28.10.2026 – Mit 295 Ausstellern startete am Dienstag in Dortmund die Fachmesse DKM. Auf der Eröffnungspressekonferenz stellte der Vermittlerverband BVK Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter seinen Mitgliedern vor. Demnach sieht die Mehrheit der Versicherungsvermittler das neue Altersvorsorgedepot (AVD) grundsätzlich positiv. Der BDVM betont aber, dass die qualifizierte Beratung und laufende Betreuung angemessen vergütet werden müssten.
Zum 29. Mal hat am Dienstag die Messe DKM ihre Tore geöffnet. Nach einer rein digitalen (VersicherungsJournal 28.10.2020) und einer hybriden Veranstaltung (28.10.2021) wird die Messe wieder im kompakten Format mit eineinhalb Messetagen durchgeführt.
Auf einer Ausstellungsfläche von rund 8.300 Quadratmetern sind 295 Aussteller auf dem Messegelände in Dortmund vertreten. Das sind 300 Quadratmeter mehr, aber zehn Firmen weniger als im Vorjahr (29.10.2025). Zum Vergleich: Im Jahr vor der Corona-Pandemie präsentierten sich noch 358 Aussteller den Besuchern, die nur vor Ort teilnehmen konnten (24.10.2019).
Stattgefunden haben zum inzwischen vierten Mal auch die „Femsurance“, ein Kongress für die in der Branche tätigen Frauen. Mit der „Young DKM“ soll hingegen dem Fachkräftemangel in der Branche entgegengewirkt werden. Außerdem wurde zum 15. Mal der Jungmakler-Award vergeben (27.10.2026).

- Von links: Gerald Archangeli, Michael H. Heinz, Andreas Vollmer (alle BVK), Alexander Ströhl (BBG), Thomas Billerbeck und Julie Schellack (beide BDVM) (Bild: Hilmes)
Steigender KI-Einsatz in Vermittlerbetrieben
Diversität und Nachwuchs zählen neben der Vernetzung und künstlicher Intelligenz (KI) zu den zentralen Zukunftsthemen, die der Messeveranstalter BBG Betriebsberatungs GmbH in seinem „BBG-Campus“ gebündelt hat. Wie KI-Einsatz bei Versicherern in der Praxis aussieht, zeigen Branchenvertreter und Dienstleister auf der KI-Fläche.
Zu diesen Themen verwies der Bundesverband Deutscher Versicherungs-Makler e.V. (BDVM) bei der Eröffnungspressekonferenz auf Ergebnisse seiner diesjährigen „Stimmungsbarometer“-Umfrage (9.10.2026). Demnach planen 46 Prozent der 112 befragten Mitgliedsunternehmen Neueinstellungen. Rund 87 Prozent bewerten die Gewinnung von Fachkräften aber als zumindest teilweise schwierig. Den größten Personalengpass sehen 56 Prozent in der Kundenberatung und dem Vertrieb.
Nur 18 Prozent der Vermittlerbetriebe nutzen nach eigenen Angaben keine KI-Tools. Im Vorjahr sagten das noch 25 Prozent der damals 72 Befragten. Die wichtigsten KI-Einsatzfelder sind der aktuellen Umfrage zufolge die Recherche (65 Prozent), Text- und Korrespondenzerstellung (50) und Vertrags- und Bedingungsanalyse (41).
DKM-Topthema: Reform der Riester-Rente
Aus aktuellem Anlass spielt bei der diesjährigen Branchenmesse die 2027 nach langer Diskussion (25.9.2025) in Kraft tretende Reform der Riester-Rente eine wichtige Rolle. Hieran kritisiert der Lobbyverband zwar einerseits das vorgesehene staatliche Angebot eines Standarddepots „aus wettbewerblicher Sicht“, auch wenn dieser Mitbewerber noch auf sich warten lässt.
Andererseits lobt BDVM-Präsident Thomas Billerbeck die Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Doch die staatliche Förderung der Produkte müsste durch eine „dauerhaft finanzierbare Betreuung“ ergänzt werden. „Qualifizierte Beratung und laufende Betreuung müssen wirtschaftlich möglich bleiben.“ Denn: „Gute Produkte allein erreichen die Menschen nicht. Altersvorsorge regelt sich nicht von selbst.“
Billerbeck sei „gesprächsbereit hinsichtlich einer Begrenzung einmaliger Abschlussvergütungen und längerer Stornohaftungszeiten – allerdings nur als Teil eines ausgewogenen Modells“. Konkret nennt er „maximal 25 Promille einmalige Abschlusscourtage, ergänzt durch eine angemessene laufende Vergütung über die gesamte Vertrags- und Betreuungsdauer“. Die auf den Net Asset Value (NAV) bezogene Vergütung könne die bisherigen Courtagen auch überschreiten.
Kritik an beratungsfreien Standardlösungen
Der als zweiter Vermittlerverband auf dem Podium vertretene Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) thematisierte vor allem den geplanten Verzicht auf eine Beratungspflicht. Ohne einen persönlichen Ansprechpartner zur privaten Altersvorsorge wird es für viele Verbraucher nämlich „ein böses Erwachen“ geben, warnt BVK-Präsident Michael H. Heinz.
„Dass mit der neuen Fördersystematik der Beratungsbedarf steigen wird, ist unter Fachleuten unbestritten“, betont Heinz.
Mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) besteht bezüglich der gestrichenen Beratungspflicht (19.10.2026) laut Heinz ein „glasklarer Dissens“. Er merkte vor den Pressevertretern kritisch an, dass GDV-Präsident Dr. Norbert Rollinger seine Teilnahme an der 125-Jahrfeier des von ihm geführten Verbands (8.5.2026) abgesagt hatte.
Blitzumfrage unter Versicherungsvermittlern
Das neue Altersvorsorgedepot (7.10.2026) wollen 75 Prozent der BVK-Mitglieder aktiv anbieten, zeigt eine vom 12. bis 21. Oktober durchgeführte Blitzumfrage des Verbands. Demnach lehnen lediglich 10,2 Prozent der befragten Vermittler dies ab. Weitere 12,8 Prozent haben sich noch nicht festgelegt.
Auch die Reform insgesamt beurteilen rund 55 Prozent der Teilnehmer positiv, 31 Prozent neutral und nur 13,3 Prozent negativ. Auf breite Zustimmung stößt zudem die geplante Frühstartrente (19.10.2026). 64,2 Prozent der Befragten möchten sie aktiv anbieten. 20,1 Prozent sind noch unentschlossen, während lediglich 15 Prozent kein entsprechendes Angebot planen.
Von den 823 Teilnehmern sind 86,7 Prozent als Ausschließlichkeitsvertreter, 6,3 Prozent als Versicherungsmakler und 4,8 Prozent als Mehrfachvertreter tätig. Die Mehrheit verfügt über 20 bis mehr als 30 Jahre Vertriebserfahrung.
Erhebliche Herausforderungen für Beratung
„Die Ergebnisse zeigen, dass die Vermittler die Reform der privaten Altersvorsorge grundsätzlich unterstützen“, kommentiert Heinz. „Die stärkere Kapitalmarktorientierung und neuen Förderansätze werden als Chance gesehen, mehr Menschen für die private Altersvorsorge zu gewinnen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die praktische Umsetzung erhebliche Herausforderungen für die Beratung mit sich bringen wird.“
Die Vermittler sehen insbesondere die Beratung zum neuen Altersvorsorgedepot als anspruchsvoll an. Mit 57,3 Prozent wird der Wettbewerb zu anderen Anlageformen als größte Herausforderung genannt. Jeweils 51,7 Prozent sehen Schwierigkeiten darin, die neuen Produkte verständlich zu erklären beziehungsweise bürokratische Anforderungen zu bewältigen. Die Erläuterung der Förderregelungen betrachten 50,2 Prozent als anspruchsvoll, die Produktkomplexität 47,5 Prozent.
Darüber hinaus äußern 36,1 Prozent der Befragten betriebswirtschaftliche Bedenken. Rechtliche Fragestellungen werden dagegen von 26,2 Prozent als Hürde wahrgenommen. Die Ergebnisse unterstreichen, dass der Erfolg der Reform wesentlich von verständlichen Regeln, praxistauglichen Prozessen und einer klaren Kundenkommunikation abhängen wird.
Mehrheit erwartet begrenzte Umdeckungen
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft mögliche Kapitalumschichtungen aus bestehenden Riester-Verträgen in das neue Altersvorsorgedepot. Während 7,5 Prozent nicht von nennenswerten Umdeckungen ausgehen, erwarten 44 Prozent lediglich einen geringen Umfang.
Nur 27,2 Prozent der Vermittler rechnen mit Umdeckungen in größerem Umfang. Aber 21,3 Prozent sehen derzeit noch keine ausreichende Grundlage für eine belastbare Einschätzung.
Beim Marktpotenzial erwarten 16 Prozent der Befragten zusätzliches Neugeschäft durch das Altersvorsorgedepot und 15 Prozent können die Vertriebschancen noch nicht beurteilen. 46,6 Prozent rechnen sowohl mit zusätzlichem Neugeschäft als auch mit Umdeckungen aus Riester-Verträgen.




