Studie: Am Thema Nachhaltigkeit kommt keiner mehr vorbei

16.2.2021 (€) – Bereits heute sagen 22 Prozent aller Verbraucher, dass Versicherer eine große Verantwortung für Nachhaltigkeit, Gemeinwohl und Umwelt haben. Künftig wollen 53 Prozent von ihnen bei Abschluss von Versicherungsprodukten auf ESG-Kriterien achten. Besonders die „aktiv Nachhaltigkeitsbewussten“ sind eine wichtige Zielgruppe für die Assekuranz. Das zeigt eine Umfrage von Rothmund Insights. Die Unternehmen sollten nachvollziehbar und transparent kommunizieren, um den Anschein von „Greenwashing“ zu vermeiden.

„Mehr Profil, Präsenz und Tatkraft bitte!“, fordert Jutta Rothmund, Inhaberin des Marktforschungs-Instituts Rothmund Insights von der Assekuranz. In der Studie „Nachhaltigkeit im Fokus“ hat sie Motive, Verhaltensweisen und Wünsche der Verbraucher in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften der Versicherer untersucht.

Mehr als 1.000 Entscheider aus deutschen Haushalten im Alter zwischen 18 und 70 Jahren wurden repräsentativ zu ihren nachhaltigkeits-bezogenen Verhaltensweisen und Einstellungen in verschiedenen Lebensbereichen und speziell im Bereich Versicherungen befragt.

Mit rund 30 nachhaltigkeits-bewussten Konsumenten wurde zudem über einen Zeitraum von 14 Tagen eine vertiefende qualitativ-psychologische Untersuchung durchgeführt.

Nachhaltigkeitsstudie 2021 (Bild: Rothmund Insights)
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Mehr als jeder Fünfte schreibt der Assekuranz eine hohe Verantwortung zu

Aktuell sind 22 Prozent der Verbraucher der Überzeugung, dass Versicherungs-Unternehmen eine große Verantwortung für wirtschaftlichen Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und den Schutz der Umwelt haben. Bei den aktiv nachhaltigkeits-bewussten Deutschen sind dies sogar 32 Prozent.

Mit Blick in die Zukunft steigen die Erwartungen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) wollen künftig bei der Wahl von Versicherern und Versicherungsprodukten auf ESG-Kriterien achten. Bei den bewusst auf Nachhaltigkeit setzenden Konsumenten sogar 70 Prozent.

Wichtige Zielgruppe sind die „aktiv Nachhaltigkeitsbewussten“

Derzeit wächst die Zahl der Verbraucher, die Nachhaltigkeit nicht nur fordern, sondern auch selbst entsprechend handeln und konsumieren. Diese Zielgruppe macht bereits 42 Prozent aller Haushaltsentscheider aus – Tendenz steigend. Sie kommt aus der Mitte und Breite der Gesellschaft, hat die Studie ergeben.

Soziodemographisch lassen sich aktiv Nachhaltigkeitsbewusste kaum von „Otto Normalverbraucher“ unterscheiden, wohl aber in ihrem psychologischen Profil: Sie sind deutlich optimistischer sowie stärker zukunfts- und handlungsorientiert. Zugleich sind sie überdurchschnittlich informationsaktiv, offen und dankbar für Innovationen.

Kennzeichnend für ihr Konsumverhalten ist eine signifikant höhere Bereitschaft, auf Komfort und Bequemlichkeit zu verzichten. Ebenso für nachhaltige Produkte etwas mehr zu bezahlen beziehungsweise auf finanzielle Vorteile zu verzichten – sofern als notwendig und begründet erkannt.

Dies gilt auch für Versicherungsprodukte: 48 Prozent der aktiv nachhaltigkeits-bewussten 30 bis 39-Jährigen (Altersgruppe gesamt: 32 Prozent) nehmen für nachvollziehbar nachhaltige Altersvorsorge-Produkte eine etwas niedrigere Rendite in Kauf.

Die Kommunikation vieler Versicherer ist bisher unzureichend

Für die Assekuranz resultieren aus diesen Ergebnissen zahlreiche neue Chancen, zugleich aber auch neue Anforderungen, schreiben die Autoren der Studie. Derzeit würden sich die Versicherer in puncto Nachhaltigkeit aus Kundensicht erst wenig präsent und profiliert zeigen.

Ein Test der Websites von neun namhaften Unternehmen habe trotz einzelner Highlights ein diffuses Bild ergeben. Viele Informationen seien unspezifisch oder unverbindlich. Dabei sei gerade für Versicherer eine konsequent kundenzentrierte Nachhaltigkeits-Kommunikation ein Muss.

Verbraucher sind besonders sensibel für „Greenwashing"

Allerdings dürfe nicht überzogen werden. Es gelte, glaubwürdig und authentisch zu bleiben. Schließlich würden drei Viertel aller Haushaltsentscheider (75 Prozent) momentan den Eindruck haben, dass „Nachhaltigkeit“ oft nur eine Werbefloskel sei. 86 Prozent finden es schwer zu entscheiden, welche Produkte und Angebote tatsächlich nachhaltig sind und welche nicht.

Insgesamt sei im Versicherungsbereich der Wunsch der Verbraucher nach verantwortungsbewusstem Handeln zwar weniger stark ausgeprägt als in anderen Branchen. Die grundlegende Tendenz weise aber in die gleiche Richtung: Am Thema Nachhaltigkeit komme in Zukunft kein Unternehmen mehr vorbei – oder es drohe zunehmend links liegen gelassen oder abgestraft zu werden.

Studieninhalte und Bezugsquellen

Die mehr als 80-seitige Studie „Nachhaltigkeit im Fokus – Motive, Verhalten und Wünsche der Kunden“ liefert Ergebnisse und Differenzierungen nach Zielgruppen, Anbietern und Produktsegmenten. Hinzu kommen Vergleiche mit anderen Branchen.

Besonderes Augenmerk liegt auf Empfehlungen für nachhaltigkeitsbezogene Strategien, Produktentwicklungen und die Kommunikation. Sie kann bei Jutta Rothmund per E-Mail oder telefonisch unter 0221 8599758 bezogen werden.

Weitere Veröffentlichungen zum Thema Nachhaltigkeit

Auch die Ratingagentur Franke und Bornberg GmbH hat kürzlich untersucht, inwieweit die Assekuranz ESG-Kriterien bislang berücksichtigt und umsetzt. Der Report sieht die Versicherer auf einem „guten Weg“ (VersicherungsJournal 15.2.2021).

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. hat Ende Januar eine Nachhaltigkeits-Positionierung veröffentlicht. Die deutsche Versicherungswirtschaft mit Kapitalanlagen von 1.700 Milliarden Euro will das Geld ihrer Kunden bis spätestens 2050 klimaneutral anlegen. Die Bürogebäude und Infrastruktur der Assekuranz sollen bereits bis 2025 CO2-neutral ausgerichtet sein (25.1.2021).

Viele Versicherungsvermittler müssen sich bereits ab 10. März mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Sie sind dann verpflichtet, ihre Kunden entsprechend zu informieren. Branchenverbände stellen dazu eine Checkliste und Textempfehlungen zur Verfügung (12.2.2021, 9.2.2021).

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