12.5.2026 – Ein Marktbericht zu Fusionen und Übernahmen unter Versicherungsvermittlern in Europa zeigt auf, wie sich der Trend zu weniger Anbietern mit höheren Marktanteilen hierzulande entwickelt. Demnach entspricht die Zahl der registrierten Deals ungefähr dem Niveau der drei Vorjahre. Denn die größeren Bestandskäufer sind inzwischen wählerischer geworden und Übernahmen sehr kleiner Vermittlerbetriebe werden oft nicht öffentlich kommuniziert.
Die IMAS Corporate Finance LLP hat unter ihrem Handelsnamen Marshberry einen Marktreport veröffentlicht, der die Mergers und Acquisitions (M&A) unter Versicherungsvermittlern in Europa untersucht. Für diese Transaktionen beginnt demnach derzeit „eine anspruchsvollere Phase“.
„Investoren agieren selektiver, Bewertungen differenzieren sich zunehmend, und Wachstum muss wieder aktiv erarbeitet werden“, berichten die M&A-Berater für inhabergeführte Versicherungsvermittler. Ihr neuer Report solle zeigen, „welche strukturellen Kräfte den Markt in 32 europäischen Ländern neu ordnen werden“.
In Deutschland ist das Unternehmen mit der Marshberry International Coöperatief U.A. German Branch vertreten. Diese ist als Genossenschaft nach niederländischem Recht organisiert und hat ihren Firmensitz in Frankfurt.
Große Versicherungswirtschaft, stark fragmentierte Vermittlerschaft

- Marcel van Dijk (Bild: Marshberry)
„Deutschland wird häufig als der vielversprechendste Markt Europas für eine Konsolidierung im Versicherungsvertrieb bezeichnet“, berichtet Studienautor Marcel van Dijk. „Der deutsche Markt vereint eine der größten Versicherungswirtschaften Europas mit einer stark fragmentierten Vermittlerlandschaft.“
Trotzdem entwickle sich die Konsolidierung hierzulande weniger stürmisch als in vielen Nachbarländern. Im vergangenen Jahr habe sich deutlich gezeigt, dass Käufer am deutschen Markt nicht mehr ausschließlich auf Größe setzen. Entscheidende Faktoren seien zunehmend die Qualität, Spezialisierung und Integrationsfähigkeit der angebotenen Bestände.
Die größeren Konsolidierer sind demnach inzwischen wählerischer geworden und konzentrieren sich zunehmend darauf, ihre zusammengestellten Portfolios mit passenden Neukäufen zu ergänzen.
Allein 2025 wurden in Deutschland laut der Studie 73 M&A-Transaktionen registriert, was ungefähr dem Niveau der vorherigen drei Jahre entspreche. „Allerdings dürfte die tatsächliche Zahl höher liegen, da ein wachsender Anteil der Transaktionen sehr kleine Versicherungsvermittler oder Portfolios betrifft und nicht öffentlich kommuniziert wird“, so van Dijk.
Skaleneffekte und Wettbewerb entlang der Wertschöpfungskette
Eine Besonderheit des deutschen Marktes ist außerdem ein umfangreiches Netzwerk von Maklerpools. Sie bieten den angebundenen Versicherungsmaklern durch Bündelung den vereinfachten Zugang zu Versicherern, Tarifen und unterstützenden Dienstleistungen.
„Auch auf dieser Ebene der Distributionsinfrastruktur nimmt die Konsolidierung zu“, erklärt van Dijk. Dies weise darauf hin, dass „Skaleneffekte und Wettbewerb zunehmend entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirken“.
Als konkretes Beispiel führt er an, dass die Phönix Maxpool Gruppe AG 2025 Teil der Blau direkt-Gruppe geworden ist (VersicherungsJournal 18.9.2025). Der zweitgrößte Maklerpool Deutschlands wird von Warburg Pincus LLC finanziert (9.3.2026) – inzwischen gemeinsam mit dem Ex-Konkurrenten Netfonds AG (24.3.2026).
Selektive M&A-Aktivitäten dürften auf stabilem Niveau anhalten
Für dieses Jahr deutet das Basisszenario darauf hin, dass „M&A-Aktivitäten selektiv bleiben, jedoch auf einem stabilen Niveau anhalten dürften“, heißt es von Marshberry. Diesen Ausblick beziehen die Strategieberater auf die gesamte DACH-Region, zu der neben Deutschland auch Österreich und die Schweiz zählen.
„Treiber sind unter anderem sponsorgetriebene Rekapitalisierungen großer Plattformen, eine wachsende Nachfolge- und Pensionierungswelle unter Eigentümern sowie eine Konsolidierungsdynamik, die zunehmend auch kleinere Marktsegmente erfasst.“
Zehn kritische Fragen für verkaufswillige Versicherungsmakler
Interessierte können den 92-seitigen M&A-Marktreport „Versicherungsvermittlung in Europa“ unter Angabe ihrer Kontaktdaten kostenlos im Internet herunterladen. Er richtet sich demnach an „Unternehmer, Führungskräfte und Gesellschafter, die ihre Marktposition gezielt schärfen und nachhaltig weiterentwickeln wollen“.
Für verkaufswillige Versicherungsmakler, auch im Rahmen der Maklernachfolge, enthält der Bericht auch zehn kritische Fragen zum Thema Wertmaximierung. „Verkäufer, die sich rechtzeitig vorbereiten, behalten die Kontrolle über den Prozess und sichern sich den maximalen Erlös“, heißt es hierzu von den Studienautoren.
„Beim Verkauf eines Maklerunternehmens entscheidet nicht allein der Gewinnmultiplikator über den Unternehmenswert. Käufer bewerten, wie nachhaltig Erträge sind, wie skalierbar und wiederholbar Wachstum ist und welche Risiken nach dem Abschluss auftreten können.“




