Die (un)profitabelsten Haftpflichtversicherer

20.12.2018 (€) – 2017 hatten zehn der 50 größten Anbieter in der allgemeinen Haftpflichtversicherung eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent zu verzeichnen. Auf die höchsten Werte kamen die Basler Sach und die VHV Allgemeine, auf die niedrigsten die Mannheimer und die WGV.

Im vergangenen Jahr konnten die Anbieter auf dem deutschen Markt in der allgemeinen Haftpflichtversicherung zum wiederholten Mal kräftige versicherungstechnische Gewinne einfahren.

Dies geht aus dem Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2018 hervor, das der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. im August veröffentlicht hat (VersicherungsJournal 24.8.2018, 27.8.2018)

Kombinierte Schaden-Kosten-Quote

Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (nach Abwicklung im inländischen Direktgeschäft; in Relation zu den verdienten Brutto-Beiträgen) hat sich minimal auf 91,0 Prozent erhöht. Dies stellt immer noch den viertniedrigsten Wert im zurückliegenden Jahrzehnt dar. In diesem Zeitraum lag die Combined Ratio nur im Jahr 2008 unter der 90-Prozent-Marke. Lediglich 2012 und 2013 waren es mehr als 95 Prozent.

Combined Ratio Haftpflicht (Bild: Wichert)

Doch nicht alle der 50 größten Gesellschaften fuhren 2017 Gewinne in diesem Versicherungszweig ein. Dies zeigt der „Branchenmonitor 2015-2017: Haftpflichtversicherung“ von der V.E.R.S. Leipzig GmbH und der Yougov Deutschland GmbH. In der Untersuchung werden zahlreiche Kennzahlen der 50 größten Marktteilnehmer mit rund 91 Prozent Marktanteil dargestellt.

Basler mit der höchsten Combined Ratio

Auf den höchsten Wert von weit über 200 Prozent kam die Basler Sachversicherungs-AG. Das Unternehmen hatte auch in den beiden Vorjahren Quoten von über 100 Prozent erzielt (VersicherungsJournal 19.12.2016, 23.1.2018). Dabei verdoppelten sich die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle auf über 158 Millionen Euro.

Laut Geschäftsbericht erhöhte sich der versicherungstechnische Verlust trotz einer Steigerung der Prämieneinnahmen um fünf Prozent auf knapp 93 Millionen Euro im vergangenen Jahr um über 50 Millionen Euro auf 65,9 Millionen Euro. Dies resultierte „zu einem wesentlichen Teil aus unerwartet hohen Neu- und Spätschadenmeldungen im Krankenhaus-Haftpflicht-Geschäft.

Die interne Schadenerfahrung sowie auch jüngste Durchschnittsschäden des GDV haben gezeigt, dass gerade für Einzelschäden im geburtshilflichen Bereich der Krankenhaus-Haftpflichtversicherung langfristig eine höhere Vorsorge benötigt wird. Dabei wurden insbesondere für Vorjahresschäden und die Teilschadenrückstellung für unbekannte Versicherungsfälle inklusive Schadenregulierungs-Kosten Verstärkungen vorgenommen“, heißt es im Geschäftsbericht.

Auch VHV mit hoher Quoten

Über der 120-Prozent-Marke lag im vergangenen Jahr erneut die VHV Allgemeine Versicherung AG, die 2015 noch versicherungstechnische Gewinne geschrieben hatte. Um jeweils über fünf Prozent stiegen die Beitragseinnahmen (auf 326,7 Millionen Euro) wie auch die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle (auf 299,7 Millionen Euro).

Die Geschäftsjahres-Schadenquote erhöhte sich laut Geschäftsbericht 2017 um 1,5 Prozentpunkte auf 73,9 Prozent. „Um der längeren Abwicklungsdauer in dieser Sparte Rechnung zu tragen und das Reserveniveau an aktualisierte unternehmensspezifische Reservierungsstandards heranzuführen, wurde im Geschäftsjahr eine Verstärkung der Schadenrückstellungen für Vorjahre vorgenommen, die zu entsprechenden Abwicklungsverlusten geführt hat“, heißt es in dem Bericht.

So wurden der Bruttorückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle 140 Millionen Euro zugeführt. Laut Geschäftsbericht reduzierte sich die Combined Ratio „aufgrund einer etwas geringeren Kostenquote daher nur leicht von 123,3 […] auf 122,0 Prozent im Geschäftsjahr. Nach Entnahme aus der Schwankungsrückstellung in Höhe von 22,4 Millionen Euro […] wurde ein versicherungs-technisches Ergebnis für eigene Rechnung von 44,4 Millionen Euro […] ausgewiesen“.

Weitere Anbieter mit hohen Combined Ratios

Vergleichsweise hohe Quoten von jeweils über 110 Prozent hatten ferner die Janitos Versicherung AG sowie die BGV-Versicherung AG zu verzeichnen. Die Schaden-Kosten-Quote der Janitos fiel damit um fast neun Prozentpunkte schlechter als im Vorjahr aus. Dies erklärt sich durch eine Steigerung der Schadenaufwendungen um ein Achtel (auf 8,5 Millionen Euro) bei einem Beitragsrückgang um ein Prozent (auf 13,6 Millionen Euro).

Bei der BGV verminderte sich das Prämienaufkommen um knapp zwei Prozent auf 35,5 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhten sich die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle um fast ein Sechstel auf 33,5 Millionen Euro. Die Gesellschaft führt dies unter anderem auf „geltend gemachte Ansprüche aus einer D&O-Versicherung in Höhe von zehn Millionen Euro“ zurück. In der Folge erhöhte sich die Combined Ratio um über 14 Prozentpunkte.

Höchste Combined Ration (Bild: Wichert)

Die profitabelsten Anbieter

Die Mehrheit der 50 größten Gesellschaften hat eine Combined Ratio von zum Teil deutlich unter 100 Prozent erzielt. Auf den besten Wert kam die Mannheimer Versicherung AG mit deutlich unter 50 Prozent.

Dahinter folgen die WGV-Versicherung AG, die Oldenburgische Landesbrandkasse und die Cosmos Versicherung AG mit kombinierten Schaden-Kosten-Quoten zwischen unter 54 und knapp 57 Prozent.

Die WGV hatte bereits in den beiden Vorjahren zur Top Drei der allgemeinen Haftpflichtversicherer mit den niedrigsten Combined Ratios gehört. Die Mannheimer, die Oldenburgische Landesbrand und die Cosmos gehörten bereits im Vorjahr zur Top Ten.

Niedrigeste Combined Ratio (Bild: Wichert)

Weitere Studiendetails

Der „Branchenmonitor 2015-2017: Haftpflichtversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zu dem Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse. Die knapp 100-seitige Studie kann als PDF-Version für 743,75 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

Wie in den offiziellen Statistiken des GDV, geht auch aus den Kennzahlen des Branchenmonitors nicht hervor, wie sich die Beitragseinnahmen der einzelnen Gesellschaften hinsichtlich Privat- und Gewerbekundengeschäft verteilen.

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