Die Unfallversicherer mit den höchsten Beschwerdequoten

16.6.2026 – In der Sparte Unfall hat die Bafin 2025 mit 111 Beschwerden ein Sechstel weniger abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es nur 0,13 Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken. Auf die höchste Beschwerdequote kam die Helvetia mit 2,1. Nur wenige Branchengrößen schnitten schlechter als der Markt ab.

Im vergangenen Jahr hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) 111 Beschwerden über die deutschen Unfallversicherer abschließend bearbeitet. Das ist der aktuellen unternehmensindividuellen Beschwerdestatistik der Behörde zu entnehmen, die im Mai veröffentlicht wurde.

Die Beschwerdezahl hat im Vergleich zum Jahr zuvor um drei Stück zugenommen (VersicherungsJournal 24.6.2025). Das aktuelle Reklamationsvolumen entspricht dem zweitniedrigsten nach dem Tiefststand im Jahr zuvor. Der Höchststand auf 18-Jahressicht wurde 2008 erreicht. Seinerzeit hatte die Aufsicht mehr als siebenmal so viele Eingaben abschließend bearbeitet wie aktuell (23.4.2009).

2008-2025 (Bild: Wichert)

Entwicklung in den anderen Versicherungssparten

Mit Ausnahme der Lebensversicherung (19.5.2026) waren im vergangenen Jahr in allen übrigen Sparten Zunahmen zu beobachten. Während es in Hausrat nur um drei Prozent nach oben ging (2.6.2026), betrug das Plus in der Wohngebäudeversicherung immerhin noch ein Dreizehntel (15.5.2026).

Um jeweils etwa die Hälfte nach oben zeigte die Kurve in der Haftpflicht- (10.6.2026) und in der Rechtsschutzversicherung um (27.5.2026), sogar um fast zwei Drittel aufwärts in der Kfz-Versicherung (12.5.2026).

Verschwindend geringe Beschwerdequote in der Unfallversicherung

Die Beschwerdequote in der Unfallversicherung liegt mit nicht einmal 0,15 Beanstandungen pro 100.000 Verträge weiterhin auf verschwindend niedrigem Niveau. Sie ergibt sich aus den Reklamationen in Relation zum Bestand an versicherten Risiken von knapp 83,5 Millionen zum Jahresende 2024.

Selbst wenn man noch die 623 Beschwerden beim Versicherungsombudsmann e.V. (29.4.2026) hinzurechnet, ändert sich daran nichts. Denn selbst dann blieben immer noch mehr als 99.999 von 100.000 Verträgen beschwerdefrei.

Helvetia mit der höchsten Quote

Die höchste Quote verzeichnete mit über zwei Beschwerden pro 100.000 versicherte Risiken die Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG, Direktion für Deutschland (zwei zu 95.600).

Eine Eins vor dem Komma steht ansonsten nur noch bei der früher als Targo Versicherung AG firmierenden (5.1.2026) NEH Neue Hildener Versicherung AG (zwei Beanstandungen bei 113.700 versicherten Risiken) und den Anbietern Stuttgarter Versicherung AG (sieben zu 532.800), die Haftpflichtkasse VVaG (drei zu 157.650) und Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG (zwei zu 193.750).

Vergleichsweise hohe Beschwerdequoten von jeweils um die 0,9 errechnen sich auch für die WWK Allgemeine Versicherung AG (drei zu 322.400), die Baloise Sachversicherung AG Deutschland (vier zu 440.200), die Nürnberger Allgemeine Versicherungs-AG (drei zu 337.350) und die Hansemerkur Allgemeine Versicherung AG (eins zu 113.000).

Beschwerden hoch (Bild: Wichert)

So schlugen sich die Marktgrößen

Die elf größten Anbieter mit mehr als einer Million versicherten Risiken im Bestand agierten mehrheitlich besser als der Markt. Auf die niedrigste Quote von unter 0,01 kam die Arag Allgemeine Versicherungs-AG (zwei Beanstandungen zu 20,8 Millionen Risiken).

Bei jeweils rund 0,3 Reklamationen pro 100.000 Risiken lagen die Landschaftliche Brandkasse Hannover (VGH; eins zu fast vier Millionen) und die ADAC Versicherung AG (drei zu 9,4 Millionen).

Quoten von je unter 0,1 wiesen die Debeka Allgemeine Versicherung AG (eins zu gut zwei Millionen), die R+V Allgemeine Versicherung AG (eins zu 1,3 Millionen) und die Generali Deutschland Versicherung AG (drei zu 3,8 Millionen) auf. Hauchdünn besser als der Markt agierte die Zurich Insurance Europe AG (drei zu knapp 2,5 Millionen).

Schlechter als der Marktdurchschnitt waren mit Beschwerdequoten zwischen 0,3 und knapp 0,7 die Allianz Versicherungs-AG (13 zu 4,2 Millionen), die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G. in Coburg (vier zu 1,3 Millionen), die Ergo Versicherung AG (sieben zu 1,4 Millionen) und die Signal Iduna Allgemeine Versicherung AG (sieben zu 1,06 Millionen).

Marktgrößen (Bild: Wichert)

Nachteil für wachstumsstarke Versicherer

Seit etwa einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.

Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.

Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.

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