16.7.2026 – Zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal und anderen Teilen Deutschlands wird vielen Menschen hierzulande wieder die Gefahr bewusst, die durch Hochwasser droht. In einer repräsentativen Umfrage für das Vergleichsportal Verivox spricht sich weiterhin die Mehrheit der Hausbesitzer für eine Versicherungspflicht gegen solche Risiken aus. Der entsprechende Schutz ist bislang ein freiwilliges Extra zur Wohngebäudepolice.
Die Verivox Versicherungsvergleich GmbH hat wieder eine repräsentative Umfrage beauftragt, bei der es um die Haltung der Hauseigentümer hierzulande zu einer Pflicht, sich gegen Elementarschäden zu versichern, geht. Bislang ist dieser Schutz ein freiwilliger Zusatz zur Wohngebäudeversicherung.
Zustimmungsquote über die Jahre stabil
Bereits seit 2022 fragen die Meinungsforscher der Innofact AG jährlich nach, wie die Verbraucher zu einer solchen Versicherungspflicht stehen (VersicherungsJournal Medienspiegel 31.3.2022). Im ersten Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal (VersicherungsJournal 23.8.2021) waren 79 Prozent dafür.
Die Zustimmungsquote blieb über die Jahre stabil und im Vorjahr befürworteten 78 Prozent der Hauseigentümer den obligatorischen Versicherungsschutz (30.5.2025). Bei der diesjährigen Auflage sprachen sich Anfang Juli sogar 81 Prozent der rund 1.000 Teilnehmer für die Pflichtversicherung aus.
Pflichtversicherung gegen Elementarschäden bereits lange diskutiert
Über die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden wird in der Politik bereits lange diskutiert (Medienspiegel 21.1.2004). Im vergangenen Jahr nahm die aktuelle Bundesregierung diese Maßnahme in ihren Koalitionsvertrag auf (4.8.2025).
Ob die Versicherungspflicht noch in dieser Legislaturperiode kommt, bleibt wegen der großen sozialpolitischen Reformen bei Rente (24.6.2026) und Gesundheit (13.7.2026) aber fraglich. Bislang unterstützen Bund und Länder Betroffene von Großschadenereignissen oft mit Steuergeldern.
Dass die Bundesregierung die private Pflichtversicherung priorisieren sollte, auch wenn es aktuell wichtigere Herausforderungen gibt, befürworten 23,8 Prozent der deutschen Hausbesitzer „voll und ganz“. Weitere 34,1 Prozent stimmen dieser Aussage zumindest eher zu.
Höhere Kosten für Elementarschutz in Gebieten mit hohen Risiken

- Aljoscha Ziller (Bild: Verivox)
Die Versicherer berechnen die Beiträge einer Elementarschadenversicherung auf Basis der Naturgefahren am Wohnort des Kunden. „Wenn die Pflichtversicherung eingeführt werden soll, muss die Politik ein Konzept vorlegen, wie sich alle Hausbesitzer zu zumutbaren Kosten versichern können“, sagt Verivox-Geschäftsführer Aljoscha Ziller.
In manchen Hochrisikogebieten verweigern viele Gesellschaften derzeit die Vertragsannahme. „Eine Elementarschaden-Pflichtversicherung würde auch die Versicherer verpflichten, jedem Hauseigentümer ein Angebot zu unterbreiten.“
Wie viel Hausbesitzer für angemessenen Versicherungsschutz zu zahlen bereit wären, ist sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt würden die Hausbesitzer Kosten von 225,25 Euro im Jahr tolerieren.
Wie viel Hausbesitzer für den Versicherungsschutz zahlen würden
Mehr als 250 Euro pro Jahr für eine Elementarschaden-Pflichtversicherung auszugeben, wären nur 21,2 Prozent der Befragten bereit. Doch nur 14,6 Prozent nennen eine Jahresprämie von maximal 100 Euro. 11,7 Prozent der Teilnehmer sagen, dass sie keine weiteren Kosten für ihr Wohneigentum tragen können. Weitere 23,1 Prozent könnten dies nach eigenen Angaben zwar, wollen es aber nicht.
Als Lösung für eine höhere Versicherungsdichte schlägt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ein sogenanntes Opt-out-Modell vor (30.1.2026). Demzufolge soll der Elementarschutz grundsätzlich Bestandteil der Wohngebäudeversicherung werden.
Dem vorausgewählten Einschluss kann der Versicherte widersprechen. Dieses Modell unterstützen 37,5 Prozent der Befragten „voll und ganz“. Weitere 36,8 Prozent sind zumindest eher dafür.
Sorge vor Großschadenereignissen als Beratungsansatz im Vertrieb
Die Versicherer fordern außerdem mehr Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Dem stimmen 49,3 Prozent der Hauseigentümer „voll und ganz“ zu sowie 35 Prozent eher. Bei dem ebenfalls vom GDV geforderten Verbot von Neubauten in besonders hochwassergefährdeten Gebieten wie beispielsweise an Flussufern liegen ihre Zustimmungsquoten bei 36,9 beziehungsweise 30,1 Prozent.
Laut der Umfrage ist die Sorge vor Großschadenereignissen vor der eigenen Haustür rückläufig. 58 Prozent der Hausbesitzer befürchten, dass Naturkatastrophen wie im Ahrtal zukünftig auch in ihrer Region häufiger auftreten könnten. Vor fünf Jahren sagten das noch 69 Prozent.
„Der Klimawandel ist in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund gerückt“, kommentiert Ziller mögliche Beratungsansätze im Vertrieb. Doch: „Die jüngsten Hitzewellen könnten den Verbrauchern in Deutschland erneut die Unberechenbarkeit des Klimas eindrücklich vor Augen geführt haben.“





