KI im Versicherungsvertrieb: Wie Maklerpools Vermittler unterstützen

5.3.2025 (€) – Damit Versicherungsmakler ihre Routinearbeiten effizienter gestalten können, müssen Informationen über Kunden und deren Verträge in standardisierte Daten digitalisiert werden. Das ist wichtig, um alltägliche Prozesse zu automatisieren. Wie sie dann mithilfe von Kollege Computer mehr schaffen, um sich für künftiges Bestandswachstum zu wappnen, machen große Maklerpools mit ihren KI-Projekten vor.

Der deutsche Markt der Maklerpools wird sich schon sehr bald deutlich ausdünnen, erwartet Ralph Konrad. Demnach dürften „in den nächsten Jahren noch drei oder vier große Pools übrigbleiben“, sagt der Finanz- und IT-Chef der JDC Group AG im Interview mit Finanzwelt.

„Der Grund liegt darin, dass der Betrieb dieses Geschäfts so teuer ist und dass es sich nur noch in einer gewissen Größenordnung darstellen lässt“, erklärt er. Sein Unternehmen ist die aktuelle Nummer Zwei in der Maklerpool-Hitliste 2024 der Cash. Media Group GmbH (VersicherungsJournal 27.8.2024).

Das Ranking der Pools und Servicegesellschaften nach jeweiligem Rohertrag 2023 weist für das Unternehmen mit ungefähr 16.000 angeschlossenen Maklern einen Wert von 52,9 Millionen Euro aus. Davor liegt nur die Fonds Finanz Maklerservice GmbH (65,8 Millionen Euro).

Zehn Millionen Euro IT-Ausgaben pro Jahr

Ralph Konrad (Bild: JDC)
Ralph Konrad (Bild: JDC)

„Aufgrund unserer Größe sind wir dazu in der Lage, rund zehn Millionen Euro im Jahr für IT auszugeben“, berichtet Konrad. Denn: „Technologie ist der entscheidende Faktor für Maklerpools und deswegen investieren wir auch so viel Geld in diesen Bereich.“

Ohne die laufenden Investitionen könne JDC nicht Hunderttausende neuer Versicherungsverträge und Investmentsparpläne abwickeln. „Diese explodierende Menge an Daten ist nur durch Automatisierung und Digitalisierung zu verarbeiten.“

Auch zukünftig müsse man „weiter investieren, um diese Massen sinnvoll verarbeiten zu können“.

Das sei für den JDC-Manager deutlich mehr als eine lästige nebensächliche Pflicht, denn: „In der IT und Digitalisierung liegt die Kernwertschöpfung der Maklerpools.“

Künstliche Intelligenz bewältigt bei JDC große Datenmengen

Aktuell geht es auch bei JDC verstärkt um künstliche Intelligenz (KI). „Hier geht es vor allem um die Optimierung der internen Prozesse – die vielen Daten, die wir bekommen, sauber zu strukturieren, zu ordnen und das zu automatisieren, was bis jetzt Sachbearbeiter tun.“

„Wir haben eine deutlich schnellere Verarbeitung der eingehenden Dokumente“, berichtet Konrad. Das Unternehmen könne „die Mitarbeiter, die diese Aufgaben bisher übernommen haben, jetzt für wertschöpfendere Tätigkeiten einsetzen.“

Nachteile für kleinere Maklerpools erwartet

Auch der Lübecker Mitbewerber Blau direkt GmbH plant, mit der neuen Geschäftsführung unter Dr. Kai-Uwe Laag (6.6.2024), massiv in die eigene IT zu investieren. Der zuvor in Tech-Branchen tätige Manager nennt insbesondere KI-Anwendungen (22.1.2025).

Bereits zum Jahresbeginn wurde Sasha Justmann von der Schwesterfirma Zeitsprung GmbH & Co. KG (23.10.2017) zum Chief Technology Officer des Pools ernannt. Darin zeige sich ein Fokus auf Skaleneffekte, die für kleinere Maklerpools unerreichbar sind (23.1.2025).

Fonds Finanz präsentiert KI-Tool auf MMM

Jonathan Posselt (Bild: Fonds Finanz)
Jonathan Posselt (Bild: Fonds Finanz)

Der Cash-Tabellenführer Fonds Finanz ist dem Markt beim Thema KI für Makler nach eigenen Angaben einen Schritt voraus. Wie Makler die neuen Technologien nutzen können, will Deutschlands größter Pool auf der Messe MMM am 18. März in München zeigen.

Was es bei dem Vortrag zu sehen geben wird, fragten wir Jonathan Posselt. Der KI-Teamleiter bei Fonds Finanz arbeitete zuvor für die DEMV Deutscher Maklerverbund GmbH, bei der wie bei Fonds Finanz der britische Investor HG Capital eingestiegen ist (30.9.2022).

Laut Posselt beschäftigt sich Fonds Finanz bereits seit einigen Jahren mit dem internen Einsatz von KI: „Mit dem Wachstum unseres Maklerpools steigt auch unser Arbeitsvolumen. Das zu bewältigen, schaffen wir nicht mehr allein mit den bestehenden Mitarbeitern.“

KI-Tools auch für die Vertriebspartner

Die firmenintern erprobten Tools sollen schrittweise auch Versicherungsvermittlern zur Verfügung stehen, erklärt Posselt: „Wir haben eigene KI-Modelle entwickelt, die beispielsweise Kundendaten aus Versicherungsanträgen auslesen und verarbeiten können.“

Diese Software integriert Fonds Finanz nun einerseits direkt in Produkten wie das Maklerverwaltungsprogramm „Professionell works“ und dem Dashboard „Beraterwelt“. Somit können beispielsweise Vergleichsrechner automatisch mit Daten des Kunden gefüllt werden. 

Schnittstellen für den Online-Vertrieb

Andererseits bietet man Schnittstellen für Finanzdienstleister an, um deren individuelle Prozesse für den Online-Vertrieb technisch zu unterstützen. „Wir wollen uns auch den vielen jungen Vermittlern öffnen, die immer öfter mit eigenen Anwendungen wie Kunden-Apps arbeiten.“

Zwischen diesen beiden Gruppen stehen Makler, die zwar technisch erfahren, aber keine Entwickler sind. Für sie gibt es die Bausteine der neuen Plattform Make.com. „Wir sind unseres Wissens die Ersten, die KI vollintegriert anbieten und mit den drei unterschiedlichen Angeboten alle Zielgruppen abdecken.“

„Alle unserer 31.000 angeschlossenen Makler erhalten Daten von unseren mehr als 500 Projektpartnern, damit sie diese in ihre eigenen Systeme einspielen können“, so Posselt weiter. Das betreffe neben Fonds und Baufinanzierungen vor allem Versicherungen aller drei Sparten.

KI-gestützter Textassistent als Schaltzentrale

Doch bei welchen Arbeiten im Berateralltag werden die angeschlossenen Makler konkret entlastet? Posselt: „Die KI-Assistenz im Fonds Finanz AI-Hub bietet Maklern vor allem Unterstützung bei der Bearbeitung eingehender E-Mails und der Automatisierung von wiederkehrenden Prozessen.“

Ein zentraler Bestandteil ist demnach der KI-gestützte Textassistent, der beispielsweise eingehende Nachrichten automatisch klassifiziert: Handelt es sich um eine Kündigung, einen Antrag oder eine Adressänderung?

Je nach Einzelfall startet das System direkt den passenden, vordefinierten Prozess. So werden beispielsweise manche E-Mails der Kunden durch eine automatisch generierte Antwort bestätigt und weiterbearbeitet. Andere Informationen werden wie von Geisterhand an den Versicherer weitergeleitet.

Makler der Zukunft nutzen Dunkelverarbeitung

„Besonders im Neugeschäft nimmt die KI dem Makler viel Arbeit ab“, sagt Posselt. „Während früher Leistungsunterschiede zwischen Tarifen manuell recherchiert und für Kunden aufbereitet werden mussten, erstellt der KI-Textassistent nun automatisch eine E-Mail mit einem individuellen Leistungsvergleich.“

Der Makler kann diese automatisch erstellte Nachricht vor dem Versand noch einmal prüfen. Posselt erwartet aber, dass sich die meisten diesen Arbeitsgang sparen werden: „Mit zunehmender Nutzung wächst das Vertrauen in die KI, so dass Makler in Zukunft verstärkt auf eine vollständige Automatisierung – also eine Dunkelverarbeitung – setzen können.“

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