13.8.2021 (€) – Die Deutsche Familienversicherung ist im ersten Halbjahr 2021 kräftig gewachsen, bleibt aber weiterhin in der Verlustzone. Auf einer Investorenveranstaltung zeigte sich Vorstandschef Dr. Stefan M. Knoll enttäuscht über den Verlauf der DFV-Aktie in der jüngeren Vergangenheit. Dem versuchte er mit einer Reihe von Plänen und Erläuterungen entgegenzuwirken.
Die DFV Deutsche Familienversicherung AG wird im Jahresverlauf 2021 ihr Flatrate-Produkt „DFV-KombiSchutz“ um eine Vorsorgekomponente erweitern und ab 2022 in die Lebensversicherung einsteigen.
Vorstandschef Dr. Stefan M. Knoll will noch in diesem Quartal den Zulassungsantrag stellen. „Wirtschaftlich und technologisch sind wir dazu in der Lage. Wenn wir der Bafin ein Produkt vorlegen, dann bekommen wir das kurzfristig hin“, sagte er.
Von Kombi zu Lifetime

- Stefan M. Knoll (Bild: DFV)
Der „DFV-KombiSchutz“ (VersicherungsJournal 5.7.2021) soll ab 2022 zu einer „Lifetime Versicherung“ ausgebaut werden und dann auch biometrische Risiken wie Todesfall, Pflege und Berufsunfähigkeit beinhalten. Damit trage man der veränderten Lebenssituation der Kunden Rechnung, so Vertriebsvorstand Stephan Schinnenburg.
Darüber hinaus strebt die DFV zum Vollsortimenter. Sowohl IT-technisch, vertrieblich und von der Produktzusammensetzung sei man dazu in der Lage, sagte Knoll.
Geplant sind ein Vertriebs-Call-Center sowie der Ausbau des Maklergeschäfts. Online, direkt und Makler sollen jeweils 30 Prozent des Neugeschäfts einfahren. Hinzu kommt das Geschäft mit Kooperationspartnern.
Knoll kündigte neue Produkte an: So soll es eine Pflegezusatzpolice für das Maklergeschäft geben. In der Sachversicherung will sich die DFV, die bisher 75 Prozent des Neugeschäftes mit Krankenzusatz-Versicherungen schreibt, um Ausschnittsdeckungen für Rad oder mobile Geräte erweitern.
Blockchain für Produkte

- Stephan Schinnenburg (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Geplant sind auch sogenannte Add-On-Versicherungen, bei denen moderne Technik wie Machine Learning und Blockchain eingesetzt werden sollen. Als Beispiel wurde eine Ticket-Versicherung genannt.
Vor diesem Hintergrund gründet die DFV gemeinsam mit dem im Umfeld der Technischen Universität München entstandenen Startup STTech GmbH ein Joint-Venture. Dieses soll Technologien für die Automatisierung von Schaden- und Leistungsfällen entwickeln und bei der Anwendung helfen.
Die eigene IT-Technik wurde inzwischen weitgehend an einen Dienstleister ausgelagert. Nun konzentriert man sich auf Plattformtechniken und Software.
Rechnungszins war richtig kalkuliert
Knoll berichtet, dass die Überprüfung der Kalkulationsgrundlage bei der Pflegezusatz-Versicherung „CareFlex Chemie“ zugunsten der DFV ausgegangen sei (VersicherungsJournal 7.1.2021).
Der auf Geheiß der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht einzusetzende Gutachter beziehungsweise aktuarielle Experte habe bestätigt, dass die Methodik der Rechnungszinsermittlung bei der DFV „angemessen war – und zwar sowohl für Erstkalkulationen als auch für Festlegungen im Zuge von Beitragsanpassungen“, so Knoll.
Es ging darum, ob die DFV als relative Neugründung einen Rechnungszins von zwei Prozent erwirtschaften kann oder ob sie diesen in der Vergangenheit fehlerhaft festgelegt hat.
Das „CareFlex“-Konsortium hatte nach der Anordnung der Aufsicht der DFV einen Vertrag als Rückversicherer mit 40 Millionen Euro Volumen eingeräumt. Dazu lägen der Aufsicht nun die Verträge zur Genehmigung vor.
Zweistelliges Plus
Für das erste Halbjahr 2021 weist die DFV bei den gebuchten Bruttobeiträge ein Plus von 24,2 Prozent auf 66,7 Millionen Euro aus. Das Neugeschäft entwickelte sich nach Unternehmensangaben mit 13,7 (15,4) Millionen Euro plangemäß. Bei den Krankenzusatz-Versicherungen erhöhte sich der durchschnittliche Beitrag pro Neuvertrag auf 363 (345) Euro.
Die Combined Ratio hat sich auf 101,9 (104,3) Prozent verbessert. Nach einem höheren Kapitalergebnis beträgt der Konzernverlust nach Steuern immer noch 0,7 (4,1) Millionen Euro.
Die Ziele für 2021 wurden bestätigt. Geplant ist, 30 Millionen Euro in Vertriebsaktivitäten zu investieren und somit ein Neugeschäft von 30 Millionen Euro zu generieren beziehungsweise die gebuchten Bruttobeiträge erneut um rund 25 Prozent zu steigern. Der Konzernverlust vor Steuern soll auf vier Millionen Euro sinken – nach negativen 10,6 Millionen Euro im Vorjahr.




