11.5.2015 (€) – Die Prisma Life AG hat die Bilanzansätze kräftig nach unten korrigiert. Der Eigentümer schoss Kapital hinzu. Jetzt steht das Portfolio der Vertriebspartner auf dem Prüfstand, so Vorstandschef Holger Beitz gegenüber dem VersicherungsJournal zum aktuellen Stand des Liechtensteiner Lebensversicherers und den Plänen für die Zukunft.
„Wir haben jetzt quasi jeden Stein im Unternehmen umgedreht und sind dabei auf viele Dinge gestoßen, die man so eigentlich nicht macht. Daraus ergab sich ein relativ großer Korrekturbedarf“, sagte Vorstandschef Holger Beitz im Gespräch mit dem VersicherungsJournal.

- Holger Beitz (Bild: Lier)
Er bildet zusammen mit Arzu Tschütscher-Alanyurt und Rüdiger Will seit Oktober den neuen Vorstand der Prisma Life AG, nachdem Holger Roth und Markus Brugger zur Liechtenstein Life Assurance AG gewechselt sind (VersicherungsJournal 24.10.2014, 4.2.2015).
Kostenausgleichs-Vereinbarungen korrigiert
In der Summe belasten die Aufräumarbeiten mit einem Sondereffekt von 44 Millionen Euro. Der größte Posten der Wertberichtigungen betraf Forderungen gegenüber Kunden, insbesondere im Zusammenhang mit den vom Bundesgerichtshof (BGH) beanstandeten Kostenausgleichs-Vereinbarungen, mit 16,8 Millionen Euro (VersicherungsJournal 14.3.2014).
Auf uneinbringliche Forderungen gegenüber Vermittlern wurden 7,2 Millionen Euro abgeschrieben. Darüber hinaus mussten die Bewertungsansätze bei den Kapitalanlagen korrigiert werden, zusätzliche Rückstellungen für bisher nicht oder nicht ausreichend erfasste Risiken gebildet und Darlehen gegenüber Vertriebspartnern abgeschrieben werden.
Aber auch beim Prämienaufkommen gab es Korrekturbedarf. So waren Einmalbeiträge als laufendes Geschäft verbucht wurden und nicht werthaltige Versicherungsverträge ausgewiesen worden. Nach der Rückabwicklung beziehungsweise Ausbuchung dieser Verträge macht das Beitragsaufkommen für 2014 nur noch 108 Millionen aus – unkorrigiert betrug es im Vorjahr 174 Millionen Euro.
Viel Neugeschäft
Das Neugeschäftsvolumen stieg 2014 um fast 23 Prozent auf 73,16 Millionen Euro Neugeschäftsprämie. Das Plus bezieht sich auf den entsprechend korrigierten Vorjahreswert. Im Vergleich zu korrigierten Vorjahreskennzahlen erhöhte sich das Neugeschäft gegen laufende Beiträge um 17 Prozent auf 26,6 Millionen.
Nach den hohen Wertberichtigungen und Bewertungskorrekturen weist die Prisma Life für 2014 knapp 46 Millionen Euro Jahresfehlbetrag aus. „Die Kundengelder waren zu keinem Zeitpunkt gefährdet und unsere Kunden werden von diesen notwendigen Korrekturen keine Auswirkungen spüren“, sagte Beitz.
Die Aufräumarbeiten schlugen sich im Ergebnis und damit im Eigenkapital nieder. Mit einer Zeichnungsgarantie für eine Kapitalerhöhung von 7,55 Millionen Euro des Eigentümers Onesty Group AG, hinter dem der ostdeutsche Vertriebsunternehmer Sören Patzig steht, kommt der Liechtensteiner Lebensversicherer auf 13,2 Millionen Euro Eigenkapital und damit eine Solvabilitätsquote von 214,8 Prozent.
Das Aufräumen geht weiter
Der Geschäftsbericht 2014 stellt eigenen Angaben zufolge „eine deutliche Zäsur dar – in der Geschäftspolitik und in den Bewertungsfragen“. Dazu waren auch neue Wirtschaftsprüfer bestellt worden.
„Beim Großreinemachen, das wir nicht übervorsichtig, sondern realistisch wie ehrliche Kaufleute vorgenommen haben, haben wir selbstverständlich die enge Abstimmung mit der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein gesucht“, so Beitz. Auch notwendige juristische Aufarbeitung sei eingeleitet worden, so Beitz, ohne auf Details einzugehen.
Im Vertrieb habe man sich bereits von einigen Partnern getrennt. Im aktuellen Jahr will Beitz das „Vertriebspartnerportfolio weiter durchleuchten“. Knapp 60 Prozent des Neugeschäfts bringen bislang die Konzerngesellschaften um den Eigentümer. Mehrfach betont Beitz, dass für den Korrekturbedarf nicht der Vertrieb verantwortlich sei.
Indexfonds und Nettopolice
In Kürze will die Prisma Life ihr Produktportfolie um eine fondsgebundene Rentenversicherung mit Indexfonds (ETF) erweitern.
Angetreten ist Holger Beitz, um die Prisma Life „deutschlandreif“ zu machen. „Der Ansatz der Nettotarife ist eine interessante Ergänzung im Mix der Vertriebsvergütungen. Und wenn er gut gemacht ist, kann es sowohl für Kunden, wie für Vermittler und auch Versicherer von Vorteil sein.“




