7.5.2019 (€) – Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht hat 2018 in der privaten Krankenversicherung mit fast 1.200 Beschwerden über ein Viertel mehr abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es 3,5 Reklamationen pro 100.000 versicherte Personen. Auf die höchste Beschwerdequote (pro 100.000 Versicherte) kam die LKH.
2018 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) insgesamt rund 8.100 Beschwerden in Versicherungs-Angelegenheiten abschließend bearbeitet. Das waren etwa zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor (VersicherungsJournal 13.2.2019).
Deutliche Steigerung
Auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) gab es eine deutliche Zunahme auf 1.190 Reklamationen. Die Steigerungsrate fiel mit über einem Viertel etwa zweieinhalb Mal so groß aus wie insgesamt. Damit hat sich der positive Trend aus dem Jahr zuvor (VersicherungsJournal 4.5.2018) nicht fortgesetzt.
Zwischen 2015 und 2017 hatte die Zahl der abschließend bearbeiteten Eingaben jeweils unter der Marke von 1.000 gelegen (VersicherungsJournal 15.5.2017, 11.5.2016). In den Jahren davor hatte es jeweils deutliche Rückgänge gegeben (VersicherungsJournal 13.5.2015, 19.5.2014).
Langfristig gesehen ist eine massive Abnahme der Beschwerdezahl zu beobachten. So lag der Wert 2004 mit fast 3.800 Reklamation noch mehr als drei Mal so hoch.
Weiterhin sehr geringe Beschwerdequote
Aus diesem rückläufigen Trend kann nicht zwingend darauf geschlossen werden, dass die Kunden deutlich zufriedener mit den PKV-Anbietern geworden sind. Zumindest ein Teil des Rückgangs der Bafin-Beschwerden dürfte auf die steigende Akzeptanz des Ombudsmanns Private Kranken- und Pflegeversicherung (PKV-Ombudsmann) zurückzuführen sein. Bei diesem gingen 2018 rund 7.350 weitere Beschwerden ein (VersicherungsJournal 4.2.2019).
Allerdings hat der Zufriedenheitsgrad der Privatversicherten verschiedenen Untersuchungen zufolge neue Höchststände erreicht (VersicherungsJournal 23.4.2019, 12.9.2018).
Setzt man die Anzahl der Reklamationen in Relation zu den privat krankenversicherten Personen (Voll- und Zusatzversicherung), so kann man auch nicht von einer großen Unzufriedenheit sprechen. Denn die Beschwerdequote liegt auf einem verschwindend geringen Niveau von knapp 3,5 (2017: 2,8) Eingaben pro 100.000 krankenversicherte natürliche Personen.
Versicherer ohne Beschwerden
Die nach Versicherungs-Unternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik stellt nach Angaben der Aufsicht eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt. So hatte die Bafin im vergangenen Jahr etwa gar keine Beschwerde zu bearbeiten über
- die Freie Arzt- und Medizinkasse der Angehörigen der Berufsfeuerwehr und der Polizei VVaG (FAMK),
- die Ottonova Krankenversicherung AG,
- die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG,
- die Provinzial Krankenversicherung Hannover AG (VGH) sowie
- die Vigo Krankenversicherung VVaG.
LKH mit der höchsten Quote
Insgesamt werden in der Beschwerdestatistik 33 PKV-Anbieter aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Versichertenbestand von mehr als 100.000 hatte die Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH) die höchste Beschwerdequote zu verzeichnen. Für die Gesellschaft errechnet sich als einziger Anbieter eine zweistellige Quote (über 14 Reklamationen pro 100.000 Versicherte).
Die Axa Krankenversicherung AG, die im Vorjahr noch die höchste Beschwerdequote zu verzeichnen hatte, liegt wie die Allianz Private Krankenversicherungs-AG bei knapp über acht Eingaben pro 100.000 Versicherte. Bei der Halleschen Krankenversicherung a.G. waren es fast sieben und bei der Inter Krankenversicherung AG sowie der Arag Krankenversicherungs-AG jeweils über fünf Reklamationen pro 100.000 Versicherte.
So schlugen sich die Branchengrößen
Von den 13 nach Versichertenzahl größten Anbietern blieb einzig die UKV – Union Krankenversicherung AG unter der Marke von einer Beschwerde pro 100.000 Versicherte. Knapp darüber liegen die Continentale Krankenversicherung a.G., die Ergo Direkt Krankenversicherung AG und der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G.
Leicht überdurchschnittliche Beschwerdequoten standen für die Central Krankenversicherung AG, die Huk-Coburg-Krankenversicherung AG sowie die DKV Deutsche Krankenversicherung AG zu Buche. Die höchsten Werte unter den Marktgrößen errechnen sich, wie oben beschrieben, für die Axa und die Allianz.
Nachteil für wachstumsstarke Versicherer
Die jährlich veröffentlichte und nach Versicherungs-Unternehmen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik soll „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Bafin. Die Aufsicht weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin.
Denn die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl wird in Relation zu den versicherten Personen zum Vorjahresende gesetzt.
„Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung. Zudem werden Versicherer ohne Beschwerden gar nicht aufgeführt.







