75 Prozent des Potenzials entfallen dabei auf Privatkunden und kleinere Unternehmen. Die Besonderheiten erfordern eine eigene Sparte „Cyber-Versicherungen“. Durch wachsende Vernetzung steigen die Cyber-Risiken. Die am Markt vorhandenen Produkte bieten weitgehend nur Teillösungen und sind für Kunden schwer verständlich.

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„Eine neue Cyber-Sparte hat das Potenzial, die Kraftfahrtversicherung als volumenstärkste Sparte in der Schaden- und Unfallversicherung abzulösen. Während früher die Industrie im Fokus stand, sind es jetzt die privaten Haushalte und das Gewerbe.“

So fasste Jörg Wälder, Senior Executive bei der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG, die Ergebnisse der aktuellen, gestern vor der Presse in Frankfurt vorgestellten Studie seines Hauses zusammen.

Drei Viertel des Cyber-Prämienvolumens entfallen auf Privatkunden

Für die KPMG-Studie „Versicherungen im Zeitalter von Digitalisierung und Cyber“ wurde im Teil B „Cyber“ ein Prognosemodell für die Prämienvolumina in Deutschland, Österreich und in der Schweiz (Dach-Region) bis zum Jahr 2036 entwickelt. Im optimistischsten Szenario wächst das Prämienvolumen in dieser Region auf 26,24 Milliarden Euro.

Dieses eher progressive Szenario unterstellt, dass sich der Anstieg der Cyber-Kriminalitätsfälle und damit die Versicherungs-Bereitschaft stärker als erwartet beschleunigt. Einen noch stärkeren Wachstumsschub hält KPMG dann für möglich, wenn die meisten Menschen regelmäßig von Cyber-Schäden betroffen sein werden.

Bleibt die Bereitschaft, sich abzusichern, weiterhin eher verhalten, würde sich das Prämienvolumen in den nächsten 20 Jahren immerhin noch um 9,4 Milliarden Euro erhöhen. Alle Szenarien zeigen, dass das Segment der kleineren Unternehmen auf bis zu fünf Milliarden Euro zulegen wird – und das der privaten Haushalte noch kräftiger. Für Letztere wird ein Anteil an den gesamten Prämieneinnahmen von 70 bis 75 Prozent errechnet.

Cyber-Versicherungen müssen eine eigene Sparte werden

„Es muss gelingen, das Geschäft zu automatisieren“, erläuterte KPMG-Partner Markus Heyen die seiner Meinung nach zwingend erforderliche Voraussetzung für die Versicherbarkeit des Cyber-Bereichs. „Automatisierung ist Pflicht im Massengeschäft. Am Ende muss eine eigene Sparte, ein eigenes Produkt stehen.“

Zur Schlüsselfrage werde das Kumulrisiko. „Die Antworten in Cyber sind anders. Was ist beispielsweise mit dem Ausschluss von Schäden durch Kriegsereignisse, dem Thema Prävention oder dem Aufbau eines Case-Managements für sofortige Hilfe, wenn die eigene Web-Seite gehackt wird oder ähnliches? Die Anforderungen an die Professionalität sind extrem hoch“, so Wälder.

Auch die Produktentwicklung und die Prämienkalkulation unterscheide sich deutlich von allen anderen Sparten. Zunächst sieht er aber einen Trend, Cyber-Risiken zu separieren und aus vorhandenen Deckungskonzepten auszuschließen: „Das Problem ist, diese Risiken richtig einzuschätzen. Deshalb werden heute oft nur kleine Schritte unternommen.“

Mehr Cyber-Schäden durch wachsende Vernetzung

„Es entstehen komplexe Landschaften. Die Vernetzung unserer Welt nimmt fast nicht vorstellbare Maßstäbe an“, führte Wälder weiter aus. Weltweit beliefen sich im Jahr 2015 die Cyber-Schäden auf schätzungsweise 450 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 420 Milliarden Euro – Stand 8. Februar 2017).

Mit 51 Milliarden US-Dollar (knapp 48 Milliarden Euro) liegt Deutschland auf Platz drei der Top-Ten-Wirtschaftsmächte hinter den USA mit 108 Milliarden US-Dollar (circa 101 Milliarden Euro) und China mit 60 Milliarden US-Dollar (rund 56 Milliarden Euro).

Mit einem Anteil von 1,6 Prozent des Brutto-Inlandprodukts hat Deutschland die relativ höchsten Cyber-Schadenkosten aller Industrienationen. Für Experte Wälder sind „Hausrat und Cyber gefühlt gleich wichtig“.

Der Diebstahl von Daten, aber auch die Manipulation von digitalen Informationen beziehungsweise Bildern sei ein Massenphänomen. „Die Frequenz und die Intensität der Einschläge wird heftiger“, ergänzte Heyen. „Zurzeit ist das Bewusstsein dafür noch nicht ausgeprägt. Das wird sich aber ändern.“

Kritik an den vorhandenen Versicherungsangeboten

Die Modellrechnung ist nur ein kleiner Teil der knapp 70 Seiten umfassende KPMG-Studie. So setzen sich die Experten unter anderem auch gründlich mit dem vorhandenen Zahlenmaterial auseinander, bieten eine Definition für die geforderte neue Sparte „Cyber-Versicherung“ an und analysieren gesellschaftliche Trends sowie die aktuelle Marktsituation.

Im Privatbereich gibt es erst wenige umfassende Versicherungsangebote, lautet ein Studienergebnis. Als Anbieter von Lösungen für Teilbereiche des Cyber-Risikos einer Privatperson werden neun Versicherer aufgezählt. Die Produkte seien uneinheitlich und teilweise schwer zu verstehen.

Darüber hinaus kommen die Verfasser zu dem Ergebnis: Die vorhandenen Produkte enthalten in der Regel nur einzelne Bausteine oder sind in andere Policen integriert. Dies sei für den Kunden im Schadenfall kaum zu durchschauen. Häufig fehlten auch Eigenschadendeckungen, eine adäquate Assistance-Leistung und regelmäßig eine technische Unterstützung im Schadenfall, so die Kritik.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Assistance · Cyberversicherung · Digitalisierung · Kfz-Versicherung
 
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