7.6.2019 (€) – 2017 war weit mehr als jeder dritte Fall von Berufs- und Erwerbsunfähigkeit auf psychische und Nervenkrankheiten zurückzuführen. Zweithäufigste Ursache waren in etwa gleichauf die Erkrankung des Skelett- und Bewegungsapparats sowie Krebs. Dies geht aus Daten hervor, die der Versichererverband am Donnerstag veröffentlicht hat.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hat am Donnerstag neue Zahlen zum Markt der Invaliditätsabsicherung veröffentlicht. Die Daten basieren auf einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen, die 41,3 Prozent des Bestandes an Berufsunfähigkeits- (BU-) und Erwerbsunfähigkeits- (EU-) Versicherungen repräsentieren.
Psychische und Nervenkrankheiten sind häufigste Ursache
Den GDV-Daten zufolge waren auch im Geschäftsjahr 2017 psychische Krankheiten mit 29 Prozent die häufigste Invaliditätsursache.
Rechnet man, wie in den Auswertungen der Morgen & Morgen GmbH (VersicherungsJournal 25.4.2019), zu den psychischen noch die Nervenkrankheiten hinzu, so liegt der Anteil im Berichtsjahr bei weit über einem Drittel.
Nervenkrankheiten seien die „häufigste Invaliditätsursache in der Berufsunfähigkeits-Versicherung“. Der Anteil hat im Vergleich zum Jahr zuvor um einen Prozentpunkte zugenommen und nähert sich der Marke von einem Drittel weiter an. Die Daten basieren auf einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen, die etwa 80 Prozent des Marktes für Policen zum Schutz gegen Berufsunfähigkeit repräsentieren.
Auf Krebs oder andere bösartige Geschwulste wie auch auf Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Rückenleiden, Arthrose oder Gelenkprobleme entfällt jeweils knapp ein Fünftel der Fälle. Unfälle waren für jeden elften BU- beziehungsweise EU-Fall ursächlich, Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems für etwa jeden 14.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Anders als für das Berichtsjahr 2016 (VersicherungsJournal 30.11.2018) machte der Versichererverband wieder Angaben zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden. Und diese sind zum Teil gewaltig.
So waren Krebs und Nerven- sowie psychische Krankheiten deutlich häufiger bei Frauen Auslöser für eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit als bei Männern. Genau umgekehrt verhält es sich bei den Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie den Unfällen. Letzteres führt der GDV unter anderem darauf zurück, dass Männer häufiger Berufe haben, die mit schwerer körperlicher Beanspruchung verbunden sind.
Kritik an GDV-Veröffentlichungspraxis
Auf Vergleiche mit dem Jahr zuvor wird an dieser Stelle verzichtet, weil die Stichprobe seinerzeit mit über 80 Prozent in etwa doppelt so groß war. Ein Zeitreihenvergleich wird zudem dadurch erschwert, dass der Versichererverband für die letzten drei Jahre abwechselnd die Anteile für Nerven- und psychische Erkrankungen getrennt (VersicherungsJournal 29.3.2018) beziehungsweise zusammengefasst aufführt.
Von der Fachöffentlichkeit wird die Veröffentlichungspraxis des GDV schon seit Längerem kritisiert (VersicherungsJournal Medienspiegel 22.3.2018). Der Versichererverband sei um eine möglichst positive Darstellung der Leistungen seiner Mitgliedsunternehmen bemüht. „Nur mit nachvollziehbaren Zahlen hat man es nicht so“, meinte der Versicherungsmakler und BU-Experte Mathias Helberg im vorvergangenen Herbst in einem Blogbeitrag.





