2.12.2020 (€) – Die Bestandsstornoquote (Hauptversicherungen, in Relation zu den Verträgen) der deutschen Lebensversicherer hat sich 2019 minimal auf 2,70 Prozent gesenkt. Die WGV schnitt laut dem Map-Report 917 am besten ab, die Targo am schlechtesten. Die Branchengrößen liegen mehrheitlich unter dem Branchenschnitt. In die Top Ten schaffte es nur die Allianz.
Von 2008 bis 2018 war die Bestandsstornoquote der deutschen Lebensversicherer (Hauptversicherungen, Rückkäufe und Umwandlungen in beitragsfreie Versicherungen zuzüglich sonstiger vorzeitiger Abgänge in Prozent des mittleren Vertragsbestandes des Geschäftsjahres) von 4,00 auf 2,67 Prozent kontinuierlich zurückgegangen (VersicherungsJournal 27.9.2019).
Im vergangenen Jahr war dann erstmals wieder ein – wenn auch nur minimaler – Anstieg zu beobachten (auf 2,70 Prozent). Dies ist dem Ende November erschienenen Map-Report Nummer 917 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherer 2019“ (30.11.2020) zu entnehmen.
| Quelle: Map-Report 917, eigene Recherche |
| Bei der Stornoquote werden Rückkäufe und vorzeitige Abgänge in Beziehung zum mittleren Jahresbestand gesetzt. Diese Quote ist für den Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Lebensversicherers, die „misst, wie viele Verträge, in Prozent des Bestandes, vorzeitig gekündigt werden“. Durch diese Quote werden junge, schnell wachsende Unternehmen laut Klages möglicherweise benachteiligt. Denn der Nenner ist klein und in den ersten Jahren passieren viele Storni. Häufig ist diese Kennzahl – neben schlechter Beratung – auch ein Indiz für eine Strategie, die stark auf Finanzierungen oder Geldanlagen setzt. Ändern sich dann steuerliche Rahmenbedingungen oder fällt der Investitionszweck weg, wird schnell storniert, erläutert der Map-Report-Chefredakteur. Der vorzeitige Abgang von Verträgen hänge auch von externen Faktoren ab, die sich dem Einflussbereich des Versicherers entzögen – so beispielsweise von der wirtschaftlichen und persönlichen Situation des Versicherungsnehmers. In der Regel nehme die Stornohäufigkeit mit zunehmender Bestandszugehörigkeit ab, so Klages weiter. Direkt auf die Unternehmensqualität schließen lässt die Stornoquote allerdings nicht. Dies hat der Diplom-Mathematiker und Aktuar (DAV) Peter Schramm vor einiger Zeit in einem Leserbrief im VersicherungsJournal dargelegt. |
Die Gesellschaften mit den niedrigsten Stornoquoten
Die im Map-Report insgesamt 80 analysierten Lebensversicherungs-Gesellschaften weisen Stornoquoten zwischen 0,67 Prozent und 8,84 Prozent aus. Auf den niedrigsten Wert kommt erneut die WGV-Lebensversicherung AG.
Stornoquoten von unter einem Prozent hatten auch die Europa Lebensversicherung AG, die Hannoversche Lebensversicherung AG, die Entis Lebensversicherung AG und die Delta Direkt Lebensversicherung AG zu verzeichnen. Die WGV, die Hannoversche und die Europa gehörten auch im Vorjahr zu den Spitzenreitern. Die Entis und die Delta Direkt lagen knapp über der Ein-Prozent-Marke.
Werte zwischen 1,0 und 1,5 Prozent stehen für die Cosmos Lebensversicherungs-AG, die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G., die Allianz Lebensversicherungs-AG, die Münchener Verein Lebensversicherung AG und die Dialog Lebensversicherungs-AG zu Buche. Bei der Cosmos und der Dialog fielen die Quoten leicht niedriger aus als 2018, bei der Bayerischer Beamten, dem Münchener Verein und der Allianz hingegen etwas höher.
Targo mit der höchsten Stornoquote
Dahinter folgen 17 weitere Anbieter mit einer Eins vor dem Komma. Für 25 Akteure haben die Analysten Quoten zwischen zwei und unter drei Prozent errechnet, für 14 Gesellschaften Werte zwischen drei und unter vier Prozent. Das verbleibende gute Dutzend lag bei vier und mehr Prozent.
Am anderen Ende der Rangliste befindet sich auch 2019 die Targo Lebensversicherung AG – mit einer minimal auf 8,8 Prozent erhöhten Stornoquote. Dahinter folgt die erst vor wenigen Jahren gegründete Dortmunder Lebensversicherung AG (30.6.2017) mit 7,1 Prozent. Das Unternehmen ist mit einem Bestand von 16.860 Hauptversicherungen der zweitkleinste der im Map-Report aufgeführten Marktteilnehmer.
Weitere Anbieter mit vergleichsweise hohe Quoten
Auf den dritthöchsten Wert von 6,6 (2018: 7,4) Prozent kommt die Mylife Lebensversicherung AG. Der immer noch vergleichsweise hohe Wert wird laut Geschäftsbericht 2019 (PDF, 1,3 MB) „weiterhin wesentlich beeinflusst vom auslaufenden Bestand des Geschäftszweigs der Restschuld-Versicherungen (28.4.2016).
Aus technischen Gründen endet der Restschuldvertrag bei einer Erhöhung der Darlehenssumme durch einen neuen Kreditvertrag automatisch und zählt als Storno. Es handelt sich hierbei also nicht um echte Kündigungen, sondern vielmehr um die Fortführung guter Kundenbeziehungen.
Mittelfristig wird sich die Stornoquote weiter verbessern, kurzfristig bleibt sie jedoch aufgrund des nur schrittweise auslaufenden Restschuldbestandes noch auf höherem Niveau.“ Die Stornoquote im Nettogeschäft wird in dem Bericht mit 2,6 Prozent angegeben.
Für die Neue Leben Lebensversicherung AG und die PB Lebensversicherung AG haben die Map-Reporter ebenfalls Stornoquoten von über sechs Prozent errechnet. Knapp unter dieser Marke blieb die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG.
So schlugen sich die Branchengrößen
Auch bei den elf Marktgrößen (mit einem Bestand von mindestens zwei Millionen Hauptversicherungen) zeigen sich deutliche, wenn auch nicht ganz so große Unterschiede. In die Top Ten schaffte es nur der Marktführer Allianz.
Die Ergo Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung AG und die Axa Lebensversicherung AG landeten mit jeweils deutlich unterdurchschnittlichen Quoten auf den Positionen 19, 20 beziehungsweise 25.
Besser als der Markt schnitten ferner die HDI Lebensversicherung AG und die Nürnberger Lebensversicherung AG ab. Knapp über dem Branchenschnitt lagen die Generali Deutschland Lebensversicherung AG (früher Aachenmünchener, 2.7.2020), der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. und die Proxalto Lebensversicherung AG (früher Generali Leben, 1.7.2019).
Für die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG wird eine leicht überdurchschnittliche Quote von 3,1 Prozent ausgewiesen. Auf den höchsten Wert unter den Branchenschwergewichten kommt die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG mit knapp 4,8 Prozent.
Kaum signifikante Veränderungen
Eine auffällige Zunahme der Stornoquote gab es unter den Marktgrößen nur bei der Debeka (plus fast 1,1 Prozentpunkte). Ein tieferer Blick in das Map-Report Zahlenmaterial zeigt, dass die höhere Quote vor allem auf zwei Produktbereiche zurückgeht.
So nahm die Stornoquote bei den Rentenversicherungen, die über die Hälfte des Vertragsbestands der Koblenzer ausmachen, um über die Hälfte auf 3,1 Prozent zu. Bei den Kapitalversicherungen, die auf einen Anteil weit über einem Drittel kommen, verdoppelt sich der Wert in etwa auf 2,4 Prozent.
Ansonsten gab es keine Veränderungen von mehr als 0,5 Prozentpunkten. Die Ergo und die Nürnberger verbesserten sich leicht, bei der Bayern-Versicherung fiel der Wert etwas schlechter aus. Bei der Allianz, der R+V AG, der Axa, dem HDI, der Generali Deutschland und der Zurich Deutscher Herold blieben die Quoten in etwa auf Vorjahresniveau.
Bezugshinweis und weitere Studieninhalte
Der Map-Report Nummer 917 – „Bilanzrating deutscher Lebensversicherung 2019“ ist bei der Franke und Bornberg Research GmbH erschienen. Er enthält auf 203 Seiten neben den detaillierten Ratingergebnissen auch Übersichten zu zahlreichen Bilanzkennzahlen (Geschäftsjahr 2019) von 80 Anbietern.
Geboten werden ferner Tabellen zu weiteren Kennziffern zur Bestands- und Neugeschäftsentwicklung. Das Heft ist als E-Paper ab 353,85 Euro brutto über die Bestellseite von Franke und Bornberg erhältlich.








