12.7.2023 (€) – Renten- und Pensionsversicherungen dominierten 2022 erneut den Neuzugang der deutschen Lebensversicherer. Allerdings war die Zahl der eingelösten Versicherungsscheine deutlich rückläufig und fiel so niedrig aus wie niemals zuvor. Einzig fondsgebundene Kapitalversicherungen performten positiv. Dies geht aus der vom GDV am Mittwoch veröffentlichten Broschüre „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2023“ hervor.
Die deutschen Lebensversicherer sammelten 2022 mit 97,1 Milliarden Euro 5,9 Prozent weniger an Bruttobeiträgen ein als im Jahr zuvor (VersicherungsJournal 30.6.2022). In der Lebensversicherung im engeren Sinne – also ohne Pensionskassen und Pensionsfonds – ging es sogar um 6,9 Prozent auf 92,8 Milliarden Euro abwärts.
Das geht aus der Broschüre „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2023“ (PDF, 2,7 MB) hervor. Diese hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) am Mittwoch veröffentlicht. In der Publikation werden die vollständigen Geschäftszahlen der Sparte für das Geschäftsjahr 2022 dargelegt.
Deutlich weniger Einmalbeitragsgeschäft
Die Beitragssumme des Neugeschäfts verminderte sich in der Lebensversicherung im engeren Sinne um fast acht Prozent auf 170,6 Milliarden Euro. Davon entfielen auf Einmalbeitragspolicen 28,3 Milliarden Euro, das waren 20,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist.
Die laufenden Beitragszahlungen summierten sich auf 142,3 Milliarden Euro, das entspricht einer Abnahme um fünf Prozent. Insgesamt ergibt sich daraus ein APE von 9,0 Milliarden Euro (minus 9,2 Prozent).
Neuzugang in der Lebensversicherung auf neuem Tiefststand
Der Neuzugang in der Lebensversicherung im engeren Sinne fiel mit 4,41 Millionen Neuverträgen um ein Elftel niedriger aus als im Jahr zuvor. Damit wurde der bisherige Tiefststand von knapp 4,65 Millionen Stück (6.7.2021) noch einmal deutlich unterboten.
Im Jahr 2019 sowie zwischen 2013 und 2016 waren es noch jeweils über fünf Millionen, in den vier Jahren davor noch jeweils über sechs Millionen Stück. Der Höchstwert in diesem Jahrtausend wurde 2004 mit über 11,8 Millionen neuen Policen erreicht.
In den Jahren mit besonders hohem Neuzugang spielten allerdings meist Sondereffekte in die Entwicklung hinein, wie etwa der Wegfall des Steuerprivilegs oder anstehende Absenkungen des Höchstrechnungszinses (6.8.2014).
Diverse Produktgruppen tief im Minus
Die verschiedenen Produktgattungen entwickelten sich höchst unterschiedlich. So verkaufte die Branche 2022 fast ein Drittel weniger Pflegerenten-Versicherungen als im Jahr zuvor. Der eingelöste Neuzugang liegt hier mit nicht einmal 5.300 Scheinen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.
Deutlich bergab (jeweils minus ein Siebtel) ging es auch in den Segmenten Risiko- (auf 363.500) und klassische Kapitalversicherungen (auf knapp 265.000). Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich waren ferner bei den Renten- und Pensionsversicherungen (auf 2,13 Millionen) sowie bei den Invaliditäts-Versicherungen (auf 416.000) zu beobachten.
Nur leicht verminderte sich der Absatz in der Kategorie „Sonstige Lebensversicherungen“ (minus knapp zwei Prozent auf unter 211.000). Hierzu zählt der GDV Kapitalisierungs-Geschäfte, Bausparrisiko- sowie übrige Einzel- und Kollektivversicherungen. Nach oben zeigt die Kurve einzig bei den fondsgebundenen Kapitallebens-Policen (plus ein Prozent auf fast 65.000).
Renten- und Pensionsversicherungen dominieren Neuzugang
Hinter den Renten- und Pensionsversicherungen mit 48 Prozent hatte das Segment Restschuld mit einem Anteil von rund einem Fünftel das zweitstärkste Gewicht am Neuzugang.
Dahinter folgen Invaliditäts-, Kapital- und Risikoversicherungen mit Anteil zwischen einem Elftel und einem Zwölftel. Knapp jede 20. neue Police war der Kategorie „Sonstige“ zuzuordnen. In etwa jeder 850. Neuvertrag war eine Pflegerente.






