Wie die Schaden-/Unfallversicherer ihr Kapital anlegen

30.3.2015 (€) – Die 206 deutschen Schaden- und Unfallversicherer haben zusammen 155 Milliarden Euro angelegt. Davon wird mehr als ein Drittel in Spezialfonds verwaltet, darunter 5,9 Prozent Aktien. Diese Anlageart gewinnt in den letzten Jahren an Bedeutung, verändert aber nicht die grundsätzliche Struktur der Kapitalanlagen. Prognostiziert werden für diese Sparte sinkende Kapitalerträge und steigende Investmentrisiken.

Kapitalanlagen im Wert von 155 Milliarden Euro verwalten die 206 Schaden- und Unfallversicherer, deren Zahlen in der Kapitalanlagestatistik der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) per Ende 2014 erfasst sind. Damit entfallen auf diese Gruppe 11,5 Prozent der gesamten Kapitalanlagen der deutschen Erstversicherer in Höhe von 1,35 Billionen Euro.

Höhere Aktienquote als Personenversicherer

Quelle: Bafin
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Die Branche ist sich über Sparten hinweg einig: Die wichtigste Anlageart sind Spezialfonds. Wie bei den Lebensversicherern (VersicherungsJournal 20.03.2015) und den Krankenversicherern (VersicherungsJournal 26.3.2015) ist deren Bedeutung auch bei den Schaden- und Unfallversicherern im Laufe des Jahres 2014 erneut gestiegen. Der Anteil erhöhte sich von 33,4 auf 34,8 Prozent.

Vom gesamten Spezialfondsvermögen in Höhe von 54 Milliarden Euro waren 41 Milliarden Euro in Rentenpapiere und Schuldtitel investiert. Via Fonds flossen über neun Milliarden Euro in Aktien, was einer von 5,2 auf 5,9 Prozent gestiegenen Quote an den gesamten Kapitalanlagen entspricht. Bei den Lebensversicherern betrug der Aktienanteil via Fonds 3,3 Prozent und bei den Krankenversicherern 2,5 Prozent.

Zweitbeliebteste Anlageform waren börsennotierte Schuldverschreibungen mit 26 Milliarden Euro oder 16,6 Prozent. Reduziert wurden die Anlagen bei Kreditinstituten. Ihr Anteil sank im Jahr 2014 von 13,0 auf 12,1 Prozent. Auch Pfandbriefe, Kommunalobligationen und andere Schuldverschreibungen von Kreditinstituten wurden verringert von 12,7 auf 11,5 Prozent.

Sinkende Schadenaufwendungen beeinflussen Anlagestruktur nicht

Nach dem ungewöhnlich schadenträchtigen Jahr 2013 gingen die Zahlungen der Schaden- und Unfallversicherer in 2014 wieder ungefähr auf das Niveau von 2012 zurück, nach vorläufigen Zahlen des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) um 7,6 Prozent auf 45,9 Milliarden Euro.

Zugleich sank die kombinierte Schaden-/Kostenquote spürbar: Sie lag 2014 bei 95 Prozent nach 103,5 Prozent im Jahr zuvor. Das ist der niedrigste Stand seit 2008. An der Strukturierung der Kapitalanlagen ändern solche Entwicklungen grundsätzlich wenig. In den letzten fünf Jahren gab es keine drastischen Verschiebungen.

Beliebtheit von Spezialfonds wächst

Dass alle Versicherer ihre Gelder zunehmend über Spezialfonds anlegen, liegt möglicherweise nicht nur am individuellen Risikomanagement, sondern auch am bedarfsgerechten Berichtswesen der Fondsverwalter.

Spezialfonds verzeichneten 2014 mit 91 Milliarden die höchsten Zuflüsse in ihrer Geschichte. Versicherungs-Gesellschaften steuerten 42 Milliarden Euro neue Gelder bei (VersicherungsJournal 11.2.2015). Offene Immobilien-Spezialfonds sammelten 2014 netto 6,4 Milliarden Euro ein.

Im Rahmen von Fonds stieg der Aktienanteil auf 5,9 Prozent, bei der Aktiendirektanlage blieb er unverändert bei 0,5 Prozent. Bei Immobilien dagegen ist der direkt verwaltete Anteil mit 3,1 Prozent nach wie vor deutlich höher als der über Fonds mit 0,9 Prozent.

Steigende Kapitalanlagerisiken

Wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes erwartet die Agentur Fitch für die Schaden- und Unfallsparte, dass die Nettoverzinsung im laufenden Jahr von 3,8 auf 3,4 Prozent zurückgehen wird. Ende 2014 wies sie bereits darauf hin, dass das Investmentrisiko leicht angestiegen ist.

Bei den gegenwärtigen Rahmenbedingungen wird allerdings angenommen, dass höhere Risiken nicht zu einer Umkehr des rückläufigen Kapitalertrags führen. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sich das Anlagedilemma am Rentenmarkt weiter verschärfen wird und Immobilien interessant blieben.

Renditepotenzial bestehe bei ausgewählten Peripherieanleihen, ansonsten seien aber nur noch hochverzinsliche Papiere (High Yield) und Titel aus den Schwellenländern wirklich attraktiv, meint unter anderem die Fondsgesellschaft Union Investment. Für institutionelle Investoren wären zudem Rentengattungen wie etwa forderungsbesicherte Wertpapiere und Nachrangtitel, wie Coco-Bonds, eine Möglichkeit.

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