Diese Wohngebäudeversicherer schrieben 2022 tiefrote Zahlen

4.12.2023 (€) – 31 der 50 größten Anbieter erzielten im vergangenen Jahr in der verbundenen Wohngebäudeversicherung eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent. Dies zeigt der jüngst erschienene „Branchenmonitor 2017-2022: Wohngebäudeversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig. Auf den höchsten Wert von rund 145 Prozent kam die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse. Auffällig ist, dass die Marktteilnehmer mit hohen Combined Ratios mehrheitlich überdurchschnittlich hohe Betriebskosten- wie auch Schadenquoten aufweisen.

2022 sind die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) organisierten Wohngebäudeversicherer versicherungstechnisch erneut in der Verlustzone gelandet. Die Combined Ratio (nach Abwicklung, in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) betrug im vergangenen Jahr nach Verbandsangaben 106,4 Prozent.

Deutliche Verbesserung

Das war zwar um 33 Prozentpunkte besser als im vom Sturmtief „Bernd“ geprägten Jahr zuvor (VersicherungsJournal Archiv), als mit fast 140 Prozent der zweithöchste Wert in diesem Jahrtausend erreicht worden war.

Höher lag die kombinierte Schaden-Kosten-Quote nur einmal, und zwar in dem von der „Jahrhundertflut an der Elbe“ gekennzeichneten Jahr 2002. In den Folgejahren bis 2015 hatte die Branche durchgängig rote Zahlen geschrieben. Nur viermal im Betrachtungszeitraum erreichten die Wohngebäudeversicherer die Gewinnzone.

Wohngebäudeversicherung Combined Ratio 2002 bis 2022 (Bild: Wichert)

Bis auf die erweiterten Elementarschäden sind die Aufwendungen bei allen Schadenursachen 2022 gestiegen. Die Gefahr Leitungswasser zog leicht auf ein neues Rekordniveau gewachsene Kosten in Höhe von 3,8 Milliarden Euro nach sich.

Für Feuerschäden mussten die Gebäudeversicherer ein Drittel mehr bezahlen als 2021, für Sturm- und Hagelschäden sogar zwei Drittel mehr. Insgesamt hatte die Branche in dieser Sparte mit fast 7,7 Milliarden Euro die zweithöchste Summe seit 2002 zu stemmen (22.12.2023).

Fast zwei von drei Wohngebäudeversicherern im roten Bereich

Nur 19 der 50 nach Prämienvolumen größten Anbieter nahmen mehr ein als sie ausgaben (4.12.2023). Für die verbleibenden 31 Marktteilnehmer stand im vergangenen Jahr eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent zu Buche.

Dies ist dem jüngst veröffentlichten „Branchenmonitor 2017-2022: Wohngebäudeversicherung“ zu entnehmen. Die Studie wird jährlich von der V.E.R.S. Leipzig GmbH durchgeführt. Sie enthält Übersichten zu zahlreichen Kennzahlen der 50 größten Marktakteure in der verbundenen Wohngebäudeversicherung (VGV), die auf rund 95 Prozent Marktanteil kommen.

Zum Vergleich: Im Jahr zuvor landeten noch 36 (8.12.2022) Anbieter versicherungstechnisch in der Verlustzone, zwei Jahre zuvor nur acht (17.12.2021). In den Jahren davor traf dies auf 15 (11.11.2020), 28 (5.11.2019) beziehungsweise 22 Gesellschaften (30.10.2018) zu.

Ostfriesische Brandkasse mit der höchsten Quote

Der höchste Wert von fast 145 Prozent wird für die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse ausgewiesen. Im Geschäftsbericht 2022 (PDF, 4,9 MB) führt das Unternehmen zum Hintergrund neben zwölf großen Feuerschäden auch „das außergewöhnlich hohe Schadenaufkommen, verursacht durch die Orkanserie im Februar 2022“ an. Die Unwetter sorgten branchenweit für einen Schadenaufwand von über 600 Millionen Euro (21.2.2022, 22.2.2022, 28.2.2022).

Dem konnte auch „das beste Neugeschäft in unserer 269-jährigen Geschichte“, wie es in dem Bericht heißt, nicht weiterhelfen. Denn den um 8,6 Prozent auf 23,8 Millionen Euro gestiegenen Prämieneinnahmen standen fast verdoppelte Aufwendungen für Versicherungsfälle in Höhe von 27 Millionen Euro gegenüber.

Gothaer mit Combined Ratio von 140 Prozent

Die zweithöchste kombinierte Schaden-Kosten-Quote stand für die Gothaer Allgemeine Versicherung AG zu Buche. Bei einem Beitragszuwachs von rund einem Neuntel auf fast 250 Millionen Euro nahmen die Aufwendungen für Versicherungsfälle, die sich um Vorjahr in etwa verdoppelt hatten, „nur“ um ein Neuntel auf 265,5 Millionen Euro wieder ab.

Die Zahl der gemeldeten Schäden nahm gar um ein Fünftel auf 66.341 zu. Über 40 Prozent davon entfielen laut Geschäftsbericht 2022 (PDF, 1,8 MB) auf die Orkanserie im Februar.

Weitere Anbieter mit hohen Quoten

Deutlich markt-überdurchschnittliche Quoten werden auch für die Hamburger Feuerkasse Versicherungs-AG (128 Prozent), die BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG (122 Prozent) und die Mannheimer Versicherung AG (121 Prozent) aufgeführt.

Zwischen fast 120 und etwa 118 Prozent liegen Adler Versicherung AG, Provinzial Versicherung AG, Ergo Versicherung AG und Nürnberger Allgemeine Versicherungs-AG.

Wohngebäudeversicherung höchste Schaden-Kosten-Quoten (Bild: Wichert)

Sehr hohe Schadenquoten

Ein Blick auf die Schadenquoten (Schadenaufwendungen in Prozent der verdienten Bruttoprämien) der vorgenannten Unternehmen zeigt bei allen von ihnen meist deutlich über dem Durchschnitt der 50 aufgelisteten Akteure (76,7 Prozent) liegende Werte.

Die BA die Bayerische Allgemeine schaffte es mit 81,6 Prozent immerhin auf Rang 31. Das Unternehmen verbesserte sich um etwa 65 Prozentpunkte und 18 Plätze. Auf den Positionen 48 bis 50 finden sich mit jeweils dreistelligen Schadenquoten die Hamburger Feuerkasse, die Gothaer und die Ostfriesische Brandkasse wieder.

Letztgenannter Akteur verschlechterte sich aus den oben genannten Gründen um 48 Prozentpunkte. Höher fiel die Schadenquote ansonsten nur noch bei der Hamburger Feuerkasse (plus zehn Prozentpunkte) und der Mannheimer (plus rund zehn Punkte) aus.

Die übrigen Anbieter mit den höchsten Combined Ratios verbesserten sich alle – um mindestens 14 Prozentpunkte (Ergo). Bei der bayerischen sank die Quote am stärksten.

Wohngebäudeversicherung Schadenquoten (Bild: Wichert)

Sehr hohe Betriebskostenquoten

Bei einem Blick auf Betriebskostenquoten (Betriebsaufwendungen (brutto direkt) in Prozent der verdienten Bruttoprämien (direkt)) fällt auf, dass diese zum Großteil überdurchschnittlich hohe Werte aufweisen. Ausnahmen sind die Provinzial (mit leicht verbesserten 21,1 Prozent an siebter Stelle) und die Hamburger Feuerkasse (Position 19 mit 26,9 Prozent).

Leicht über dem Schnitt lag die Ostfriesische Brandkasse. Andererseits steht für die Bayerische mit 40,8 Prozent der höchste Wert zu Buche. Die Adler landete mit 37,2 Prozent auf Platz 48, die Mannheimer mit 35,4 Prozent an 46. Stelle.

Letztgenannter Anbieter ist der einzige, bei dem sich die Quote deutlich veränderte. Der Anstieg um vier Prozentpunkte liegt laut Geschäftsbericht 2022 (PDF, 806 KB) „gleichermaßen in den Abschluss- und Verwaltungskosten begründet.“ Weiter wird ausgeführt, dass die Kosten „wie erwartet“ überproportional zum Beitragswachstum gestiegen seien.

Wohngebäudeversicherung Betriebskostenquoten (Bild: Wichert)

Der „Branchenmonitor 2017-2022: Wohngebäudeversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig. Die rund 80-seitige Studie kann als PDF-Version für brutto 803,25 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Maik Entrich per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659262 bestellt werden.

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