22.2.2023 (€) – Die Deutschen würden in erster Linie höhere Steuerzuschüsse und eine Aktienrente befürworten, um die gesetzliche Rentenversicherung zu stabilisieren. Höhere Rentenbeiträge, eine Anhebung des Renteneintrittsalters oder eine Senkung des Rentenniveaus werden eher abgelehnt. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage von Ipsos.
Die Diskussion um die längst überfällige Reform des staatlichen Rentensystems ist seit einer Äußerung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erneut entbrannt. Scholz hatte in einem Interview gesagt, er wolle erreichen, dass künftig mehr Menschen bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten (VersicherungsJournal 13.12.2022).
Politiker und Wissenschaftler streiten seither wieder vermehrt über den richtigen Weg (20.12.2022). Dabei gehen die Meinungen bisweilen weit auseinander.
So fordert beispielsweise die Partei Die Linke eine Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent. Ökonomie-Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, dagegen plädiert für eine Absenkung auf bis zu 40 Prozent (13.1.2023).
Fünf Vorschläge zur Auswahl
Die Ipsos GmbH hat nun den Spieß umgedreht und die Bürger nach ihrer Meinung gefragt. Fünf verschiedene Vorschläge aus der aktuellen Rentendebatte wurden 1.000 Wahlberechtigten zwischen 18 und 75 Jahren in einer quotierten Onlinebefragung zur Auswahl gestellt.
Die Erhebung ist nach eignen Angaben repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Die Befragung wurde am 3. Februar durchgeführt.
Erhöhung der Steuermittel auf Platz eins
Das Ergebnis: Den größten Zuspruch findet mit 37 Prozent die Empfehlung, das Rentensystem noch stärker als bisher über Steuermittel mitzufinanzieren. Auf den zweiten Platz schaffte es mit 24 Prozent die Aktienrente.
Diese Teilkapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung wird vor allem von der FDP vorangetrieben (26.9.2022, 23.9.2022). Das Vorhaben wurde zuletzt auch „Aktienrücklage“ (6.12.2022, 7.11.2022) oder „Generationenkapital“ (13.1.2023) genannt.
Weit abgeschlagen folgt auf dem dritten Rang die Option, die Rentenbeiträge für Arbeitnehmer und Unternehmen zu erhöhen (elf Prozent). Noch geringer ist die Zustimmung zum Vorschlag, das Renteneintrittsalter anzuheben (sechs Prozent). Die Möglichkeit, das Rentenniveau zu senken, findet am wenigsten Anklang (vier Prozent).
Gutverdiener bevorzugen Aktienrente
Höhere Rentenbeiträge favorisieren vor allem die jüngeren Befragten zwischen 18 und 39 Jahren (17 Prozent). Die 40- bis 59-Jährigen (neun Prozent) und die 60- bis 75-Jährigen (acht Prozent) sind davon weniger begeistert.
Eine staatliche Aktienrente zur Stabilisierung des Systems ist vor allem bei den Gutverdienern mit einem monatlichen Nettohaushaltseinkommen von mehr als 4.000 Euro beliebt (32 Prozent). Bei Personen mit einem Einkommen von weniger als 2.000 Euro kommt dieser Vorschlag weniger gut an (16 Prozent).





