Studie erwartet 4,5 Millionen Altersvorsorgedepots 2027

4.6.2026 – Im Startjahr des Riester-Nachfolgeprodukts ist laut einer Marktuntersuchung rund jeder dritte Verbraucher, der das neue Angebot kennt, zum Vertragsabschluss bereit. Wenn die Anbieter das sogenannte Intentions-Umsetzungs-Gap reduzieren könnten, seien in der Spitze sogar zehn Millionen Abschlüsse möglich. Die Vermittler sollten sich demnach auf Fragen nach Empfehlungen seitens der Verbraucher einstellen.

Das Forschungs- und Beratungsinstitut Sirius Campus GmbH und das Beratungshaus Aeiforia GmbH haben eine aktuelle Marktuntersuchung unter dem Titel „Altersvorsorge im Aufbruch“ (PDF; 1,4 MB) veröffentlicht. Hierfür wurden im April rund 1.000 Förderberechtigte repräsentativ befragt.

Demnach kennen bereits 58 Prozent der rund 44 Millionen potenziellen Nutzer hierzulande das neue Altersvorsorgedepot (VersicherungsJournal 31.3.2026). Es soll Vorsorgesparern hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglichen – ohne die bei der Riester-Rente vorgeschriebene Beitragsgarantie.

Erste Informationen hierzu haben die Verbraucher zumeist aus Nachrichten rund um die Gesetzgebung (27.3.2026) gewonnen. Aufgefallen sind ihnen vor allem Angaben zur Höhe der Förderzulagen und die Chance auf höhere Renditen durch die Geldanlage am Aktienmarkt.

Jährliches Sparvolumen von sieben Milliarden Euro

Von denjenigen Teilnehmern der Online-Umfrage, denen das Altersvorsorgedepot ein Begriff ist, können sich 34 Prozent vorstellen, die neue Form der geförderten privaten Altersvorsorge „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“ abzuschließen.

Allerdings wenden die Studienautoren ein, dass aufgrund eines sogenannten Intentions-Umsetzungs-Gaps nur rund ein Drittel der Vorsätze auch in tatsächliches Verhalten mündet. Wenn man dies berücksichtigt, seien demnach im kommenden Jahr aber immerhin 4,5 Millionen Abschlüsse möglich.

Die Studienautoren gehen von einem durchschnittlichen Sparbeitrag in Höhe von rund 1.100 Euro aus. Zuzüglich der Förderzulagen werde ab der ersten Angebotswelle 2027 ein jährliches Sparvolumen von sieben Milliarden Euro auf die Anbieter verteilt.

Zehn Millionen Abschlüsse im Startjahr möglich

Im Gegensatz zum Start der Riester-Rente vor 24 Jahren (26.7.2002) führe eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Altersvorsorgedepot zu einer höheren Abschlussbereitschaft von rund 54 Prozent, erwarten die Analysten.

Positiv auf die Abschlussbereitschaft wirkte demnach unter anderem die erste Kundenkommunikation zu diesem Thema durch Finanzdienstleister – zum Beispiel auf digitalen Wegen wie in Newslettern oder auch im persönlichen Kontakt.

Die aktive Ansprache seitens der Anbieter und bereits in diesem Jahr startende Marketingkampagnen könnten bei vielen Kunden zu einer Vorentscheidung führen, sagen die Studienautoren voraus. „Dann wird auch der Intentions-Umsetzungs-Gap geringer ausfallen und in der Spitze sind zehn Millionen Abschlüsse im nächsten Jahr möglich.“

Angst vor Aktienmarktanlagen weit verbreitet

Oliver Gaedeke (Bild: Stefan Wernz)
Oliver Gaedeke
(Bild: Stefan Wernz)

„Viele Indikatoren in unserer Untersuchung zeigen ein gewisses Begeisterungspotenzial für das Altersvorsorgedepot“, berichtet Dr. Oliver Gaedeke, Geschäftsführer von Sirius Campus. Er empfiehlt daher, „bestehende Kunden mit Informationen zum neuen Fördersystem und Beratungsangeboten zu versorgen. Denn Kunden vertrauen ihren bestehenden mehr als neuen Anbietern.“

Mit der aktuellen Riester-Reform sollen ab Januar auch neue Produkte mit flexiblen Garantien auf den Markt kommen, die Kunden mehr Wahlmöglichkeiten bieten. Bisher war eine 100-prozentige Beitragsgarantie für die geförderten Vorsorgeprodukte mit langfristigen Anlagedauern verpflichtend.

Das war insbesondere in der Niedrigzinsphase zu einer strukturellen Renditebremse geworden. Aufgrund dieser schlechten Erfahrungen und einer hohen Zahl von Kündigungen (25.9.2025) sind zukünftig auch Produkte mit 80 Prozent beziehungsweise ohne Beitragsgarantie förderfähig.

Größte Zustimmung zu 80-Prozent-Garantie

Doch die komplett garantiefreie Geldanlage im Aktienmarkt liegt – trotz eines Hinweises auf höhere Renditechancen – mit nur neun Prozent Zustimmung in der Umfrage von Sirius Campus und Aeiforia auf dem letzten Platz.

Mit einem Anteil von 44 Prozent bevorzugen die meisten Befragten eine 80-prozentige Garantie mit mittleren Renditechancen. Auf die volle Garantie mit sicherer Rendite setzen demnach 32 Prozent. Die restlichen 15 Prozent der Teilnehmer zeigen sich noch unentschlossen.

Hieraus ziehen die beiden Unternehmen, dass auch die Präferenz vieler Deutscher für das in öffentlicher Trägerschaft geplante Standarddepot (26.3.2026) mit gesetzlich definiertem Risikoprofil gering ausfällt. Das gelte trotz seines einprozentigen Kostendeckels für die Anbieter (8.5.2026).

Wechsel von bestehenden Riester-Verträgen

Martin Gattung (Screenshot: Schmidt-Kasparek)
Martin Gattung (Screenshot: Schmidt-Kasparek)

„Das Altersvorsorgedepot ist für viele Kunden ein Beratungsprodukt“, kommentiert Aeiforia-Gründer und Geschäftsführer Martin Gattung die Studienergebnisse. Dies stelle eine große Absatzchance für die Vertriebspartner von Lebensversicherern, Sparkassen, Banken und Bausparkassen dar.

Zuvor sei es für Versicherungsvermittler und andere Kundenberater aber dringend notwendig, sich schnell die entsprechende Kompetenz anzueignen (3.3.2026). Denn: „Viele Kunden könnten bereits nach der Sommerpause ihren bevorzugten Vermittler oder Berater nach einer Empfehlung fragen.“

Laut den Studienautoren wünschen sich viele Verbraucher hierzulande eine Beratung zu dem neuen Fördersystem und erwägen einen Wechsel ihres bestehenden Riester-Vertrags. Letzteres gelte potenziell für 28 Prozent des in Riester-Verträgen liegenden Kapitals von 225 Milliarden Euro und dürfte insbesondere Lebensversicherer treffen (Medienspiegel 23.05.2026).

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