27.4.2022 (€) – Etwa jeder vierte Anbieter sammelte 2021 weniger Neubeiträge ein als 2020. Die größten Einbußen verzeichnete erneut die R+V a.G. Am stärksten zugelegt hat ein weiteres Mal die Hansemerkur. Marktführerin Allianz schrumpfte zwar um fast zehn Prozent, konnte aber dennoch über ein Drittel des Neuzugangs der gesamten Branche auf sich vereinen. Dies zeigt eine Auflistung aus Ausgabe 7/2022 der Zeitschrift für Versicherungswesen.
Die gebuchten Bruttobeiträge der deutschen Lebensversicherer gingen im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent auf unter 102 Milliarden Euro zurück (VersicherungsJournal 27.1.2022). Dabei konnten laut der Neugeschäftsumfrage in der Ausgabe 7/2022 der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV), die auf vorläufigen Zahlen basiert, 51 der 68 aufgeführten Anbieter ihre Einnahmen steigern (20.4.2022).
Nur 17 Akteure sammelten 2021 weniger Prämien ein als im Jahr zuvor (12.4.2022). Darunter war auch die Allianz Lebensversicherungs-AG. Der Marktführer (6.4.2022) trat bei den Einmalbeiträgen kräftig auf die Bremse und sammelte mit 23,635 Milliarden Euro 9,1 Prozent weniger ein als im Jahr zuvor.
Wegen der exponierten Marktstellung drehte auch der Gesamtmarkt ins Minus. Rechnet man die Allianz heraus, gelang den übrigen Akteuren ein Beitragsplus von 1,3 Prozent, erläutert ZfV-Chefredakteur Dr. Marc Surminski (6.4.2022).
Allianz sammelte ein Drittel der Neubeiträge der Branche ein
Auch beim gesamten Beitragsneuzugang kam der oben angesprochene „Allianz-Faktor“ zum Tragen. So fiel der Wert den ZfV-Daten zufolge mit branchenweit knapp 41,3 Milliarden Euro um etwa 3,4 niedriger aus als 2020 (28.4.2021). Die übrigen Marktteilnehmer ohne die Allianz legten hingegen um über ein Achtel auf fast 27,6 Milliarden Euro zu.
Trotz der deutlichen Verminderung um ein Viertel auf 13,7 Milliarden Euro entfällt immer noch mehr als ein Drittel (Vorjahr: rund 43 Prozent) des Beitragszugangs der Branche auf die Allianz. Damit steht für den Marktführer ein fast drei Mal (mehr als vier Mal) so hoher Wert zu Buche wie für die ärgste Verfolgerin, die R+V Lebensversicherung AG. Für diese werden knapp 5,2 Milliarden Euro aufgeführt.
Den dritten Rang sicherte sich die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG mit über 2,2 Milliarden Euro vor der Generali Deutschland Lebensversicherung AG (über 1,9 Milliarden Euro).
In einem engen Rennen um Position fünf setzte sich die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. gegen die Cosmos Lebensversicherungs-AG und die Hansemerkur Lebensversicherung AG durch. Alle drei Akteure lagen bei um die 1,1 Milliarden Euro.
Wer am stärksten hinter dem Vorjahresgeschäft zurückblieb
Bei vier der 16 Gesellschaften mit schwächerem Neugeschäft als im Jahr zuvor fiel der Rückgang größer aus als bei der Allianz. Am stärksten schrumpften die Neubeiträge (ohne Run-off-Anbieter) erneut bei der R+V Lebensversicherung a.G. (minus über drei Viertel auf 21,6 Millionen Euro).
Verminderungen um knapp über beziehungsweise unter 30 Prozent waren bei der Inter Lebensversicherung AG (auf 15,5 Millionen Euro), bei der Provinzial Lebensversicherung Hannover (auf 127,3 Millionen Euro) und bei der Landeslebenshilfe V.V.a.G. (auf 0,8 Millionen Euro) zu beobachten.
Hansemerkur legt am kräftigsten zu
Die verbleibenden 52 Unternehmen steigerten den Beitragszugang. „Die Liste der Wachstumssieger wird dabei von zwei Gesellschaften mit schwindelerregenden Neubeitragszugängen angeführt“, stellt Surminski heraus. Am stärksten legte ein weiteres Mal die Hansemerkur zu, die das Neugeschäft auf rund 1,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelte.
Dazu der ZfV-Chefredakteur: „Die Wachstumsgeschichte des Unternehmens ist ohne Beispiel in der deutschen Lebensversicherung: Bereits im Vorjahr lag der Versicherer mit einem Neugeschäftsplus von 154,7 Prozent an der Spitze des Marktes.“ 2018 nahmen die Hamburger 213,6 Millionen Euro Beiträge ein – 2021 waren es mit 1,3 Milliarden Euro mehr als sechs Mal so hohe Einnahmen.
Auch Ergo Vorsorge mit sehr starkem Zuwachs
Die zweitgrößte Steigerung gelang der Ergo Vorsorge Lebensversicherung AG (plus 75,6 Prozent auf 345,3 Millionen Euro). Für Surminski ist hier „zu spüren, dass dem Unternehmen als nunmehr einzigem aktiven Lebensversicherer der Ergo nach einem verhaltenen Start jetzt allmählich die große Vertriebskraft des Konzerns zugutekommt“.
Es dominierten die Einmalbeiträge, die um „extreme“ 141,4 Prozent gestiegen sind. Aber auch bei den laufenden Neubeiträgen sei die Gesellschaft mit fast einem Viertel „stark gewachsen. Immerhin 42,1 Prozent des Neugeschäftes entfielen bei der Ergo Vorsorge auf laufende Beiträge“, führt Surminski aus.
Weitere wachstumsstarke Akteure
Fast genauso stark wie die Hansemerkur wuchs die Sparkassen-Versicherung Sachsen Lebensversicherung AG (SV Sachsen). Der Akteur steigerte den Beitragszugang um fast drei Viertel auf 542,9 Millionen Euro.
Sehr hohe Zuwachsraten von jeweils knapp zwei Dritteln hatten die Mylife Lebensversicherung AG (auf 239 Millionen Euro), die Neue Leben Lebensversicherung AG (auf 494,5 Millionen Euro) sowie die VPV Lebensversicherungs-AG (auf 129,7 Millionen Euro) zu verzeichnen.






