Beschäftigung: Assekuranz hinkt hinterher

20.2.2020 (€) – Die Zahl der Erwerbstätigen ist im vierten Quartal 2019 laut Destatis erneut angestiegen. Die meisten Wirtschaftszweige hatten an dem Aufschwung teil. Eine der Ausnahmen stellen die Finanz- und Versicherungs-Dienstleister dar. Laut der DIHK-Konjunkturumfrage stehen die Zeichen in der Assekuranz allerdings erstmals seit Langem wieder auf Stellenanbau.

Die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland ist im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 301.000 Personen im Periodenschnitt auf 45,5 Millionen gestiegen (plus 0,7 Prozent).

Die Zuwachsrate fiel damit etwas niedriger aus als in den Vergleichszeiträumen der beiden Vorjahre (VersicherungsJournal 14.11.2018, 20.10.2017). Dies zeigen kürzlich vom Statistischen Bundesamt (Destatis) auf Basis von vorläufigen Berechnungen veröffentlichte Zahlen.

Beschäftigungszuwachs schwächt sich ab

Im Vergleich zum Vorquartal (3.12.2019) ist die Erwerbstätigenzahl um 183.000 gestiegen (plus 0,4 Prozent). Im Schnitt der letzten fünf Jahre jedoch ging es zwischen September und Dezember um 219.000 Personen aufwärts.

Saisonbereinigt – also nach Herausrechnen der üblichen jahreszeitlich bedingten Schwankungen –waren im dritten Quartal im Vergleich zur Dreimonatsperiode zuvor 80.000 Personen mehr in Lohn und Brot (plus 0,2 Prozent).

Erneuter Rückgang bei den Selbstständigen

Der Zuwachs geht allein auf die Entwicklung bei den abhängig Beschäftigten zurück, wie aus den vorgelegten Daten weiter hervorgeht. Hier war zwischen September und Dezember im Vergleich zur Vorjahresperiode eine Steigerung um 397.000 auf über 41,4 Millionen Menschen zu beobachten (plus 1,0 Prozent).

Die Zahl der Selbstständigen (inklusive mithelfender Familienangehöriger) reduzierte sich im selben Zeitraum hingegen um 96.000 auf nur noch knapp über 4,1 Millionen (minus 2,3 Prozent).

Sinkende Beschäftigung in der Finanz- und Versicherungsbranche

Neben den allgemeinen Zahlen zur Erwerbstätigkeit hat Destatis die Daten auch auf verschiedene Wirtschaftszweige (nach WZ 2008) heruntergebrochen. Hier zeigt sich, dass der allgemeine Aufwärtstrend insbesondere auf die Entwicklung in der Dienstleistungsbranche zurückzuführen ist.

So erzielte der Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit“ mit plus über 210.000 (auf fast 11,5 Millionen) Personen den größten absoluten Beschäftigungszuwachs. In den Segmenten „Information und Kommunikation“ sowie „Handel, Verkehr und Gastgewerbe“ ging es um jeweils über 40.000 Beschäftigte aufwärts.

In nur wenigen Tätigkeitsfeldern waren zwischen September und Dezember 2019 weniger Erwerbstätige als in der Vorjahresperiode. Das größte Minus stand für die Unternehmens-Dienstleister zu Buche (minus 22.000 auf 6,23 Millionen). Vergleichsweise stark schrumpfte auch der Bereich „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ (minus 16.000 auf 615.000)

Rückgänge von jeweils um die 10.000 hatten das „Produzierende Gewerbe (ohne Baugewerbe)“ (auf unter 8,4 Millionen) sowie der Dienstleistungssektor „Erbringung von Finanz- und Versicherungsleistungen“ (auf 1,1 Millionen Beschäftigte) zu verzeichnen.

Assekuranz im Abwärtstrend

Die rückläufige Entwicklung deckt sich mit der Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) aus dem vergangenen Frühjahr. Einzig für den Sektor der Finanz- und Versicherungsleistungen hat das Institut ein Minus erwartet.

Die Statistiker weisen keine Beschäftigungszahlen nur für die Versicherungsbranche aus. Aber ein Blick auf Daten des Arbeitgeberverband der Versicherungs-Unternehmen in Deutschland e.V. (AGV) zeigt ebenfalls einen deutlich rückläufigen Trend.

So verminderte sich die Gesamtbeschäftigung in der Versicherungswirtschaft im Jahr 2018 um 1,4 Prozent auf 201.900 Personen. Besonders stark sank die Zahl der angestellten Außendienstmitarbeiter, und zwar um 5,6 Prozent auf 32.300 (25.3.2019).

Hintergrund: In einigen Bundesländern wie auch an einigen der größten Versicherungsstandorte waren zum Teil deutliche Tendenzen zu Stellenanbau zu beobachten (27.3.2019, 25.3.2019).

Besserung in Sicht?

Leichten Anlass zur Hoffnung bietet die Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2020 (19.2.2020) des Deutschen Industrie- und Handelskammertags e.V. (DIHK). Demnach überwiegt in der Versicherungsbranche insgesamt erstmals seit langer Zeit wieder die Tendenz zum Stellenanbau.

So wollen aktuell 18 Prozent der befragten Unternehmen Personal einstellen und zehn Prozent die Belegschaft reduzieren (Saldo: plus acht). Seit der Umfrage Herbst 2014 hatte der Saldo so gut wie durchgängig im negativen Bereich gelegen.

DIHK Konjunkturumfrage (BIld: Wichert)

Damit zeigt sich die Assekuranz erstmals seit vielen Jahren in Sachen Beschäftigung positiver gestimmt als die Gesamtwirtschaft.

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