Wo die Zinsen schneller sinken als die Garantien

24.9.2020 (€) – Von 2008 bis 2019 ist die Rendite der Bundeswertpapiere als wichtigste Anlageklasse der Lebensversicherer von fast vier Prozent Plus ins Minus gerutscht. Die Garantieverpflichtungen der Anbieter sanken dagegen sehr viel langsamer und betragen noch etwa drei Prozent. Die Versicherer mit der höchsten laufenden Durchschnittsverzinsung ihrer Kapitalanlage liegen mit um vier Prozent darüber, die Schlusslichter schaffen nur ungefähr die Hälfte.

Die Partner in Life S.A. (PIL) hat die Geschäftszahlen der deutschen Lebensversicherer untersucht. Demnach hat sich bei deren Kapitalanlagen die laufende Durchschnittsverzinsung vom Jahr 2008 bis 2019 von etwa 4,5 Prozent auf ungefähr zwei Prozent mehr als halbiert.

Währenddessen ist die durchschnittliche Umlaufrendite von Bundeswertpapiere, einer der wesentlichen Anlageklassen der Versicherungs-Unternehmen, von fast vier Prozent Plus ins Minus abgerutscht. Das wirkt sich bei den Versicherern zeitverzögert aus, da die früher erworbenen höher verzinsten Papiere erst nach und nach auslaufen.

Zinsentwicklung deutscher Lebensversicherer (Bild: Partner in Life)

Zinsen sinken schneller als die Garantien der Lebensversicherer

Gleichzeitig sinkt die mittlere Garantieverpflichtung im Bestand. Während die Vertragsguthaben der Neuabschlüsse zwischen Mitte 1994 bis Juni 2000 noch mit vier Prozent verzinst werden, sind es nach mehreren Absenkungen seit 2017 nur noch 0,9 Prozent (VersicherungsJournal 17.8.2020).

Doch über die Gesamtbestände gesehen sinken die Verpflichtungen nur langsam, laut PIL ungefähr von 3,5 Prozent in 2008 auf drei Prozent im Jahr 2019.

Mit ihrer laufenden Durchschnittsverzinsung könnten längst nicht alle Lebensversicherer die Garantien erwirtschaften, schreiben die Policenkäufer. Die höchste Verzinsung mit um vier Prozent bescheinigen sie der Axa Lebensversicherung AG, der Allianz Lebensversicherungs-AG, dem DEVK Deutsche Eisenbahn Versicherung Lebensversicherungs-Verein a.G. und der Swiss Life AG, Niederlassung für Deutschland.

Schlusslichter des Vergleichs sind mit um die zwei Prozent die Huk-Coburg-Lebensversicherung AG, die Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG, die Öffentliche Lebensversicherungs-Anstalt Oldenburg, die Versicherer im Raum der Kirchen Lebensversicherung AG, die Helvetia Schweizerische Lebensversicherungs-AG und die Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG.

Zinszusatzreserve hilft beim Absichern der Garantien

Um trotz unzureichender Erträge der Kapitalanlagen die Garantien bedienen zu können, wurde die Zinszusatzreserve (ZZR) eingeführt. Trotz Lockerung der Regeln vor zwei Jahren (19.9.2018) hatten die Lebensversicherer allein 2019 nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) etwa elf Milliarden Euro Reserven gebildet.

Im Hinblick auf die ZZR sieht PIL die Jahre 2020 bis 2022 als „sehr anspruchsvoll“ an. Durch die Corona-Krise sei der trübe Ausblick in mancherlei Hinsicht noch deutlich düsterer geworden.

PIL-Vorstand Dean Goff merkt dazu an: „Zuletzt haben wir massive Höchststände in den Bewertungsreserven gesehen – und dass trotz der bereits angesprochenen Realisierungen zum Wohle der ZZR und der Nettoverzinsung. Das ist sehr beachtlich. Insofern bleiben die weiteren Entwicklungen zu Corporate Bonds sowie Immobilien im Allgemeinen und den gewerblichen Immobilien im Speziellen für einige Gesellschaften entscheidend.“

Die deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaften haben die Krisen der Vergangenheit bisher relativ gut gemeistert.

Partner in Life

Licht und Schatten bei den Lebensversicherern

Insgesamt sieht Partner in Life „Licht und Schatten bei der Entwicklung der Versicherungs-Gesellschaften“. Positiv merken die Policenkäufer an: „Die deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaften haben die Krisen der Vergangenheit bisher relativ gut gemeistert.“

Mit dem Blick auf eine oder wenige Kennzahlen, wie zum Beispiel der Solvenz oder dem Sicherungsbedarf, ließe sich nur ungenügend bewerten, wie viel Gegenwind ein Lebensversicherer künftig noch aushalte.

Damit hatten sich kürzlich auch andere Stimmen beschäftigt. Dr. Carsten Zielke, Chef der Zielke Research Consult GmbH, meint „das Schlimmste liegt noch vor uns“ (10.9.2020). Zielke hatte auch für den Bund der Versicherten e.V. (BdV) ein düsteres Bild der Solvabilität mancher Lebensversicherer beschrieben (9.7.2020). Dem hatte die Branche vehement widersprochen (15.7.2020).

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