4.12.2018 (€) – Im aktuellen „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ (Heft 906) hat die Map-Report-Redaktion an zehn Anbieter die Höchstnote „mmm“ für „hervorragende Leistungen“ vergeben. Spitzenreiter ist die Europa, gefolgt von der Dialog. Rang drei belegt die Hannoversche, Platz vier geht an die Allianz.
Rund jeder sechste Deutsche stirbt vor dem 65. Lebensjahr, und etwa jeder fünfte Bundesbürger wird im Laufe seines Erwerbslebens berufsunfähig.
Dies stellt Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages im aktuellen Map-Report 906 „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) heraus. Betroffenen drohe ohne entsprechende Vorsorge finanzieller Ruin und sozialer Abstieg.
Fokus auf BU- und Risikoleben
„Um biometrische Risiken abzusichern, gibt es viele Produkte, beispielsweise Dread-Disease, Grundfähigkeiten-, Multi-Invaliditäts- oder auch Pflegerentenverträge. Manche davon sind Nischenprodukte, die längst nicht branchenweit angeboten werden. Deshalb fokussieren wir uns auf die beiden Biometrie-Hauptprodukte Risikolebens-Versicherungen (RLV) und Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherungen.
Diese Policen haben fast alle Versicherer im Programm, weshalb sie sich für Vergleiche besonders gut eignen. Zudem werden beiden Produktarten, sofern betrieben, sogar in der Bestandsbewegung der Geschäftsberichte abgebildet“, so Klages zum Hintergrund des Ratings.
Verbraucher halten Personenversicherungen nur selten für wichtig
Der Vertrieb habe es bei diesen Personenversicherungen allerdings deutlich schwieriger als bei Sachversicherungen, erläutert der Map-Report-Chefredakteur unter Verweis auf eine Studie der Continentale Krankenversicherung a.G.
So müssten Vermittler bei der Absicherung von biometrischen und Gesundheitsrisiken oft Überzeugungsarbeit bei den Kunden leisten. Gehe es um die Absicherung des eigenen Hab und Guts, so würden die Verbraucher in der Regel aktiv auf die Vermittler zukommen (VersicherungsJournal 13.9.2018).
Dies ist der Studie zufolge darauf zurückzuführen, dass Privatkunden Personenversicherungen im Großen und Ganzen nur selten für wichtig halten. Hingegen hat die Absicherung des Hab und Guts einen sehr hohen Stellenwert.
Die Untersuchung zeigt auch, dass die Wichtigkeit kaum etwas mit der subjektiv empfundenen Wahrscheinlichkeit zu tun, dass ein bestimmtes negatives Ereignis auch tatsächlich eintreten wird (VersicherungsJournal 13.9.2018).
Unterschiedliche Marktentwicklungen
Dies spiegelt sich auch in der Absicherungsdichte wider. „Laut Statistischem Bundesamt gab es im zweiten Quartal 2018 44,7 Millionen Erwerbstätige in Deutschland. Dem gegenüber standen zum Jahresende 2017 12,2 Millionen BUZ-Verträge in den Geschäftsberichten der Lebensversicherer“, erläutert Klages.
Während die Zahl der Erwerbstätigen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe, sei es den Versicherern nicht gelungen, den Bestandsabrieb an BUZ-Verträgen zu stoppen. „Im Gegenteil. Den höchsten Bestand hatten die Lebensversicherer zum Jahresende 2004 mit rund 15,4 Millionen Verträgen. Seitdem brach der Bestand um über drei Millionen Verträge ein“, so der Map-Report Chefredakteur.
Die Anzahl der Verträge zur selbständigen BU-Versicherung würden nicht alle Anbieter in ihren Geschäftsberichten ausweisen. Die Zahl der Hauptversicherungen gegen Berufs- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit bezifferte Klages unter Verweis auf Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) auf 4,47 Millionen Ende 2017. Das seien rund 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Ein ganz anderer Trend als bei den BUZ-Versicherungen zeige sich im Bereich Risikoleben. Hier habe der Bestand seit 2004 um 2,3 Millionen Policen beziehungsweise fast ein Drittel auf 9,6 Millionen zugenommen. Der Neugeschäftsanteil (eingelöste Versicherungsscheine Hauptversicherung) sei im Betrachtungszeitraum von 8,5 auf 22,4 Prozent gestiegen.
Leistungsfähigkeit aus Verbrauchersicht
Im Biometrie-Rating wird die Leistungsfähigkeit der Anbieter aus Verbrauchersicht beleuchtet. Die Untersuchung erstreckt sich „von den für Kunden relevanten Bilanzkennzahlen über Flexibilität und Transparenz bis zu Vertragsbeispielen“, wie die Map-Report-Redaktion bei der Erstauflage der Untersuchung vor zwei Jahren erläutert hatte (VersicherungsJournal 21.12.2016).
Insgesamt sind 100 Punkte zu erreichen, ab 70 Punkten gibt es die Bestnote „mmm“. Am höchsten gewichtet ist der Bereich „Vertrag“. Hier werden bis zu 40 Punkte für die Brutto- und Netto-Jahresbeiträge von Brutto- und Netto-Tarifen vergeben – jeweils mit unterschiedlichem Eintrittsalter und Vertragslaufzeit.
Dabei gibt es jeweils drei verschiedene Beispielkunden (Risikoleben: angestellter Journalist, selbstständiger Zimmermannmeister und Verwaltungsbeamter; BU: Altenpfleger, selbständiger Finanzberater und Realschullehrer).
Fünfjahreswerte im Bilanz- und im Service-Teil
Bis zu 36 Punkte waren bei den Bilanzkennzahlen möglich, wozu Nettorendite, die laufende Durchschnittsverzinsung, RfB-Quote, Verwaltungs- und Abschlusskostenquote, Gesamtreservequote, Sicherheitsmittelquote und Solvabilität zählen.
Weitere bis zu 24 Punkte waren in der Rubrik „Service und Transparenz“ (unter anderem Storno, Beschwerden, Prozesse sowie Transparenz in der öffentlichen Darstellung) zu holen.
Damit Schwankungen in einzelnen Jahren bei den Untersuchungskriterien nicht so stark ins Gewicht fallen, wurden im Bilanz- und Service-Teil Mittelwerte der vergangenen fünf Jahre (2013 bis 2017) für die Bewertung herangezogen. Weitere Informationen zu dem Biometrie-Rating finden sich auf dieser Internetseite.
Zehn „hervorragende“ Biometrie-Anbieter
Im aktuellen Biometrie-Rating wurde insgesamt zehn Mal die Höchstnote „mmm“ für „hervorragende Leistungen“ vergeben. Spitzenreiter ist wie auch in den beiden Vorjahren (VersicherungsJournal 14.11.2017, 21.12.2016) die Europa Lebensversicherung AG, die aktuell 83,92 Punkte erzielte.
Dahinter folgt mit der Dialog Lebensversicherungs-AG der Biometrie-Spezialanbieter der Generali Deutschland AG. Die Dialog soll im Zuge des radikalen Umbaus der Gruppe (VersicherungsJournal 28.9.2017) künftig das gesamte Maklergeschäft übernehmen (VersicherungsJournal 25.10.2018).
Die dritthöchste Punktzahl erhielt mit ebenfalls knapp unter 80 Punkten die Hannoversche Lebensversicherung AG. Position vier belegt die die Allianz Lebensversicherungs-AG mit über 75 Punkten vor sechs weiteren Gesellschaften mit zwischen rund 74 und gut 70 Punkten.
Hierzu gehören Deutsche Lebensversicherungs-AG, Continentale Lebensversicherung AG, Interrisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group, Lebensversicherung von 1871 a.G. München (LV 1871), WGV-Lebensversicherung AG und Cosmos Lebensversicherungs-AG.

- Map-Report 906. Bewertet wurden ausschließlich die am Rating teilnehmenden Gesellschaften. Punkte max. bedeutet bei einem Wert von unter 100, dass für die jeweilige Gesellschaft das Bewertungsraster an die gemeldeten Daten angepasst wurde. Benachteiligungen der Teilnehmer sollen dadurch verhindert werden. Für die WGV lag die maximal erreichbare Punktzahl beispielsweise bei 97 Punkten. Die Gesellschaft konnten die Beispielrechnungen zu dem BU-Tarif des Lehrers nicht berechnen, weil die Vorgaben mit dem Angebot der WGV nicht vereinbar war. Die maximal erreichbare Punktzahl sank damit auf 97 Punkte. Auf 100 Punkte normiert entsprechen die erreichten 69,75 Punkte damit 71,91 Punkten.
Wenig auskunftsfreudige Branche
Neu in der Spitzengruppe ist die Deutsche Leben. Nur noch ein „mm“ „für „sehr gute Leistungen“ erzielten die Huk-Coburg-Lebensversicherung AG sowie die R+V Lebensversicherung AG. Diese Ratingbewertung erhielten noch acht weitere Lebensversicherer. Sechs Mal wurde ein „m“ für „gute Leistungen“ vergeben.
Summa summarum sind 26 von 70 potenziellen Teilnehmern ein Armutszeugnis
Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages zur Teilnahmebereitschaft der Branche
Insgesamt nahmen 26 Anbieter an der Untersuchung teil und lieferten die benötigten Daten. „Summa summarum sind 26 von 70 potenziellen Teilnehmern ein Armutszeugnis“, findet Klages deutliche Worte für „traurige“ Transparenzpolitik der Branche.
Das Biometrie-Rating sei nicht allein eine Verdichtung von Kennzahlen, die nicht überbewertet werden sollten. Das Rating selbst sei auch – unabhängig von den erzielten Punkten – eine Auszeichnung für die Bereitschaft, Informationen zu geben und die Transparenz zu erhöhen.
„Gerade in schweren Zeiten mit geringen Zinsen, fallenden Überschussbeteiligungen und Garantien läge die Branche mit einer Transparenzoffensive sicher nicht falsch“, gibt sich der Map-Report-Chefredakteur überzeugt. Aber scheinbar herrsche vielfach die Meinung vor, dass kein Rating immer noch besser als ein schlechtes sei.
Die Spitzenreiter in den Teilbereichen
Im Bilanz-Teil liegt wie in der Gesamtwertung die Europa an der Spitze – hier mit knapp 30 der 36 möglichen Punkte. Dabei erreichte die Gesellschaft aus Köln die höchste SCR-Bedeckungsquote, die niedrigste Verwaltungs- und die drittniedrigste Abschlusskostenquote. Hinter dem Direktversicherer folgen dicht beieinander die WGV, die Hannoversche und die Allianz.
Auch im Service-Teil hatte die Europa die Nase vorn, wenn auch mit nur hauchdünnem Vorsprung vor der Dialog (21,3 zu 21,2 Punkte). Die Cosmos, die Mylife Lebensversicherung AG und die Süddeutsche Lebensversicherung a.G. auf den Positionen drei bis fünf lagen ebenfalls über der 20-Punkte-Marke.
Im Vertragsteil setzte sich die Hannoversche (31,8 Punkte) gegen die Dialog (31,4 Punkte) durch. An dritter bis fünfter Stelle liegen mit jeweils über 30 Punkten die Europa, die Huk-Coburg und die Continentale.
Map-Report-Redaktion: Rating an sich nur Nebenprodukt
Die Map-Report-Redaktion will das aktuelle, jetzt vorgelegte Rating als „Sonderform des journalistischen Kommentars“ verstanden wissen. „Es bewertet den Gesamteindruck des Unternehmens aus heutiger Sicht. Deshalb wird es nie objektiv sein.
Dabei wurde das Verfahren eines transparenten Ratings nicht zufällig gewählt. Ebenso wenig zufällig ist die Redaktion keine Rating-Agentur, arbeitet also nicht im Auftrag der bewerteten Unternehmen. Wir sehen uns als Informations-Dienstleister“, so Klages.
Für die Map-Report-Redaktion ist das Rating vielmehr „eine Methode, um Fakten durch systematische Verdichtung nach subjektiver Gewichtung zu einer Bewertung zu führen. Deshalb bietet dieser Vergleich im Gegensatz zur typischen Arbeitsweise von Ratingagenturen eine einmalig umfangreiche Faktensammlung mit vollkommen transparenter Gewichtung, die es dem Leser erlaubt, auf dieser Basis sein eigenes Rating zu erstellen“.
Weitere Studiendetails
Der Map-Report Nummer Map-Report 906 – „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ enthält auf 89 Seiten umfangreiches Datenmaterial zu zahlreichen Bilanz-, Service- und Vertragskennzahlen von bis zu 70 Lebensversicherungs-Gesellschaften.
Detaillierte Zusatzinformationen zu den vorgenannten Ratings bietet der Map-Report 904 – „Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2017“. In diesem finden sich auf 154 Seiten Übersichten und Grafiken zu diversen Geschäftszahlen aus dem Jahr 2017 von bis zu 82 Lebensversicherern.
Die Hefte sind lieferbar als PDF-Datei für Unternehmen oder als gedrucktes Heft (Preise je ab 363 Euro inklusive Mehrwertsteuer) sowie im rabattierten Jahresabonnement. Bestellt werden kann unter diesem Link. Die Konditionen für das Jahresabonnement sind auf dieser Internetseite einzusehen.




