Corona belebt den Ausschließlichkeits-Vertrieb der Allianz Deutschland

13.8.2021 (€) – Trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs im Halbjahresvergleich meldet die Allianz Deutschland in einer Pressemitteilung zur Geschäftsentwicklung bis zur Jahresmitte 2021 „robuste Ergebnisse“. Außerdem wird über eine bemerkenswerte Entwicklung beim Ausschließlichkeits-Vertrieb sowie bei den nachgefragten Produkten in Zeiten der Corona-Pandemie berichtet.

„Das Kundenverhalten wird durch die Erfahrungen mit Corona noch digitaler“, hatte sich Dr. Klaus-Peter Röhler, der Vorstandsvorsitzende der Allianz Deutschland AG, vor Jahresfrist in einer Pressemitteilungen zu den Ergebnissen der ersten beiden Quartale 2020 zitieren lassen (VersicherungsJournal 13.8.2020 ). Das klingt nun, ein Jahr später, etwas anders.

Während der Pandemie habe sich insbesondere die Stärke des Ausschließlichkeits-Vertriebs mit der Strategie „digital und persönlich“ gezeigt, wird nun betont. Die Vertriebsleistung im Agentur- und Bankenvertrieb habe in den ersten sechs Monaten sogar über der in der ersten Hälfte des Rekordjahres 2019 gelegen.

Pandemie befördert auch die private Krankenversicherung

Klaus-Peter Röhler (Archivbild: Müller)
Klaus-Peter Röhler (Archivbild: Müller)

Die weiterhin positive Entwicklung der Allianz Private Krankenversicherung (APKV) wird ebenfalls in Zusammenhang mit Covid-19 gesehen. Das bisher stärkste Halbjahres-Neugeschäft in der Geschichte der Versicherungsgruppe führt Röhler darauf zurück, dass das Thema Gesundheit durch die Pandemie in der Gesellschaft sehr viel stärker in den Vordergrund gerückt ist.

Insgesamt stiegen die Beitragseinnahmen bei der APKV um 4,1 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. In der Vollversicherung konnte in den beiden ersten Quartalen des Berichtsjahres ein Neugeschäftszuwachs um mehr als sieben Prozent verzeichnet werden und bei Zusatzversicherungen betrug das Plus vier Prozent. Hier waren insbesondere Dentaltarife sowie Pflegezusatz-Versicherungen nachgefragt.

Bei der Allianz Deutschland insgesamt ging der Umsatz, der im Gesamtjahr 2020 bereits rückläufig war (4.3.2021), jedoch trotzdem beschleunigt um 8,5 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro zurück. Ursächlich dafür war hauptsächlich wiederum die Lebensversicherung, bei der die Beitragseinnahmen um 14,2 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro schrumpften.

Zurückhaltung bei Einmalbeiträgen lässt Leben-Geschäft weiter schrumpfen

Zurückgeführt wird dies vor allem darauf, dass im Einmalbeitragsgeschäft durch Anpassungen bei den Konditionen wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase bewusst auf Mittelzuflüsse verzichtet worden sei. Die laufenden Beiträge hätten im Neugeschäft dagegen zugelegt.

Röhler wertet dies als einen „Vertrauensbeweis unserer Kundinnen und Kunden, die wieder vermehrt langfristig in unsere Lösungen investieren“. Schließlich habe die Leben-Gesellschaft 2021 zahlreiche Neuerungen in der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge auf den Weg gebracht.

Dabei sei die Strategie fortgesetzt worden, durch Fokussierung „auf zeitgemäße Garantien“ die Angebote „konsequent so zu verändern, dass sie zu den Kundenbedürfnissen und den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen“.

Konkret bedeutet dies, dass die seit Jahresbeginn neu angebotenen Produkte am Ende der Ansparphase je nach Kundenwunsch auf einem Niveau von mindestens 90, 80 oder 60 Prozent der gezahlten Beiträge liegen“, wie erläutert wird. Von den Kunden und Vertrieben würden diese Angebote gut angenommen.

Beitragsrückgang auch in der Schaden- und Unfallversicherung

Einen leichten Beitragsrückgang um 0,3 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro gab es im Halbjahresvergleich 2021/2020 auch in der Schaden- und Unfallversicherung. Im zweiten Quartal 2021 habe die Sachversicherung insgesamt jedoch bereits wieder um 3,8 Prozent zugelegt, wird betont.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass aufgrund der Corona-bedingt geringeren Fahrleistung vieler Kfz-Kundinnen und -Kunden Beitrags-Rückerstattungen in Höhe von 19,6 Millionen Euro geleistet wurden. In der Vergleichszeit des Vorjahres waren es 12,5 Millionen Euro gewesen.

Operatives Ergebnis steigt in der Kranken- und der Lebensparte stark an

Beim operativen Ergebnis konnte die Versicherungsgruppe über alle Sparten hinweg im ersten Halbjahr einen Zuwachs um 7,8 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro erzielen. In der Krankenversicherung verbesserte es sich um 75,3 Prozent auf 93 Millionen Euro und in der Lebensversicherung um 13,3 Prozent auf 602 Millionen Euro.

Nähere Erläuterungen zu den Hintergründen dieser Anstiege werden in der Pressemitteilung nicht gegeben. Es wird nur angemerkt, dass sowohl die Lebens- wie die Krankenversicherung von der Erholung an den Kapitalmärkten profitiert hätten.

Allianz erwartet als 35.000 Schäden wegen der Hochwasser-Katastrophe

Der Rückgang des operativen Ergebnisses um 4,6 Prozent auf 494 Millionen Euro in der Schaden- und Unfallversicherung wird auf hohe Aufwendungen für Elementarschäden zurückgeführt. Sie betrugen bereits im ersten Halbjahr netto 345 Millionen Euro.

Durch die Hochwasser-Katastrophe im Juli insbesondere im Westen Deutschlands rechnet die Sachversicherung der Gruppe nach derzeitigem Stand im dritten Quartal 2021 mit mehr als 30.000 Schadenmeldungen aufgrund beschädigter Gebäude und zerstörtem Hausrat sowie mit über 5.000 Fahrzeugschäden. Das Schadenvolumen vor Rückversicherung wird auf mehr als 500 Millionen Euro geschätzt.

Im ersten Halbjahr 2021 konnte der Konzern dank der operativen Ergebnisse in der Lebens- und Krankenversicherung noch ein um 54,1 Prozent auf 838 Millionen Euro gestiegenes Nettoergebnis verbuchen. Dazu beigetragen hat außerdem das über alle Sparten hinweg um 33,5 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro angewachsene Kapitalanlageergebnis.

Neue Gesellschaften im Rahmen der Neuaufstellung gegründet

Im Rahmen der derzeitigen Neuaufstellung der Allianz in Deutschland wird in der Pressemitteilung eine neue Markteinheit namens „Allianz Kunde und Markt GmbH“ angekündigt. Sie werde als Tochter der Allianz SE geführt und sei „für die Weiterentwicklung der konsistenten Kundenerlebnisse und die deutschlandweit gemeinsame Kunden- und Marktsteuerung“ zuständig.

Für „effektivere Zentralfunktionen mit Nähe zum deutschen Geschäft und zugleich Größenvorteile durch deren regionale oder globale Aufstellung“ gehe als weitere Neugründung die „Allianz One – Business Solutions GmbH“ an den Start. In diese Gesellschaft würden übergreifende Einheiten aus verschiedenen Bereichen der Allianz Deutschland überführt.

Schließlich werden die Stärkung der Produktgeber und damit deren Beitrag zur Internationalisierung angekündigt. Dazu würden den Spartengesellschaften neben der Produktentwicklung weitere Operations- und Zentralfunktionen zugeordnet.

Eine „vollständige Sicht der Spartengesellschaften nicht nur auf die Produkte, sondern auch auf die Prozesse sowie ihre ganzheitliche Verantwortung dafür“ würden die Kundenerlebnisse weiter deutlich verbessern, heißt es in der Pressemitteilung. Zugleich würden dadurch die Markteinführungszeiten verkürzt und die Effizienz erhöht.

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