2.6.2026 – In der Hausratversicherung hat die Bafin 2025 mit 169 Beschwerden fünf Stück mehr abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es nur etwa 0,6 Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken. Auf die höchsten Beschwerdequoten kamen die Nürnberger und die Arag Allgemeine mit einer Zwei vor dem Komma. Die Branchengrößen schnitten mehrheitlich besser als der Markt ab.
Im vergangenen Jahr hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) 169 Beschwerden über die deutschen Hausratversicherer abschließend bearbeitet. Das ist der aktuellen unternehmensindividuellen Beschwerdestatistik der Behörde zu entnehmen, die im Mai veröffentlicht wurde.
Die Beschwerdezahl hat im Vergleich zum Jahr zuvor (VersicherungsJournal 27.5.2025) um drei Prozent beziehungsweise fünf Reklamationen zugenommen. In den vergangenen sieben Jahren lag die Zahl nur einmal höher. Der Tiefstwert wurde vor sechs Jahren erreicht (8.6.2020). Zum Vergleich: 2011 waren es noch fast doppelt so viele Reklamationen. 2008 war das Volumen mehr als dreimal so hoch.
Entwicklung in den anderen Versicherungssparten
In fast allen Sparten mit Ausnahme der Lebensversicherung (19.5.2026) waren meist deutlich stärkere Zunahmen zu beobachten.
So zeigte die Kurve in der Kfz-Versicherung um fast zwei Drittel nach oben (12.5.2026). In der Rechtsschutzversicherung betrug das Plus mehr als die Hälfte, in der Wohngebäudeversicherung immerhin noch ein Dreizehntel (15.5.2026).
Verschwindend wenige Reklamationen über Hausratversicherer
Die Beschwerdequote liegt allerdings mit erneut weiterhin rund 0,6 Beanstandungen pro 100.000 Verträge weiterhin auf verschwindend niedrigem Niveau. Sie ergibt sich aus den Reklamationen in Relation zum Bestand an versicherten Risiken von etwa 29,1 Millionen zum Jahresende 2024.
Selbst wenn man noch die rund 1.100 Reklamationen (plus fast ein Fünftel) in der Sparte beim Versicherungsombudsmann e.V. (29.4.2026) hinzurechnet, ändert dies nichts. Denn selbst dann blieben immer noch mehr als 99.995 von 100.000 Kontrakten beschwerdefrei.
Die Hausratversicherer mit den höchsten Quoten
Insgesamt werden in der Beschwerdestatistik 46 (Vorjahr: 44) Hausratversicherer aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Bestand von mehr als 93.000 errechnen sich für insgesamt fünf Anbieter Werte von mehr als 1,5 Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken.
Die höchste Quote steht mit über zwei für die mit einem Bestand von rund 142.700 Risiken kleine Nürnberger Allgemeine Versicherungs-AG zu Buche. Für den Akteur werden in der Statistik drei Beanstandungen aufgeführt. Eine Quote mit einer Zwei vor dem Komma hatte ansonsten nur noch die Arag Allgemeine Versicherungs-AG zu verzeichnen (vier Eingaben bei einem Bestand von 199.250).
Beschwerdequoten zwischen 1,8 und 1,5 errechnen sich für die Signal Iduna Allgemeine Versicherung AG (sechs zu 326.550), die Adler Versicherung AG (zwei zu 115.300) und die VPV Allgemeine Versicherungs-AG (zwei zu 133.200). Auf Quoten zwischen knapp 1,4 und gut 1,2 kommen die Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG (drei zu 219,100), die Huk24 AG (sieben zu 522.550) und die Baloise Sachversicherung AG Deutschland (vier zu 329.300).
So schlugen sich die Marktgrößen
Vier der neun größten Anbieter mit mehr als 900.000 versicherten Risiken im Bestand schnitten schlechter als der Markt ab. Bei der Axa Versicherung AG lag die Quote knapp über der Marke von eins (13 Eingaben bei 1,18 Millionen Risiken), bei der Huk-Coburg-Allgemeinen Versicherung AG hauchdünn darunter (zwölf zu 1,23 Millionen).
Quoten von jeweils rund 0,7 errechnen sich für DEVK Allgemeine Versicherungs-AG (sieben zu 989.100) und die Ergo Versicherung AG (sechs zu 921.300). Etwas besser als der Markt agierten die Generali Deutschland Versicherung AG (neun zu 1,65 Millionen Risiken) und die Allianz Versicherungs-AG (15 zu 2,93 Millionen).
Beschwerdequoten zwischen 0,2 und 0,4 standen für die Provinzial Versicherung AG (drei zu 981.700), den LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster a.G. (drei zu 1,01 Millionen) und die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G. in Coburg (sechs zu 1,52 Millionen) zu Buche.
Nachteil für wachstumsstarke Versicherer
Seit etwa einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.
Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.
Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.







