8.6.2026 – In einer aktuellen Yougov-Umfrage zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen bei Reformansätzen in der gesetzlichen Rentenversicherung. Während 18- bis 35-Jährige vor allem Mindestrente und Aktivrente befürworten, sprechen sich Ruheständler besonders für einen höheren Grundfreibetrag und eine Erwerbstätigenversicherung aus.
Die HDI Deutschland AG hat die Ergebnisse ihrer dritten Rentnerstudie veröffentlicht. Die Untersuchung stellt die finanzielle Situation, Altersvorsorge und Erwartungen junger Erwachsener den Erfahrungen von Menschen gegenüber, die bereits im Ruhestand sind.
Für die Studie befragte die Yougov Deutschland GmbH 1.079 Rentnerinnen und Rentner im Alter von 63 bis 70 Jahren sowie 1.021 Personen zwischen 18 und 35 Jahren in Deutschland. Die Erhebung fand zwischen dem 27. März und dem 8. April 2026 statt.
Einstellungen zu möglichen Reformen der gesetzlichen Rente abgefragt
Die Studie untersucht auch, wie die beiden Generationen mögliche Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung bewerten und welche Reformansätze sie unterstützen würden. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Befragte einen Reformbedarf sehen.
In der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen haben 51 Prozent nach eigenen Angaben nur „geringes“ oder „gar kein Vertrauen“ in den Generationenvertrag, wonach die Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen die Renten der älteren Generation finanzieren. Unter den Ruheständlern liegt dieser Anteil mit 47 Prozent nur wenig niedriger (VersicherungsJournal 5.6.2025).
Als häufigsten Grund für die schwindende Tragfähigkeit des Systems nennen die Befragten das Missverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern. Zudem stimmen 42 Prozent der Jüngeren und 67 Prozent der Älteren der Aussage zu, dass die Politik notwendige Reformen über zu lange Zeit aufgeschoben habe.
Einführung einer Mindestrente findet am meisten Unterstützung
Konkret sollten die Befragten sieben Reformideen bewerten. Dabei hatten sie fünf Antwortmöglichkeiten: „sehr gut“, „eher gut“, „eher schlecht“, „sehr schlecht“ und „weiß nicht“. Die Studie lässt offen, ob die Teilnehmer mit den Konzepten zuvor vertraut gemacht wurden.
In der jüngeren Generation findet dabei die Einführung einer Mindestrente die meiste Zustimmung: 76 Prozent der 18- bis 35-Jährigen bewerten diese Reformidee als „sehr gut“ oder „eher gut“. Unter den Ruheständlern erreicht der Vorschlag mit einer Zustimmung von 81 Prozent den dritten Platz.
Eine Mindestrente gibt es in Deutschland bisher nicht: Demnach würde jeder gesetzlich versicherte Rentner mindestens einen festgelegten Betrag erhalten. Entsprechende Pläne verfolgt die Bundesregierung derzeit nicht. Eine ähnliche Sicherungsfunktion erfüllen die Grundsicherung im Alter sowie die Grundrente, die jedoch an bestimmte Voraussetzungen geknüpft sind (1.12.2025).
Politisch vertreten wird eine solche Idee vor allem durch die Bundestagsfraktion Die Linke, die eine Bruttorente von mindestens 1.400 Euro im Monat fordert. Auch in der SPD wurden vergleichbare Konzepte diskutiert.
Aktivrente wird von zwei Dritteln der jungen Befragten unterstützt
Den zweiten Platz belegt bei den Jüngeren die Aktivrente. Der Vorschlag stößt in beiden Generationen auf identische Zustimmung: Jeweils 74 Prozent bewerten ihn positiv. Die Aktivrente ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Sie erlaubt es Arbeitnehmern, die die Regelaltersgrenze überschritten haben, steuerfrei bis zu 2.000 Euro im Monat zu verdienen (15.10.2025).
Auch ein höherer steuerlicher Grundfreibetrag findet breite Unterstützung. Die jüngere Generation unterstützt den Vorschlag zu 73 Prozent, bei den Altersruheständlern ist er sogar mit 88 Prozent auf Rang eins. Ein höherer Grundfreibetrag würde vor allem Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen entlasten – darunter auch viele Rentner, deren gesetzliche Rente teilweise steuerpflichtig ist.
Auf Rang vier liegt die sogenannte Erwerbstätigenversicherung. Dahinter verbirgt sich die Idee, auch Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. In der jüngeren Generation befürworten 70 Prozent diesen Vorschlag, unter den Ruheständlern sind es 87 Prozent.
Kopplung der Rentenerhöhung an Inflation wird ebenfalls breit unterstützt
Den Kapitalaufbau für Kinder und Jugendliche – also staatlich geförderte Spar- oder Anlagemodelle, bei denen frühzeitig Vermögen für den späteren Lebensverlauf aufgebaut wird – unterstützen in der jüngeren Generation 69 Prozent und in der älteren 67 Prozent.
Auf Rang sechs landet die Idee, Rentenerhöhungen zukünftig nicht mehr an die Lohnentwicklung zu koppeln, sondern an die Inflation. Dies wird bei Jüngeren von 63 Prozent unterstützt und in der Rentnergeneration von 58 Prozent – damit sind die Älteren skeptischer.
Modellrechnungen verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute, darunter das Ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. zeigen, dass eine solche Kopplung die Rentendynamik langfristig dämpfen würde. Die Renten würden dann zwar weiterhin mit der Inflation steigen, im Vergleich zur Lohnentwicklung jedoch langsamer wachsen.
In wirtschaftspolitischen Debatten wird eine stärkere Orientierung an der Preisentwicklung unter anderem von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) als mögliches Stabilisierungselement diskutiert.
Die Jungen wollen zeitig in Rente
Auch die Frühstart-Rente findet insgesamt mehrheitliche Zustimmung in beiden Altersgruppen. Ursprünglich plante die Bundesregierung, dass alle Kinder zwischen sechs und 18 Jahren, die eine Schule oder andere Bildungseinrichtung in Deutschland besuchen, monatlich zehn Euro vom Staat für ein Altersvorsorgeprodukt erhalten. Aufgrund der hohen Kosten sollen vorerst nur einzelne Jahrgänge profitieren (19.12.2025).
Viele der in der Studie abgefragten Reformideen würden – je nach konkreter Ausgestaltung – tendenziell eher zu zusätzlichen Belastungen für die gesetzliche Rentenversicherung oder für den Staatshaushalt führen. Eher unpopuläre Maßnahmen wie die diskutierte Anhebung der Regelaltersgrenze (21.5.2026) werden in der Liste nicht berücksichtigt.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage deutet jedoch auf einen deutlichen Kontrast zwischen Erwartung und Wunsch hin: Die 18- bis 35-Jährigen rechnen im Durchschnitt damit, mit 69 Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Würden sie frei entscheiden können, läge ihr gewünschtes Renteneintrittsalter hingegen bei durchschnittlich 60 Jahren.
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