Schub für die betriebliche Krankenversicherung

27.10.2020 (€) – Die Anbieter der betrieblichen Krankenversicherung wollen ihr Neugeschäft in diesem Segment weiter forcieren. Im Rahmen der digitalen DKM stellten Allianz, Hallesche und Gothaer Potenzialkunden, Tarifergänzungen und neue Verwaltungstools vor.

Das Neugeschäft in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) entwickelte sich in den ersten neun Monaten für einige Anbieter durchaus erfreulich. Und das, nachdem dieses Geschäftsfeld bereits 2019 nach Auswertungen des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) um ein Drittel zulegen konnte (VersicherungsJournal 30.9.2020).

Diese Aussagen bestätigte auch Sven Grosse, Leiter Maklervertrieb bei der Allianz Private Krankenversicherungs-AG in seinem Vortrag „Zukunftsmarkt Firmengeschäft: die bKV der Allianz“ auf der diesjährigen digitalen DKM.

Der Versicherer verzeichnete in den ersten neun Monaten einen Anstieg von 30 Prozent. „Mehr als jeder dritte Arbeitgeber, der im ersten Halbjahr 2020 für seine Mitarbeiter eine bKV abgeschlossen hat, entschied sich für die Allianz“, teilten die Münchener Anfang Oktober mit (12.10.2020).

Allianz nennt Top-Branchen für bKV-Geschäft

Die meiste Nachfrage von potenziellen Firmenkunden verzeichnet der Münchener Versicherer laut Grosse im Zahnzusatz-Bereich. Er nannte in seinem Vortrag auch die Top-Branchen, die sich derzeit offen für den Abschluss einer zusätzlichen Mitarbeiterabsicherung zeigten:

  • das verarbeitende Gewerbe,
  • das Gesundheits- und Sozialwesen,
  • das Baugewerbe,
  • die freiberuflichen wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen,
  • der Handel.

Für Vermittler biete sich gerade in diesem Segment die Chance zur Neukundenakquise sowie die Beratung und somit Bindung von Bestandskunden. Zusätzlich habe die Allianz ihr Underwriting für diese Sparte verstärkt (31.1.2020) und die eigene Mannschaft für die Vertriebsunterstützung auf zehn verdoppelt (31.7.2020).

2018 hatte der Versicherer diverse Änderungen in diesem Segment vorgenommen: die Produktwelt vereinfacht (14.6.2018) und neue Bausteine eingeführt (16.8.2018).

Hallesche ergänzt Budget-Tarif

Ein weiterer Mitspieler im bKV-Geschäft ist die Hallesche Krankenversicherung a.G. mit ihren „Feelfree“-Tarifen, die der Versicherer vor zwei Jahren einführte (29.10.2018). Das Neugeschäft der Gesellschaft erhöhte sich 2019 um 28,5 Prozent auf 3,2 Millionen Euro. Treiber war laut Unternehmensangaben die betriebliche Krankenzusatz-Versicherung (20.3.2020).

Neuerungen zu seinen Tarifen gab der Versicherer ebenfalls am Montag auf der DKM in einem Workshop unter dem Titel: „Feelfree, der original bKV-Budgettarif“ bekannt.

Neben den bestehenden Assistance-Leistungen wie Gesundheitshotline, Videosprechstunde und Facharzt-Terminservice führte der Versicherer einen Angebots-Konfigurator für den Vertrieb ein.

Beitragsfreistellung für entgeltfreie Zeiten

Zusätzlich inkludiert der „Feelfree“-Tarif für Neu- und Bestandskunden ab sofort eine „Beitragsbefreiung für entgeltfreie Zeiten“ wie Elternzeit, Pflege von Angehörigen oder Sabbaticals. Für die Beschäftigten besteht der Versicherungsschutz auch in diesen Monaten weiter. Für die Firmenkunden werden keine Zuschläge fällig.

Meldet der Arbeitgeber der Halleschen die lohnfreien Zeiten nach zwölf Monaten für die entsprechenden Mitarbeiter und liegt die Verwaltungspauschale über fünf Prozent, werden die Beitragszahlungen für diese Arbeitnehmer dann mit der nächsten Monatsprämie verrechnet.

Ein Beispiel: Der Jahresbeitrag beträgt 12.000 Euro, fünf Prozent Verwaltungspauschale macht 600 Euro, liegt der Unternehmer unter diesem Betrag, findet keine Verrechnung statt. Liegt der Arbeitgeber über diesen fünf Prozent zum Beispiel mit 800 Euro, werden 200 Euro mit der nächsten Zahlung an die Hallesche verrechnet.

Gothaer: Verwaltungstool für bAV und bKV

Ebenfalls einen Budgettarif, mit Namen „FlexSelect“, hat die Gothaer Krankenversicherung AG in der arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Krankenzusatz-Versicherung kürzlich eingeführt. Der Arbeitnehmer kann ein Guthaben ab 300 Euro jährlich frei in Anspruch nehmen.

Alter oder gesundheitliche Vorbelastungen spielen bei der Höhe der Leistungen und Beiträgen keine Rolle. Den Budgettarif gibt es ab 9,90 Euro im Monat (22.9.2020).

Zusätzlich gab der Versicherer am Montag bekannt, dass er für Firmenkunden im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) und der bKV „ein über beide Sparten greifendes Verwaltungstool“ an den Start bringt (Medienspiegel 1.10.2020). Die Anwendung entwickelte die Gothaer gemeinsam mit dem Dienstleister E-Pension GmbH & Co. KG, einer Tochter der Hypoport AG (5.3.2020).

Vermittler könnten in der Anwendung ein neues und innovatives Terminvorbereitungs- und Beratungstool für bKV und bAV zur Vorbereitung auf Termine bei Arbeitgebern mit professionellem Angebotsoutput nutzen, so die Gothaer in ihrer Mitteilung.

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