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Diese Wohngebäudeversicherer schrieben 2019 (tief)rote Zahlen

11.11.2020 – 15 der 50 größten Anbieter erzielten im vergangenen Jahr in der verbundenen Wohngebäudeversicherung eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent. Dies zeigt der jüngst erschienene „Branchenmonitor 2014-2019: Wohngebäudeversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig. Auf den schlechtesten Wert kam die Bayerische Hausbesitzer-Versicherung mit weit über 120 Prozent. Auffällig ist, dass die Marktteilnehmer mit hohen Combined Ratios mehrheitlich überdurchschnittlich hohe Betriebskosten- wie auch Schadenquoten aufweisen.

2019 sind die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) organisierten Wohngebäudeversicherer erst zum dritten Mal seit 2002 versicherungstechnisch in der Gewinnzone gelandet.

Laut dem „Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2020“ des GDV (VersicherungsJournal 2.9.2020) betrug die Combined Ratio (nach Abwicklung, in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) im vergangenen Jahr 96,7 (2018: 104,2) Prozent.

Dies entspricht dem zweitniedrigsten Wert im Betrachtungszeitraum, lediglich 2016 lag die Quote leicht niedriger (6.11.2017). Zwischen 2002 und 2015 hatte die Branche durchgängig rote Zahlen geschrieben. Dabei waren es 2007 und 2013 jeweils mehr als 130 Prozent – und 2002 sogar über 140 Prozent.

VGV Combined Ratio 2002 bis 2019 (Bild: Wichert)

Fast jeder dritte Anbieter im roten Bereich

Für 15 der 50 nach Prämienvolumen größten Anbieter stand im vergangenen Jahr eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent zu Buche. Dies ist dem jüngst veröffentlichten „Branchenmonitor 2014-2019: Wohngebäudeversicherung“ zu entnehmen.

Die Studie wird jährlich von der V.E.R.S. Leipzig GmbH in Kooperation mit der Sirius Campus GmbH durchgeführt. Sie enthält Übersichten zu zahlreichen Kennzahlen der 50 größten Marktakteure in der verbundenen Wohngebäudeversicherung (VGV), die auf rund 95 Prozent Marktanteil kommen.

Zum Vergleich: Im Jahr zuvor landeten mit 28 Anbietern fast doppelt so viele in der Verlustzone (5.11.2019). In den beiden Jahren davor traf dies auf 22 (30.10.2018) beziehungsweise elf (6.11.2017) Unternehmen zu.

Sieben Marktteilnehmer mit leichten Verlusten

Die Ergo Versicherung AG und die R+V Allgemeine Versicherung AG landeten 2019 nur hauchdünn über der 100-Prozent-Marke.

Zwischen einem und unter vier Cent Verlust pro Beitragseuro schrieben Continentale Sachversicherung AG, Basler Sachversicherungs-AG, HDI Versicherung AG, Allianz Versicherungs-AG und BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG. Letztgenannte Gesellschaft trat 2019 noch als Bayerische Beamten Versicherung AG am Markt auf (18.8.2020, 7.9.2020).

Combined Ratio 100 bis unter 104 Prozent (Bild: Wichert)

Zum Teil deutliche Verbesserungen

Alle vorgenannten Anbieter kamen auf niedrigere Werte als im Jahr zuvor. Basler und Allianz schnitten um jeweils etwa vier Prozentpunkte besser ab, Continentale und HDI sogar um jeweils um die 15 Prozentpunkte.

Bei den Hannoveranern gingen die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle um über ein Zehntel auf 68 Millionen Euro zurück. Ausschlaggebend dafür sei ein um rund ein Neuntel gesunkener Geschäftsjahres-Schadenaufwand gewesen, „da weniger Kleinkumule und Frequenzschäden vorlagen“, heißt es im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 796 KB). Auf der anderen Seite erhöhte sich das Prämienvolumen um ein Zwölftel auf 109 Millionen Euro.

In der gleichen Größenordnung stiegen die Bruttobeitragseinnahmen bei der Continentalen (auf 71,0 Millionen Euro). „Der Aufwand der Geschäftsjahresschäden verzeichnete gegenüber dem Vorjahr einen spürbaren Rückgang um 7,0 Prozent auf 55,1 Millionen Euro“, wird im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 682 KB) ausgeführt.

„Während im Jahr 2018 das Sturmtief ‚Friederike‘ zu einem signifikanten Anstieg der Schadenaufwendungen beitrug, waren die Sturmereignisse 2019 – wie unter anderem das Sturmtief ‚Eberhard‘ und der Juni-Hagel ‚Jörn‘ – weniger schadenträchtig“, heißt es in der Publikation weiter.

Bayerische Hausbesitzer mit der höchsten Combined Ratio

Die höchste Combined Ratio wird mit fast 124 Prozent für die Bayerische Hausbesitzer-Versicherungs-Gesellschaft a.G. ausgewiesen. Im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 533 KB) verweist das Unternehmen auf eine „erheblich gestiegene Schadenbelastung […] durch das schwere Hagelunwetter ‚Jörn‘ am Pfingstmontag“ (13.6.2019, 19.6.2019). Das Naturereignis hatte vor allem in Bayern massive Schäden verursacht (5.5.2020).

Dadurch fielen die Brutto-Schadenaufwendungen für Geschäftsjahresschäden mit 19,1 Millionen Euro um 29,6 Prozent höher aus als 2018. Seinerzeit und im Jahr davor hatte die Gesellschaft kombinierte Schaden-Kosten-Quoten von jeweils gut 110 Prozent verzeichnet. Zum Vergleich: Das Bruttoprämienvolumen erhöhte sich im vergangenen Jahr „nur“ um rund sieben Prozent auf 18,2 Millionen Euro.

Auch Bayerischer Versicherungsverband und Ösa mit hohen Quoten

Ebenfalls tief in der Verlustzone (Combined Ratios von jeweils über 116 Prozent) waren im vergangenen Jahr die Bayerischer Versicherungsverband Versicherungs-AG und die Öffentliche Feuerversicherung Sachsen-Anhalt (Ösa). Allerdings waren sowohl die Entwicklung als auch die Hintergründe unterschiedlich.

Bei Ersterer stieg die Brutto-Geschäftsjahres-Schadenquote von 66,3 auf 89,4 Prozent. Das war laut Geschäftsbericht 2019 (PDF, 398 KB) „überwiegend auf die zufallsbedingten Naturereignisse vor allem das Pfingstunwetter Jörn zurückzuführen“.

Dadurch wurden mit 274 Millionen Euro um 47 Prozent höhere Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle nötig als 2018. Zum Vergleich: Die gebuchten Bruttobeiträge nahmen nur um etwa zehn Prozent auf 29 Millionen Euro zu. Die Combined Ratio schnellte 2019 um über 20 Prozentpunkte nach oben.

Bei der Ösa reduzierte sich die kombinierte Schaden-Kosten-Quote um über neun Prozentpunkte. Auch 2017 lag der Wert bei über 120 Prozent. Die Schadenaufwendungen verminderten sich 2019 – bei einem Beitragswachstum von  fast zehn Prozent auf 25,8 Millionen Euro – um 1,3 Prozent auf 22,1 Millionen Euro. Die Anzahl der gemeldeten Schäden nahm um fast ein Drittel auf gut 15.000 ab, ist dem Geschäftsbericht 2019 (PDF, 5,7 MB) zu entnehmen.

Weitere Anbieter mit Quoten von mindestens 104 Prozent

Ein vergleichsweise hoher Wert steht mit fast 110 Prozent auch für die Interrisk Versicherungs-AG Vienna Insurance Group zu Buche. Dies bedeutet ein Plus von elf Prozentpunkten. Die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle erhöhten sich nach Unternehmensangaben um annähernd 30 Prozent auf fast 22,4 Millionen Euro, während die Beiträge „lediglich“ um gut zwölf Prozent auf 29 Millionen Euro stiegen.

Quoten zwischen 105 und 104 Prozent werden für die Mannheimer Versicherung AG, die Nürnberger Allgemeine Versicherung AG, die Condor Allgemeine Versicherungs-AG und die Signal Iduna Allgemeine Versicherung AG ausgewiesen.

Combined Ratio über 104 Prozent (Bild: Wichert)

Nürnberger und Signal Iduna mit deutlichen Verbesserungen

Dabei ging es bei der Mannheimer und der Condor um jeweils über fünf Prozentpunkte bergab. Bei der Nürnberger und der Signal Iduna betrug die Verminderung sogar jeweils mehr als 15 Prozentpunkte.

Die Nürnberger konnte das Prämienaufkommen deutlich (plus ein Achtel auf 56,5 Millionen Euro) ausbauen, während die Schadenlast um etwa ein Zwölftel auf 39,1 Millionen Euro sank. Noch stärker legte die Signal Iduna bei den Einnahmen zu (plus über ein Fünftel auf 151,6 Millionen Euro). Der Schadenaufwand wuchs nur um 1,4 Prozent auf 114,3 Millionen Euro.

Meist überdurchschnittlich hohe Betriebskostenquoten

Bei einem Blick auf Betriebskostenquoten (Betriebsaufwendungen (brutto direkt) in Prozent der verdienten Bruttoprämien (direkt)) der acht Anbieter mit Combined Ratios von über 104 Prozent fällt auf, dass diese bis auf eine Ausnahme überdurchschnittlich hohe Werte aufweisen.

Nur die Signal Iduna liegt mit 27,8 Prozent hauchdünn unter dem Schnitt von 27,9 Prozent (Basis sind die 50 aufgeführten Gesellschaften). Das bedeutet Rang 20 in der Rangliste. Die Bayerische Hausbesitzer kommt mit 37,4 Prozent auf die 45. Position.

Höchste Betriebskostenquoten (Bild: Wichert)

Größere Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr sind nur bei der Mannheimer zu beobachten, die die Quote um über zwei Prozentpunkte auf 31,2 Prozent drückte. Auffällig ist zudem, dass die Werte mehrheitlich besser ausfielen und schlechtestenfalls leicht anstiegen.

Sehr hohe Schadenquoten

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Schadenquoten (Schadenaufwendungen (brutto direkt) in Prozent der verdienten Bruttoprämien (direkt)). Die Werte lagen allesamt über dem Durchschnitt von 66,1 Prozent. Unter den Marktteilnehmern mit Combined Ratios von über 104 Prozent kommt die Nürnberger mit 70 Prozent auf die niedrigste Quote. Damit landete das Unternehmen an 36. Stelle.

Die drei letzten Plätze unter den 50 aufgeführten Akteuren belegen Ösa, Bayerische Hausbesitzer und Bayerischer Versicherungsverband mit Schadenquoten von jeweils über 86 Prozent. Dabei verschlechterte sich der Wert bei der Bayerischen Hausbesitzer um 13 Prozentpunkte und beim Bayerischen Versicherungsverband sogar um 22 Prozentpunkte.

Höchste Schadenwuoten (Bild: Wichert)

Ansonsten erhöhte sich die Quote nur noch bei der Interrisk (plus elf Prozentpunkte). Die übrigen fünf Unternehmen hatten niedrigere Schadenquoten als 2018 zu verzeichnen. Am stärksten fiel der Rückgang bei der Nürnberger mit fast 16 Prozent aus.

Weitere Studiendetails und Bezugsmöglichkeiten

Zu den hohen Combined Ratios der acht letztgenannten Gesellschaften trug auch bei, dass alle die gesamten versicherungs-technischen Bruttorückstellungen in überdurchschnittlichem Maße aufstockten. In der Spitze betrug das Plus über ein Viertel (Bayerischer Versicherungsverband und Signal Iduna).

Der „Branchenmonitor 2014-2019: Wohngebäudeversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse. Die knapp 100-seitige Studie kann als PDF-Version für brutto 783 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

 
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