7.12.2021 (€) – Die deutschen Lebensversicherer haben ihren Verwaltungskostensatz (in Relation zu den verdienten Einnahmen) im Geschäftsjahr 2020 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres gehalten (plus 0,7 Prozent auf 2,04 Prozent). Hansemerkur, Europa und Allianz schnitten laut dem Map-Report 922 mit jeweils unter einem Prozent am besten ab. Die Targo verzeichnete den höchsten Wert (13 Prozent).
Im vergangenen Jahr ist die Verwaltungskostenquote der deutschen Lebensversicherer (Verwaltungsaufwendungen brutto in Prozent der verdienten Bruttobeiträge) um Nuancen von 2,03 auf 2,04 Prozent gestiegen.
Dies ist dem kürzlich veröffentlichten Map-Report Nummer 922 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2020“ (VersicherungsJournal 19.11.2021) zu entnehmen. Der aktuelle Wert entspricht allerdings immer noch dem zweitniedrigsten Wert nach dem Tiefststand im Jahr zuvor (16.12.2020).
Die Gesellschaften mit den niedrigsten Quoten
Die im Map-Report insgesamt sieben aufgeführten Lebensversicherungs-Gesellschaften weisen Verwaltungskostensätze zwischen 0,65 und 13 Prozent aus. Auf die niedrigsten Werte – von jeweils unter 1,0 Prozent – kommen die Hansemerkur Lebensversicherung AG, die Europa Lebensversicherung AG und die Allianz Lebensversicherungs-AG.
Mit Quoten zwischen 1,1 und 1,4 Prozent folgen dahinter die R+V Lebensversicherung AG, die Cosmos Lebensversicherungs-AG, die Hannoversche Lebensversicherung AG, die Deutsche Lebensversicherungs-AG (DLVAG), die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG, die Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg AG und die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG.
Dahinter reihen sich 13 Unternehmen mit Sätzen von unter zwei Prozent vor 30 weiteren Anbietern mit einer Zwei vor dem Komma ein. 19 Akteure haben eine Drei oder eine Vier vor dem Komma. Am Ende der Rangliste finden sich fünf Lebensversicherer mit Werten von mehr als fünf Prozent wieder.
Die Anbieter mit den höchsten Quoten
Die Targo Lebensversicherung AG (Nummer 23 im Markt mit 1,07 Milliarden Euro verdienten Bruttoprämien) kommt als einziger Akteur auf eine zweistellige Quote (13 Prozent). Ein vergleichsweise hoher Wert wird auch für die PB Lebensversicherung AG mit über neun Prozent ausgewiesen.
Werte von jeweils über fünf Prozent stehen ferner für die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G., die Athora Lebensversicherung AG (früher Delta (4.3.2010), zwischenzeitlich Athene (19.1.2015)) sowie die Direkte Leben Versicherung AG zu Buche.
Die Unternehmen mit den deutlichsten Veränderungen
Wie aus dem Zahlenmaterial des Map-Report weiter hervorgeht, konnten 42 Akteure ihren Abschlusskostensatz senken. 35 Unternehmen gelang dies nicht.
Die stärkste Erhöhung war bei der Targo zu beobachten (plus 2,16 Prozentpunkte). Dabei stiegen die Verwaltungsaufwendungen von 127,5 auf 138,8 Millionen Euro, während die Einnahmen mit 9,2 Prozent vergleichsweise stark zurückgingen (18.8.2021). Ihre Quote am stärksten zurückgeschraubt hat die Credit Life AG (minus 1,39 Prozentpunkte auf 3,84 Prozent).
Nicht überbewerten
Kennzahlen sollten nach Aussage von Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages „generell nicht als der Weisheit letzter Schluss angesehen werden“. Dies gelte insbesondere für die medial beliebten Abschluss- und Verwaltungskostenquoten.
So erfreue sich die Verwaltungskostenquote „beim oberflächlichen Betrachter höchsten Interesses. Sie kann aber leicht missbraucht werden, um den vermeintlich kostengünstig arbeitenden Lebensversicherer über diese Quote zu ermitteln“, so Klages im Begleittext des aktuellen Heftes.
Denn in der Verwaltungskostenquote landen lediglich die Kosten der Abteilung Betrieb – wie viel Geld also etwa für Beitragsverbuchungen, Adressänderungen und Änderungen der Bankverbindung verbraucht werden. Die Kosten für die Kapitalanlageverwaltung verbergen sich in den Aufwendungen für Kapitalanlagen, die Kosten der Schadenregulierung würden bei den Versicherungsleistungen versteckt und die des Vertriebs in der Abschlusskostenquote.
Die Höhe der Verwaltungskostenquote sei „unter anderem abhängig von der Bestandsstruktur und dem Alter des Unternehmens. Bei einem hohen Anteil an Risikoversicherungen mit vergleichsweise niedrigem Beitragsniveau wird diese Quote häufig höher sein, als wenn überwiegend beitragsintensive Einzel-Kapitalversicherungen im Bestand enthalten sind“, erläutert Klages.
Weitere Studieninhalte und Bezugshinweis
Von den 13 Branchenschwergewichte konnten sich zwar vier weit oben im Marktvergleich platzieren. Die Mehrheit agierte schlechter als der Markt (7.12.2021).
Der Map-Report Nummer 922 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherung 2020“ ist bei der Franke und Bornberg Research GmbH erschienen. Er enthält auf 202 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen auch Übersichten zu zahlreichen Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2020) von bis zu 80 Anbietern.
Hierzu gehört unter anderem auch die Storno- (23.11.2021) und die Abschlusskostenquote (29.11.2021, 29.11.2021). Geboten werden ferner Tabellen zu weiteren Kennziffern zur Bestands- und Neugeschäftsentwicklung. Das Heft ist als E-Paper ab 353,85 Euro brutto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.







