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Bund der Versicherten warnt vor Krisenszenario

9.7.2020 – Die Solvenzquoten in der Lebensversicherung haben sich 2019 marktweit verschlechtert. Angesichts des negativen Zinsswaps, Unsicherheiten durch die Covid-19-Pandemie auf die Entwicklung von Unternehmensanleihen, Aktien und die Zahlungsfähigkeit der Versicherungsnehmer sind die Aussichten für 2020 „hart“. Bei der Vorstellung ihrer neuen Analyse der Solvenzberichte prognostizierten Dr. Carsten Zielke und Axel Kleinlein weitere Run-Offs und sogar Pleiten.

„Es braut sich etwas zusammen bei den Lebensversicherern“, sagte Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten e.V. bei der Vorstellung der Studie „Solvenzberichte auf dem Prüfstand – Die Branche driftet auseinander“. Für die Verbraucherorganisation hat die Zielke Research Consult GmbH wie im Vorjahr (VersicherungsJournal 25.9.2019) die aktuellen Solvenzberichte von 82 Lebensversicherern untersucht.

Fahrlässiges Verhalten

Axel Kleinlein (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Axel Kleinlein (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

Der Analyse zufolge verharrt die Branche im Marktrisiko, bei den Staatsanleihen und der Diversifizierung auf Vorjahresniveau. „In der Kapitalanlagepolitik sind die Unternehmen unbeweglich“, sagte der Verbraucherschützer.

Dies sei im Hinblick auf die Herausforderungen wie anhaltender Niedrigzins, volatile Aktien- und Anleihenmärkten und die Folgen der Corona-Pandemie „mehr als fahrlässig“.

Die Studie untersucht sieben Kriterien plus die Transparenz der Berichte. Ein wichtiges Merkmal ist die Solvenzquote ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung. Diese ist für Ende 2019 marktweit um 15,1 Prozent auf 220 (259) Prozent gesunken.

Während sich der Durchschnittswert der Solvenz der Studie zufolge nur wenig verändert hat, hat sich die Situation bei den Gesellschaften zum Teil deutlich krasser verändert, weshalb der BdV auch die „Tektonik in Gefahr“ sieht.

Mehr Eigenkapital und Realwerte

Bei 16 Gesellschaften rutscht die „reine“ Solvenzquote unter 100 Prozent. Das Run-Off-Unternehmen Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG kommt gar auf einen negativen Wert von elf Prozent. „Für 2020 rechnen wir bei 20 Prozent der Gesellschaften mit einem weiteren Solvenzquotenrückgang von wenigstens 45 Punkten, womit dann 20 unter Wasser wären“, sagte Zielke.

16 Lebensversicherer unter 100 % Solvenz (Bild: Zielke)

Vor allem „Durationsmatching- und Staatsanleihenfans“ stecken seiner Analyse zufolge „in der Bredouille“. Die Lösung sehen der Verbandschef und der Analyst in der Erhöhung des Eigenkapitals und der Diversifikation der Kapitalanlagen mit mehr Sachwerten.

„Versicherungs-Unternehmen müssen das Eigenkapital stärken, ohne wieder in die Taschen der Versicherten zu greifen. 100 Milliarden aus Kundengeldern sind genug, jetzt sind Unternehmen und Aktionäre selber dran“, so Kleinlein.

Wenig transparente und solvente Abwickler

Kritik üben sie an der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin). Gewinnabführungs-Verträge gehörten gestoppt, wenn der „verfassungsrechtliche Anspruch auf Teile der Bewertungsreserven für die Versicherten gestrichen“ werde, so der BdV-Vorstand. „Die Bafin ist nicht besonders mutig. Zudem ist die Aufsicht zurzeit nicht so stark auf Versicherer fokussiert.“

Beklagt wird zudem die Aufsichtspraxis bei den Abwicklungsplattformen. Der Studie zufolge verfügen die Run-Off-Gesellschaften nämlich tendenziell eher über „schwächere – teilweise sogar besorgniserregende“ Solvenzquoten und überdurchschnittlich hohe Überschussfonds.

Nur durch Ansatz von Übergangsvorschriften gelinge es, dass der Geschäftsbetrieb aller Run-Off-Gesellschaften aufsichtsrechtlich zulässig ist. „Diese Unternehmen bergen nach wie vor große Gefahren für Versicherte. Deren Rechte müssen für den Run-Off-Fall gestärkt werden“, sagt Kleinlein. „Durch die Bank weg“ seien die Solvenzberichte dieser Firmen auch weniger transparent als der Marktdurchschnitt.

Biometrie-Produkte vom Spezialversicherer

Bei den zehn vor allem auf Biometrie-Produkte konzentrierten Versicherern kommt die Studie zu „deutlich“ über dem Marktniveau liegenden Solvenzquoten, Überschussfonds und Risikomarge. Hier seien die Gewinnerwartung sehr hoch und das Marktrisiko geringer als im restlichen Markt.

Solvency II begünstige offensichtlich ihr Geschäftsmodell. „Sie gehen zudem leichter durch das Niedrigzinstal als andere Unternehmen“, so der Verbraucherschützer. Der Trend der klassischen Versicherer, zunehmend Biometriegeschäft zu schreiben, sieht Kleinlein für die Verbraucher kritisch.

Wenn Lebensversicherer ihre Solvenzquote durch mehr Biometrie „pimpen“, könne dies eine „laxere“ Risikoprüfung bedeuten.

Siegel zu kaufen

Positiv bewerten die Analysten die zunehmende Transparenz der Berichte. Um dies zu würdigen, werden erstmals die „SFCR-Transparenzsiegel“ vergeben, welche die Unternehmen gegen eine Schutzgebühr nutzen können. Der Erlös soll nur dem Projekt zur Analyse der SFCR-Berichte zugutekommen.

Das neue SFCR-Transparenzsiegel erhalten die Alte Leipziger Lebensversicherung VVaG sowie die beiden DEVK-Lebensversicherer in „Gold“, 24 Unternehmen in „Silber“ und 15 Unternehmen in „Bronze“. Das Transparenzsiegel sagt nichts über die Güte der Solvenz aus, sondern nur über die Informationspolitik.

Die Analyse steht auf der Website des BdV sowie auf Check-deine-versicherung.de. Sämtliche Zahlen und Ergebnisse sind frei verfügbar. „Alle sind eingeladen mit diesen Zahlen weiter zu rechnen“, so Kleinlein.

 
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