28.10.2025 (€) – Der Verwaltungskostensatz der deutschen Lebensversicherer (in Relation zu den verdienten Einnahmen) ist im vergangenen Jahr leicht auf 2,35 Prozent gesunken. Nur die Europa blieb laut dem Map-Report 941 unter der Marke von einem Prozent. Die LPV verzeichnete den höchsten Wert (10,5 Prozent).
Im vergangenen Jahr ist die Verwaltungskostenquote (Verwaltungsaufwendungen brutto in Prozent der verdienten Bruttobeiträge) der deutschen Lebensversicherer von 2,46 auf 2,35 Prozent gesunken (minus vier Prozent). Dies ist dem im Oktober erschienenen Map-Report Nummer 941 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2024“ zu entnehmen.
Der aktuelle Wert entspricht nach dem ersten Rückgang nach zuvor vier Anstiegen in Folge dem auf 15-Jahressicht dritthöchsten Wert. Höher lag er nur ein Jahr zuvor und 2009. Der Tiefststand wurde 2019 (VersicherungsJournal 16.12.2020) erreicht.
Verwaltungsaufwendungen stagnieren auf hohem Niveau
Nach Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) sind die laufenden Verwaltungsaufwendungen im Berichtsjahr minimal von 2.220 Millionen Euro auf 2.190 Millionen Euro gesunken. Dies war bereits der zweite Rückgang in Folge, nachdem die Kurve zuvor sechsmal nach oben gezeigt hatte.
Ein höherer Betrag wurde neben den beiden Vorjahren lediglich 2007 und 2006 gemessen. Im letztgenannten Jahr wurde der Höchststand mit fast 2,3 Milliarden Euro erreicht. Am wenigsten zahlte die Branche 2016 und 2017 mit jeweils unter zwei Milliarden Euro.
Zugleich ist das Prämienvolumen in der Lebensversicherung im engeren Sinne (also ohne Pensionskassen und Pensionsfonds) um etwa drei Prozent auf unter 91,8 Milliarden Euro gestiegen.
Die Lebensversicherer mit den niedrigsten Verwaltungskostenquoten
Die im Map-Report insgesamt 75 aufgeführten Lebensversicherer weisen für 2024 Verwaltungskostensätze zwischen knapp 0,8 und fast 10,5 Prozent aus. Auf den niedrigsten Wert kommt die Europa Lebensversicherung AG, die erneut (12.11.2024, 23.11.2023) als einziger Akteur unter einem Prozent blieb. Drei Jahre zuvor war dies noch vier Marktteilnehmern gelungen (15.11.2022).
Mit Quoten von jeweils leicht über einem Prozent folgen dahinter die Allianz Lebensversicherungs-AG, die Hansemerkur Lebensversicherung AG sowie die Deutsche Lebensversicherungs-AG (DLVAG).
Verwaltungskostenquoten von unter 1,7 Prozent standen auch für die Hannoversche Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung AG, die Cosmos Lebensversicherungs-AG, die LVM Lebensversicherungs-AG, die BY die Bayerische Vorsorge Lebensversicherung a.G. und die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. zu Buche.
Dahinter reihen sich fünf weitere Unternehmen mit Sätzen von unter zwei Prozent vor 30 Anbietern mit einer Zwei vor dem Komma ein. 14 Akteure haben eine Drei und acht weitere eine Vier vor dem Komma. Am Ende der Rangliste finden sich acht Lebensversicherer mit Werten von mehr als fünf Prozent wieder.
Die Lebensversicherer mit den höchsten Verwaltungskostenquoten
Die LPV Lebensversicherung AG (früher PB Lebensversicherung AG) (11.1.2023) kommt als einzige Gesellschaft auf eine zweistellige Quote (10,5 Prozent). Ein vergleichsweise hoher Wert wird mit fast 8,3 Prozent auch für die Targo Lebensversicherung AG (Nummer 23 im Markt mit 1,05 Milliarden Euro verdienten Bruttoprämien) ausgewiesen.
Werte zwischen 6,5 und 5,2 Prozent werden neben der Direkte Leben Versicherung AG auch für fünf im Run-off befindliche Gesellschaften ausgewiesen. Dies sind die Proxalto Lebensversicherung AG, die Victoria Lebensversicherung AG, die Athora Lebensversicherung AG, die Skandia Lebensversicherung AG und die Ergo Lebensversicherung AG.
„Erstaunlich“ viele Run-off-Gesellschaften
Dass sich so viele Run-off-Gesellschaften unter den Akteuren mit hohen Verwaltungskostensätzen befinden, bezeichnete Professor Dr. Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund in einem vor zwei Jahren veröffentlichten Artikel für den Branchendienst Versicherungsmagazin als erstaunlich.
In dem Text, in dem er die Kostensituation zum jeweils vorherrschenden Vertriebsweg in Bezug setzt, führt Beenken aus, dass doch als einer der Vorzüge des Lebensversicherungs-Run-offs regelmäßig eine hohe Kosteneffizienz hervorgehoben werde (Medienspiegel 20.11.2023).
Die Unternehmen mit den deutlichsten Veränderungen
Wie aus dem Zahlenmaterial des Map-Reports weiter hervorgeht, konnten 36 (Vorjahr: 25) Akteure ihren Abschlusskostensatz senken. 39 (51) Unternehmen gelang dies nicht.
Die stärkste Senkung schaffte die im Berichtsjahr aus dem Run-off ins aktive Geschäft zurückgekehrte BY die Bayerische Vorsorge Lebensversicherung a.G. (5.6.2024). Sie verbesserte sich dank einer exorbitanten Einnahmesteigerung (16.9.2025) um fast vier Prozentpunkte auf 1,61 Prozent.
Am deutlichsten verschlechterte sich der Kostensatz bei der Zurich Life Legacy Versicherung AG (Deutschland). Er stieg um fast 1,3 Prozentpunkte auf über 4,2 Prozent an.
Die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG hatte für den geplanten Verkauf eines Teilbestands an Klassikpolicen an die Viridium-Gruppe rund 700.000 Verträge auf die Zurich Life Legacy übertragen (14.9.2023, 24.6.2022, 14.2.2022). Schlussendlich war der Deal aber nicht zustande gekommen (30.1.2024).
Kennzahlen nicht überbewerten
Kennzahlen sollten nach Aussage von Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages „generell nicht als der Weisheit letzter Schluss angesehen werden“. Dies gelte insbesondere für die medial beliebten Abschluss- und Verwaltungskostenquoten.
So erfreue sich die Verwaltungskostenquote „beim oberflächlichen Betrachter höchsten Interesses. Sie kann aber leicht missbraucht werden, um den vermeintlich kostengünstig arbeitenden Lebensversicherer über diese Quote zu ermitteln“, so Klages im Begleittext des aktuellen Heftes.
Denn in der Verwaltungskostenquote landen lediglich die Kosten der Abteilung Betrieb – wie viel Geld also etwa für Beitragsverbuchungen, Adressänderungen und Änderungen der Bankverbindung verbraucht wird. Die Kosten für die Kapitalanlageverwaltung verbergen sich in den Aufwendungen für Kapitalanlagen, die Kosten der Schadenregulierung würden bei den Versicherungsleistungen versteckt und die des Vertriebs in der Abschlusskostenquote.
Die Höhe der Verwaltungskostenquote sei „unter anderem abhängig von der Bestandsstruktur und dem Alter des Unternehmens. Bei einem hohen Anteil an Risikoversicherungen mit vergleichsweise niedrigem Beitragsniveau wird diese Quote häufig höher sein, als wenn überwiegend beitragsintensive Einzel-Kapitalversicherungen im Bestand enthalten sind“, erläutert Klages.
Weitere Studiendetails und Bezugsmöglichkeit
Neben Allianz und R+V schafften es zwei weitere Branchenschwergewichte ins obere Fünftel im Marktvergleich. Fünf der elf größten Unternehmen (mehr als 1,8 Milliarden Euro Umsatz) agierten schlechter als der Branchendurchschnitt (28.10.2025).
Der Map-Report Nummer 941 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2024“ ist bei der Franke und Bornberg GmbH erschienen. Er enthält auf 201 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen (21.10.2025) auch Übersichten zu insgesamt rund zwei Dutzend Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2024) von bis zu 75 Anbietern. Dazu gehören unter anderem auch die verdienten Bruttobeiträge (23.10.2025).
Das Heft ist als E-Paper ab 495 Euro netto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.








