28.2.2020 (€) – Die Industrieversicherung steht laut aktuellem „Versicherungsmarkt-Report 2020“ von Marsh unter Druck. Betroffen von Prämienerhöhungen und Reduzierung der Kapazitäten sind nach wie vor die Sachversicherung, die Haftpflicht sowie Financial-Lines. Aber auch bei technischen Versicherungen und Warentransport dreht sich der Wind.
Nach der Aon Risk Solutions Deutschland hat jetzt auch die Marsh GmbH ihren „Versicherungsmarkt-Report 2020 Deutschland“ und damit ihre Prognosen für das laufende Jahr vorgelegt.
Aon hatte Veränderungen für Cyber und Managerhaftpflicht sowie Warentransport, technische Versicherungen und Sachversicherungen vorausgesagt (VersicherungsJournal 31.1.2020). Marsh zeichnet für die Industrieversicherung nun insgesamt ein düsteres Bild.

- Thomas Olaynig (Bild: Marsh)
„Mittlerweile ist es einfacher, die Sparten aufzuzählen, die von Prämienerhöhungen und Kapazitäts-Reduzierungen nicht betroffen sind, als anders herum“, erklärt Thomas Olaynig, Geschäftsführer und Head-of-Placement & Specialties von Marsh Deutschland, in seinem Vorwort des Reports.
Verträge in kurzen Abständen prüfen
Laut Analyse des Großmaklers überprüfen die Versicherer in der Industrieversicherung insgesamt ihre Kapazitäten. Mit dem Ergebnis, dass diese reduziert werden und sie höhere Prämien einfordern. Marsh sieht die Anbieter unter starkem Handlungsdruck, weil die Ergebnisse hier über viele Jahre hinweg defizitär waren.
Der Impuls für diese Entwicklung gehe diesmal nicht von den Rückversicherern, sondern von den Erstversicherern selbst aus, schreiben die Autoren im aktuellen Report.
„Risikomanager sollten eine langfristige und ganzheitliche Strategie verfolgen. Dazu gehört, aktuelle Informationen über Werte sowie Lokationen zur Verfügung zu haben und diese mit ihren Risikopartnern zu teilen. Statt Deckungskonzepte unbesehen über Jahre hinweg fortzuschreiben und lediglich den Preis im Auge zu behalten, sind sie in viel kürzeren Abständen immer wieder grundsätzlich zu hinterfragen“, rät Olaynig.
Sachversicherung bleibt schwierig
In der industriellen Sachversicherung sieht Marsh eine Fortschreibung der Entwicklung. Der Großmakler ging bereits in den Vorjahren davon aus, dass der Sanierungsdruck in dieser Sparte weiter zunehmen wird (4.9.2019, 6.9.2018, 20.2.2018).
Das Unternehmen beobachtete Ende des Vorjahres bereits eine weitere Verhärtung des Marktes. „Forderungen nach Verdoppelung und Verdreifachung der Prämien gegenüber dem Ist-Stand waren Ende 2019 keine Seltenheit“, so die Autoren in ihrem Report. Für das laufende Jahr rechnet Marsh nicht mit einer Entspannung und prognostiziert steigende Prämien zwischen zehn bis 15 Prozent.
Haftpflicht gerät unter Druck
In der Haftpflichtversicherung geht der Makler ebenfalls von steigenden Beiträgen zwischen fünf und zehn Prozent aus. Allerdings sei die Marktentwicklung in dieser Sparte derzeit noch uneinheitlich, dennoch sei „eine generelle Verhärtung zu erwarten“, so Marsh.
„Versicherer kündigen an, die Kundenverbindungen und Risiken differenziert zu betrachten und die vielfach aus ihrer Sicht nicht risikoadäquaten Prämien und sonstigen Konditionen anzupassen“, schreibt der Makler im vorliegenden Report.
Einzelne Versicherer reduzierten generell ihre Kapazitäten oder werden Kapazitäten für exponierte Risiken und Branchen wie beispielsweise Kfz-Zulieferer, Krankenhäuser, Pharma und Chemie weiter kürzen.
Financial Lines: Kapazitäten werden reduziert
Die Prämien für Cyberversicherungen steigen weiter und Versicherer seien nicht mehr automatisch bereit, Kapazitäten von 25 Millionen Euro bereitzustellen. „Generell kann man beobachten, dass zahlreiche Versicherer ihre offerierte Gesamtkapazität im Gegensatz zu früher reduzieren und in ihrer Zeichnungspolitik vorsichtiger werden“, so Marsh.
Ähnlich sieht das Bild in der Managerhaftpflicht aus: Die Prämien für D&O-Versicherungen seien für große Unternehmen nicht mehr stabil, sondern erhöhten sich in der Regel, teilweise drastisch. Gleichzeitig würden auch hier die Kapazitäten reduziert, führen die Autoren aus.
„Weiterhin sind auch viele Anbieter nicht mehr bereit, Mehrjahresverträge anzubieten. Falls ein solcher Mehrjahresvertrag vereinbart wird, fordern die Versicherer für die zweite Versicherungsperiode häufig eine Prämienerhöhung“, warnt der Makler.
Technische Policen und Warentransport: relativ stabil
Der Trend zur Marktverhärtung ist nach Beobachtung von Marsh auch im Bereich der technischen Versicherungen angekommen. Bei bestehenden Verträgen gebe es ausreichend Kapazitäten bei gleichbleibenden Prämien. Bei schadenbelasteten und neu zu bewertenden Risiken müssten Unternehmen jedoch auch hier etwas tiefer (bis plus zehn Prozent) in die Tasche greifen.
In der Warentransport-Versicherung hat sich laut dem Report der Wind gedreht: Strenge Zeichnungsrichtlinien dominierten jetzt. Ganze Branchen und Risikogruppen würden von den Versicherern gemieden.
Zu nennen wären beispielhaft Automotive und Petrochemie, aber auch Kühlgut und Lagerrisiken „werden generell mit Vorbehalt oder von vielen Versicherern gar nicht mehr gezeichnet“, so Marsh.




