18.5.2026 – Matthias Schmidt und Olly Laughton-Scott begleiten Versicherungsmakler dabei, ihren Vertragsbestand zu verkaufen. In der Praxis beobachten sie, dass viele Vermittler vorrangig einen maximalen Verkaufspreis anstreben. Doch die Wertentwicklung ist kaum vorhersehbar. Viel wichtiger als der Blick auf die sich verändernden Marktdaten sei es daher, sich Fragen zu der individuellen Situation zu stellen.
Die meisten Versicherungsmakler treffen ihre Entscheidung über den Verkauf ihres Unternehmens auf der falschen Grundlage, beobachtet Matthias Schmidt.

- Matthias Schmidt (Bild: privat)
Der Geschäftsführer der Next Generation Finance GmbH wirbt unter der Marke Matching.de um den Kontakt zu Maklern und Kaufinteressenten, die ihren Bestand veräußern beziehungsweise durch Zukäufe erweitern möchten.
Seiner Erfahrung nach fragen sich viele Versicherungsmakler insbesondere, ob aktuell ein guter Zeitpunkt ist, um zu verkaufen. „Eine absolut nachvollziehbare Frage“, schreibt Schmidt in einem aktuellen Newsletter seines Unternehmens.
Allerdings zeige sie, dass die meisten Verkaufswilligen von der falschen Annahme ausgehen, „dass sich der perfekte Verkaufszeitpunkt sauber prognostizieren lässt“.
Schmidt betont aber, dass man den Höhepunkt der etwa zehnjährigen Konsolidierungswelle am deutschen Maklermarkt (VersicherungsJournal 9.4.2025) erst im Nachhinein sicher terminieren können wird.
Einstieg von Private-Equity-Investoren bei Versicherungsmaklern
Der langjährige Versicherungsmakler Bernd Helmsauer hatte Ende vorigen Jahres die Spitze seines einst familiengeführten Unternehmens verlassen, nachdem dort ein Private-Equity-Investor das Ruder übernommen hatte. Der Trend, dass finanzstarke Geldgeber im Hintergrund mitmischen, dürfte nach Ansicht von Branchenexperten „noch jahrelang weitergehen“ (9.2.2026).
Einen positiven Marktausblick hat dieser Tage auch die IMAS Corporate Finance LLP unter ihrem Handelsnamen Marshberry veröffentlicht (12.5.2026). Demzufolge dürften die Mergers und Acquisitions (M&A) unter Versicherungsvermittlern hierzulande in diesem Jahr „auf einem stabilen Niveau anhalten“. Ein Treiber seien „sponsorgetriebene Rekapitalisierungen großer Plattformen“.
Als Gegenmodell versteht sich beispielsweise die Aventus Maklergruppe GmbH, die rund 25.000 Mittelständler an bundesweit 28 Standorten betreut. Geschäftsführer Simon Nörtersheuser verfolgt die „Strategie, die stärksten familiengeführten Makler unter einem Dach zu vereinen“ (28.1.2026).
Verkauf eines Maklerbetriebs dauert zwischen sechs und 18 Monaten
Unabhängig von der Eigentümerstruktur der Käufer ist es M&A-Berater Schmidt wichtig, daran zu erinnern, dass der Verkauf eines Maklerbetriebs in den meisten Fällen zwischen sechs und 18 Monaten dauert. „In dieser Zeit kann sich viel verändern: das Zinsniveau, das Käuferverhalten, die Bankenfinanzierung, die Regulatorik oder auch die Konsolidierungsdynamik.“
Weil die Konsolidierer am Maklermarkt ihre Transaktion fast immer mit Fremdkapital finanzieren, richtet sich der zum Verkaufszeitpunkt realisierte Unternehmenswert nicht nur nach dem Vertragsbestand. Es spielt auch eine Rolle, zu welchen Finanzierungen die beteiligten Banken in zwei bis vier Quartalen bereit sind. Diesen Teil können die Makler nicht kontrollieren, mahnt Schmidt.
Deshalb gehe es seiner Ansicht nach nicht vorrangig um die optimale Marktlage. Stattdessen sollten Versicherungsmakler individuell jeweils ihren persönlich richtigen Zeitpunkt für den Verkauf des eigenen Lebenswerks bestimmen.
Richtigen Zeitpunkt zum Verkauf des Maklerunternehmens bestimmen

- Olly Laughton-Scott (Bild: Marshberry)
Ähnlich lautet auch der Ratschlag von Olly Laughton-Scott, Managing Director bei Marshberry, in einem aktuellen Beitrag des Firmen-Blogs.
Der richtige Zeitpunkt zum Verkauf eines Unternehmens werde deutlich stärker durch persönliche Überlegungen bestimmt als durch den Marktzustand.
Konkret sollten sich Makler, die über den eigenen Ruhestand nachdenken, beispielsweise fragen, ob sie den heute relativ sicher abzuschätzenden Kaufpreis dem unsicheren Wert ihres Bestands in der Zukunft vorziehen.
Wichtig sei auch, ob sich der Alltag als Unternehmer zunehmend belastend anfühlt. Diese Fragen zur individuellen Situation seien „viel wichtiger als vorübergehende Marktwerte“, so Laughton-Scott.
Ob es aktuell der richtige Zeitpunkt für den einzelnen Makler ist, sei also nicht als günstige Gelegenheit anzusehen, um per „Market Timing“ den maximalen Preis zu erzielen.




