Deutsche Mitte ist Weltmeister im Verdrängen

15.11.2017 – Die Deutschen im mittleren Alter sorgen sich um ihre Alterseinkünfte, können und wollen aber nicht oder nicht ausreichend privat vorsorgen, länger arbeiten oder Steuern für staatliche Fördermaßnahmen zahlen. Das hat eine neue Studie herausgefunden.

WERBUNG
Kennen Sie Ihren Marktwert?
Mit einem Stellengesuch in unserem Anzeigenmarkt finden Sie ihn heraus.
Kostenlos und unter Chiffre...

Die 30- bis 59-jährigen Deutschen sind im Großen und Ganzen mit ihrer Lebenssituation zufrieden, so das Ergebnis der mittlerweile fünften Auflage der Studie „Generation Mitte“. Diese hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) gestern in Berlin vorgestellt.

Wolfgang Weiler (Bild: Elke Pohl)
Wolfgang Weiler (Bild: Elke Pohl)

Vier von fünf der 1.053 Befragten (79 Prozent) bezeichnen ihre Lebenssituation als „gut“ oder „sehr gut“, das sind vier Prozent mehr als 2016.

Auch die wirtschaftliche Lage hat sich für 34 Prozent verbessert, nur 17 Prozent finden sie schlechter als im Vorjahr (VersicherungsJournal 24.11.2016).

Finanzielle Zukunftssorgen

„Dennoch ist die Generation Mitte materiell eine besorgte Generation“, betonte GDV-Präsident Dr. Wolfgang Weiler.

Allerdings bezögen sich die Bedenken weniger auf die Gegenwart als auf die Zukunft. So fürchte die Hälfte der Befragten, im Alter nicht den jetzigen Lebensstandard halten zu können (2016: 55 Prozent).

Die staatliche Rente sehen die meisten Befragten mit Skepsis. 34 Prozent denken, dass sie deutliche Abstriche an ihrem bisherigen Lebensstandard machen müssten, 14 Prozent sehen in ihr höchstens eine minimale Existenzabsicherung – und für neun Prozent würde es nicht einmal dafür reichen.

Trotzdem hätten nur 37 Prozent so vorgesorgt, dass sie sich ausreichend fürs Alter abgesichert fühlen. Für 62 Prozent der Befragten fehlt nach eigenem Bekunden der finanzielle Spielraum, um mehr für die Altersvorsorge zu tun.

Auch gut Betuchte sparen nicht fürs Alter

„Allerdings betrifft das nicht nur Menschen mit geringem Einkommen“, zeigte sich Professorin Dr. Renate Köcher verwundert. Die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) stellte die Details der Studie vor, die vom GDV in Auftrag gegeben worden war.

Auch für Wolfgang Weiler ist die deutliche Furcht vor Altersarmut und die fehlende Bereitschaft zur Vorsorge ein bedenklicher Widerspruch. „Viele Bürger finden offenbar keinen Ansatz für sich, dieses Problem zu lösen“, so seine Einschätzung. 40 Prozent der Befragten planen in finanziellen Dingen weniger als fünf Jahre im Voraus.

Viele Bürger finden offenbar keinen Ansatz für sich, dieses Problem zu lösen.

GDV-Präsident Dr. Wolfgang Weiler zum Widerspruch zwischen Furcht vor Altersarmut und fehlender Bereitschaft zur Vorsorge

Zu den Ergebnissen der Studie zählt auch dies: Die Bereitschaft, bis zum Renteneintritt oder sogar darüber hinaus zu arbeiten, ist eher gering. 24 Prozent wollten zum normalen Zeitpunkt aussteigen, 29 Prozent gar früher aufhören. Nur sieben Prozent könnten sich für eine Verlängerung ihres Arbeitsverhältnisses erwärmen.

Dabei wäre längere Berufstätigkeit laut Weiler ein wichtiger Hebel für eine höhere staatliche Rente. Vorerst sollte aber erst einmal dafür gesorgt werden, dass überhaupt bis derzeit 65,5 Jahren gearbeitet wird oder werden kann, so Weiler. Tatsächlich gingen die Deutschen im Schnitt mit 64 Jahren in Rente (VersicherungsJournal 20.7.2017).

Wunsch nach mehr staatlicher Unterstützung

Derzeit verbringen die Bundesbürger im Schnitt 20 Jahre, also fast ein Viertel ihrer Lebenszeit, im Ruhestand. 1970 waren es erst zehn Jahre. „Das ist für jedes Altersvorsorgesystem eine enorme Herausforderung“, so Weiler weiter. „Und zwar für alle drei Säulen.“

58 Prozent der Befragten wünschen, dass die private und betriebliche Altersversorgung (bAV) stärker staatlich unterstützt wird. Etwa drei Viertel wünschen sich eine gute Betriebsrente, für nur ein Viertel ist dies laut Studie schon Realität.

Daher sollten Arbeitgeber diesen Hebel in der Personalpolitik besser nutzen, schlägt Weiler vor. Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz stärke unter anderem die Entgeltumwandlung. Zudem werde bei reinen Beitragszusagen ein Opting-out kommen, bei dem jeder bAV anspart, es sei denn, er votiert bewusst dagegen (VersicherungsJournal 30.10.2017).

„Diese und andere Neuerungen werden sich positiv auf Verbreitung und Volumen der bAV auswirken“, glaubt Weiler. Nun dürfte in den Betrieben auch die Riester-Rente Fuß fassen, die allerdings generell „schlanker, effizienter und weniger bürokratisch werden“ müsse. „Vor allem die komplexe Zulagensituation muss entschärft werden“, so Weiler.

 
WERBUNG
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

WERBUNG
WERBUNG
Keine Angst vorm Zahnarzt!

Fondsverkauf einfach gemacht

Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich auf eine Zielgruppe zu spezialisieren?

Welche Vorteile eine Spezialisierung besonders in Bezug auf Zahnärzte bietet, erfahren Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
1.4.2016 – Fachkräftemangel auf der einen, Altersarmut auf der anderen Seite: Man sollte meinen, die Zeiten wären gut für die betriebliche Altersversorgung (bAV). Der klassische Vermittler ist hier gefragt, schreibt Regina Kutschera in einem Gastbeitrag. (Bild: Kutschera) mehr ...
 
28.4.2017 – Welche Anlageformen Bundesbürger am häufigsten nutzen, wovor sie Angst haben und was sie im anhaltenden Zinstief tun wollen, zeigt der aktuelle Axa-Deutschland-Report. (Bild: VersicherungsJournal) mehr ...
 
10.4.2017 – Die Linksfraktion fordert in ihrem Entwurf für das Programm zur Bundestagswahl eine weitreichende Reform der Altersvorsorge. Kernpunkte sind eine solidarische Mindestrente und eine Bürger-Rentenversicherung, in die ausnahmslos alle einzahlen sollen. mehr ...
 
4.4.2017 – Die FDP fordert in ihrem Entwurf für das Programm zur Bundestagswahl eine radikale Reform der Altersvorsorge. Statt der Rente mit 67 Jahren soll ein flexibler Übergang ab dem 60. Lebensjahr möglich sein. mehr ...
 
24.1.2017 – Wie soll die Zukunft der Altersvorsorge aussehen? Eine konsensfähige Verständigung liegt in weiter Ferne, wie die Anhörung zum Rentenversicherungs- und Alterssicherungsbericht im Arbeits- und Sozialausschuss des Bundestags deutlich machte. mehr ...
 
28.10.2016 – Ist Altersarmut ein gravierendes Problem oder droht nur eine Zunahme aufgrund der Berechnungsmethode? Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat gestern vor dem Reformvorhaben gewarnt. (Bild: Brüss) mehr ...
 
12.10.2016 – Der Versuch einer Zwischenbilanz: Der Renten-Dialog zwischen Regierung sowie Verbänden und Institutionen steht kurz vor dem Ende. Dann liegt es an Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD), ein Reformpaket vorzulegen. (Bild: Brüss) mehr ...
 
10.9.2012 – Das SPD-Präsidium will heute über ein Rentenkonzept beraten, das zur Vermeidung von Altersarmut eine Garantierente von 850 Euro vorsieht. Außerdem wollen die Sozialdemokraten die betriebliche Altersvorsorge massiv stärken, wie Medien übereinstimmend berichten. mehr ...
WERBUNG