BU: Schlanke und günstige Angebote gefragt

17.10.2019 (€) – Der digitale Vertrieb hat sich in dieser Sparte noch nicht durchgesetzt, Verbraucher vertrauen auf Beratung von Vermittlern. Als Hindernisse nennen sie vor allem die Höhe der Prämien und sie unterschätzen das Risiko des Verlustes ihrer Arbeitskraft. Das zeigt eine aktuelle Studie von Nordlight Research.

Die Verbreitung der Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) ist immer noch bescheiden. Nur knapp ein Drittel der Bundesbürger hat den Schutz zur Sicherung der eigenen Arbeitskraft abgeschlossen. Daran hat sich seit 2014 bisher nur wenig geändert.

Hürden beim Abschluss sind für die Verbraucher in erster Linie die Höhe der Prämien sowie das unterschätzte eigene Risiko. Hier seien vor allem Produktgeber und die Beratungskompetenz von Vermittlern gefragt.

Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Ausgabe des „Trendmonitor Finanzdienstleistungen“ von Nordlight Research GmbH. Die Marktforscher befragten rund 1.000 erwerbstätige Bundesbürger ab 18 Jahren im August und September zu ihren Einstellungen zu den Produkten „Betriebliche Altersvorsorge“ (bAV) (VersicherungsJournal 15.10.2019) und „Berufsunfähigkeits-Versicherung“.

Abschlussfreudig ist insbesondere die Altersgruppe 26-45 Jahre

Bei der Vorsorge der Befragten dominiert die private Haftpflicht mit 78 Prozent, gefolgt von Kfz-Kasko-Versicherung (71 Prozent) und Hausrat (70 Prozent). Eine BU haben nach eigenen Angaben gerade mal 29 Prozent der Umfrageteilnehmer abgeschlossen.

Von den Akademikern ohne hohe körperliche Belastungen im Beruf sorgen 29 Prozent mit diesem Risikoschutz vor. Bei den Erwerbstätigen mit körperlich und manueller Tätigkeit sowie besonderen Gefahren im Arbeitsumfeld waren es 27 Prozent.

Abschlussfreudig zeigten sich laut Studienunterlagen insbesondere die Altersgruppen zwischen 26 und 35 Jahren, von den 35 Prozent auf eine BU setzen, sowie die Befragten zwischen 36 und 45 Jahren (39 Prozent).

Allerdings liegt knapp die Hälfte der Policen-Abschlüsse über zehn Jahre zurück. Knapp 80 Prozent der Befragten schlossen ihre BU während der Berufstätigkeit ab, 20 Prozent entschieden sich für die Absicherung während der Ausbildung oder im Studium.

Neuere digitale Kommunikationswege werden in der Beratung überwiegend kritisch betrachtet.

Trendmonitor Finanzdienstleistungen

Digitaler Vertrieb spielt bei BU keine große Rolle

Der Weg im Netz spielt in dieser Sparte noch keine nennenswerte Rolle. „Neuere digitale Kommunikationswege werden in der Beratung überwiegend kritisch betrachtet. Sie eignen sich speziell im BU-Bereich daher primär nur für den Kontakt mit Bestandskunden“, so die Autoren der Studie.

Bei der Beratung zu BU-Produkten liegen mit 40 Prozent bei den Befragten Ausschließlichkeits-Vertreter vorne. Die Expertise von Maklern nutzen 23 Prozent und 20 Prozent folgen dem Rat von Angehörigen oder Freunden.

Trendmonitor Finanzdienst-Leistungen Beratung BU (Bild: Nordlight Research)
Bild: Nordlight Research

Prämienhöhe stellt größte Hürde dar

Als wichtigste Hürde für den Abschluss einer BU nannten 25 Prozent der Befragten die Höhe der monatlichen Prämie, 21 Prozent schätzen ihr eigenes Risiko gering ein und neun Prozent meinen, sie wären zu alt.

Knapp Dreiviertel der Teilnehmer finden es angemessen, dass das Berufsrisiko bei der Prämienhöhe berücksichtigt wird. Auch der Gesundheitszustand (66 Prozent), gesundheitsgefährdendes Verhalten (58) und das Alter (58) sind mehrheitlich akzeptierte Kriterien.

Die Versicherer gehen, was die Berufsabfrage betrifft, allerdings in eine neue Richtung: So hat die Zurich Gruppe Deutschland im Juli das Ende des Berufsgruppenmodells in der BU-Versicherung verkündet. (7.8.2019, 25.7.2019). Ein neu entwickelter Ansatz der Deutschen Rückversicherung AG will die Probleme, die mit der starren Abfrage des Berufes, ebenfalls lösen (10.9.2019).

1.000 Euro BU-Rente bevorzugt

Am beliebtesten ist bei den Befragten eine BU mit möglichst geringer Prämie (23 Prozent) und einem Verzicht auf abstrakte Verweisung (20). Zusätzlich bevorzugt die Mehrheit der Teilnehmer (73 Prozent) einen eher geringen Auszahlungsbetrag im Ernstfall von durchschnittlich 1.000 Euro, wie der Auswertung zu entnehmen ist. Ebenfalls attraktiv ist eine Zahlung ab sechsmonatiger Krankschreibung.

Die Option einer flexiblen Nachversicherung spielt hingegen, ebenso wie die Anbietermarke, eine untergeordnete Rolle. Aus der Auswertung geht hervor, dass die Verbraucher Unternehmen wie die Huk-Coburg-Lebensversicherung AG (an erster Stelle) und die Allianz Lebensversicherungs-AG (an zweiter) bevorzugen.

Trendmonitor Finanzdienst-Leistungen Relevanz BU (Bild: Nordlight Research)
Bild: Nordlight Research

„Schlanke Produkte zu günstigen Prämien und gute persönliche Beratung, kundengerecht und nicht primär provisions-maximierend, sind wichtig, um die Verbreitung der BU wirksam zu stärken", fasst Dr. Torsten Melles, Geschäftsführer bei Nordlight Research, die Ergebnisse der Auswertung zusammen.

Weitere Informationen zur 75-seitigen Studie „Trendmonitor Finanzdienstleistungen“ stellt das Unternehmen hier zur Verfügung.

Vertrauen in Regulierung ist gering

Der Abschluss einer BU-Police ist auch vom Haushaltstyp abhängig: Über 54 Prozent der Eltern haben einen solchen Vertrag abgeschlossen, knapp 22 Prozent der Alleinerziehenden und der Paare ohne Kinder. Bei Singles beträgt die Verbreitung knapp 15 Prozent, so eine Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) (19.8.2019).

Verbraucher haben allerdings wenig Vertrauen in die Schadenregulierung der Versicherer bei BU-Policen. Das hat die Untersuchung „Erfolgsfaktoren für Kundenberatungen zur Berufsunfähigkeits-Versicherung“ der Sirius Campus GmbH gezeigt (18.7.2019).

Wie kundenorientiert die Branche tatsächlich mit Leistungsansprüchen umgeht, untersucht die Franke und Bornberg GmbH jährlich. Für die Ausgabe 2019 der „Analyse der Regulierungspraxis Berufsunfähigkeits-Versicherungen“ wurden im November 2018 die Schadenakten mit Stand 2017 von sechs Gesellschaften ausgewertet (13.8.2019).

Nach Angaben des Analysehauses meldeten Kunden bei den sechs Versicherern 2017 etwa 32.800 BU-Leistungsfälle an. Davon seien rund 83 (Vorjahr 76) Prozent anerkannt und 17 Prozent abgelehnt worden, gaben die Analysten an. Bei Policen mit Rentenhöhen ab 300 Euro lag die Anerkenntnisquote bei 78 Prozent.

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