Zurich: Scoring-Modell bestimmt Beitrag für BU-Police

25.7.2019 – Ein komplexes Scoring-Modell soll die Versicherungsprämie für die Berufsunfähigkeits-Versicherung noch besser dem Risiko anpassen. Die Zurich Lebensversicherung will so ihre Prämie noch stärker stabilisieren und gleichzeitig Wettbewerbsvorteile generieren. Das System könnte den scharfen Konkurrenzkampf noch weiter anheizen.

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Die Zurich Gruppe Deutschland hat am Mittwoch der Presse ihren neuen „Berufsunfähigkeits-Schutzbrief" vorgestellt.

Ab August 2019 teilt die Zurich alle Kunden, die eine Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) abschließen wollen, in eine von 13 Branchen ein und erhebt dafür eine Grundprämie. Der finale Preis ergibt sich aber erst, wenn weitere Fragen zur Qualifikation, Umfang der körperlichen Tätigkeit, Leitungsfunktion und Berufsstatus beantwortet wurden.

Hinter die eher klassisch anmutenden Fragen hat der Lebensversicherer gemeinsam mit der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG ein umfangreiches Scoring-System geschaltet, dass eine sehr differenzierte Prämienfindung erlaubt.

„Je nach konkreter Tätigkeit können die Nachlässe beim gleichen Beruf schon deutlich sein“, sagte Vorstandsmitglied Jacques Wasserfall.

Automatische Prämie auch für Makler

Jaques Wasserfall (Bild: Schmidt-Kasparek)
Jaques Wasserfall (Bild: Schmidt-Kasparek)

Das System verdeutlichte die Gesellschaft anhand eines Industriemechanikers mit abgeschlossener Ausbildung. Mit dem Bonus-System fällt für den weitergebildeten Kunden, der statt zu 100 Prozent nur noch zu 20 Prozent körperlich tätig ist und zudem im Gegensatz zum Vergleichskunden nicht mehr raucht, der Beitrag um 10,3 Prozent günstiger aus.

Das neue Antragssystem, dass auch eine automatische Gesundheitsprüfung erlaubt, kann auch von Versicherungsmaklern und Endkunden-Vergleichsportalen genutzt werden. Dabei wird direkt auf die Schnittstellen der Zurich zugegriffen.

Neu ist, dass die Zurich nun auch nach Rauchern und Nichtrauchern in der BU differenziert. „Hierzu werden wir vom Markt getrieben“, erläuterte Wasserfall. Mittlerweile hätten bereits sechs Lebensversicherer diese Differenzierung eingeführt.

Der Vorstand rechnet damit, dass sich dieser Trend bald deutlich verstärkt. „Es ist aber auch eine Tatsache, dass Raucher ein deutlich höheres Risiko haben, berufsunfähig zu werden“, so der Manager. Neben dem Krebsrisiko bestehe für sie auch eine höhere Gefahr, eine Atemwegserkrankung zu erleiden.

Kritik am Preiskamp

Wasserfall kritisierte den scharfen Preiskampf im Markt.

Bei Betrachtung des eigenen Bestandes, der rund 500.000 Policen umfasst und damit der zweitgrößte im Markt ist, würden nach Einschätzung des Managers einige Versicherer für Risiken Prämien anbieten, die „nicht passen“. Diese Anbieter müssten dann wohl eine besondere Selektion und ein spezielles Underwriting haben, damit sie die Überschussbeteiligung langfristig stabil halten können.

Rüdiger Feilen (Bild: Schmidt-Kasparek)
Rüdiger Feilen (Bild: Schmidt-Kasparek)

Die Zurich gibt derzeit eine fünfjährige Stabilitätsgarantie auf den um Überschüsse reduzierten Nettobeitrag. „Damit haben wir im Markt ein Alleinstellungsmerkmal“, sagte Rüdiger Feilen, Produktmanager Leben bei der Versicherungsgruppe.

Leistungen schon bei Arbeitsunfähigkeit (AU) sind künftig nicht mehr automatischer Bestandteil der Tarife. Die sogenannte AU-Klausel ist nun ein optionaler Baustein. Diese Veränderung hätten sich viele Vermittler gewünscht, um flexibler auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen.

BU-Rente noch zu gering

Das Unternehmen hält die die privaten BU-Renten, die in Deutschland gegen den Verlust der Arbeitskraft abgeschlossen werden, für viel zu gering.

„Wir liegen derzeit im Durchschnitt bei 1.100 Euro“, erläuterte Feilen. Das höre sich wenig an, sei aber gegenüber einem Schnitt von 900 Euro, der noch vor wenigen Jahren galt, schon eine deutliche Steigerung. Nach Einschätzung des Produktexperten liegt der Durchschnittsbetrag im Markt „noch einen Schnaps“ unter dem Betrag der Zurich.

Marktweit haben rund 60 Prozent aller Berufstätigen keinerlei private Absicherung gegen einen Arbeitskraftverlust. Bei Vermittlern wirbt die Zurich daher etwa auf der Seite „Mach plus mit Protection“ für den BU-Schutz als erste Option.

Es sei aber falsch, den Kunden deshalb Mini-Renten anzubieten. Wer sich die beste Absicherung nicht leisten könne, müsse etwa auf eine Erwerbsunfähigkeits-Versicherung ausweichen.

Mehr Service im Leistungsfall

Dana Hagemann (Bild: Schmidt-Kasparek)
Dana Hagemann (Bild: Schmidt-Kasparek)

Der Versicherer will künftig im Leistungsfall mehr Service bieten. „Die Kunden können sich direkt an einen Außenregulierer oder einen unabhängigen Dienstleister wenden“, sagte Dana Hagemann, die bei der Zurich für die Leistungsregulierung in der Lebensversicherung zuständig ist.

Die Assekuranz garantiert, dass der Versicherte bei einem unabhängigen Reha-Dienst innerhalb von 24 Stunden einen Termin erhält, an dem alle Fragen zu den notwendigen Unterlagen geklärt werden.

Die Zurich will nur solche Dienstleister beauftragen, die den Code of Conduct des Deutschen Anwaltvereins e.V. (PDF, 24 KB) unterzeichnet haben. Er sieht vor, dass wenn gewünscht, ein Rechtsbeistand stets in allen Regulierungsfragen hinzugezogen wird. Als aktuellen Partner nannte die Zurich die Reintra GmbH, die einen medizinisch-berufskundlichen Beratungs- und Reintegrationsdienst betreibt.

Vom Antrag bis zur Entscheidung, ob Berufsunfähigkeit vorliegt, benötigt die Zurich derzeit 100 Tage. „Unser Ziel sind 75 Tage“, erläuterte Hagemann. Am Markt benötigten manche Versicherer im Schnitt 150 Tage. Über einen Service Code kann der Antragssteller im Netz künftig immer den Stand der Leistungsregulierung kontrollieren.

Leserbriefe zum Artikel:

Wilfried Hartmann - Komplexität dieses Modells lässt des Anwalts Herz höher schlagen. mehr ...

 
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