29.3.2021 (€) – Laut einer aktuellen Studie von Willis Towers Watson präferiert nur noch die Hälfte der jungen Mitarbeiter Garantiemodelle bei ihrer betrieblichen Altersversorgung (bAV). Pensionsverpflichtungen und -vermögen nahmen im Jahr 2020 ab, da sich die DAX-Zusammensetzung verändert hat. Aus dem gesamten Pensionsvermögen von 266 Milliarden Euro wurden Erträge in Höhe von 9,9 Milliarden Euro oder 3,8 Prozent erwirtschaftet. Rund 7,8 Milliarden Euro wurden neu für die Pensionszahlungen reserviert.
Dass sich bei den anhaltenden Niedrigzinsen mit traditionellen Geldanlagen kaum noch Erträge erzielen lassen, erkennen immer mehr Altersvorsorgesparer. An den Absatzergebnissen der Investmentbranche der letzten Jahre ist abzulesen, dass zunehmend entsprechend gehandelt wird. Auch der aktuelle „Global Benefits Attitudes Survey“ von Willis Towers Watson (WTW) zeigt diesen Trend.
Nur noch die Hälfte der jüngeren Mitarbeiter präferiert Garantiemodelle
Jüngere Mitarbeiter sind offener für eine neue Balance von Sicherheit und Renditechancen. Von den unter 25-Jährigen, die im Niedrigzinsumfeld groß geworden sind, präferiert nur noch die Hälfte (51 Prozent) Garantien. Bei den über 55-Jährigen, die auf eine lange Hochzinsphase zurückblicken, legen 74 Prozent Wert auf eine Garantie.
„Im aktuellen Zinsumfeld lassen sich mit den herkömmlichen Garantiemodellen garantiert nur niedrige Erträge erwirtschaften. Es gilt also, Mitarbeitern das Für und Wider von Garantiemodellen nahezubringen. Hier besteht noch viel Handlungsbedarf“, meint Hanne Borst, Leiterin Actuarial Consulting bei Willis Towers Watson. Das Sozialpartnermodell sei eine mögliche Alternative.
Zudem erarbeiteten Versicherer und Unternehmen neue Modelle, die reduzierte Garantien und damit höhere Renditechancen beinhalten, so Borst weiter. Marktweit ist eine Verschiebung zu Produkten mit solchen niedrigen Garantien zu beobachten. Bei der Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. beispielsweise hatten 2020 fondsgebundene Lebensversicherungen mit fast 40 Prozent den größten Anteil am Neugeschäft (VersicherungJournal 26.3.2021).
Die Neuen im DAX sorgen für sinkende Pensionsvermögen
Wie es um die Pensionsvermögen und -verpflichtungen steht, analysiert die Unternehmensberatung WTW in ihrer jährlichen Studie „DAX-Pensionswerke“. Für das Jahr 2020 kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Unternehmen 2020 ihre Pensionsanlagen in Summe gut durch die Kapitalmarktturbulenzen gesteuert und vom Aufschwung an den Kapitalmärkten profitiert haben.
Die Pensionsverpflichtungen der heutigen DAX-Unternehmen sind 2020 um 1,8 Prozent auf 409 (Vorjahr: 416) Milliarden Euro gesunken. Auch die Pensionsvermögen liegen niedriger als im Vorjahr: Sie gingen um 3,9 Prozent auf 266 (277) Milliarden Euro zurück. Dies hat allein „DAX-technische“ Gründe.
Die Lufthansa mit hohen Verpflichtungen und hohem Vermögen ist – neben Wirecard – ausgeschieden. Delivery Hero und die Deutsche Wohnen mit niedrigen Umfängen sind in den DAX nachgerückt. Ohne diese Veränderungen wären die Pensionsverpflichtungen um 4,4 Prozent und das Planvermögen um 2,7 Prozent gestiegen.

- Erträge der Pensionsvermögen (Bild: WTW)
Solide Erträge und Zuführungen trotz Corona
Aus den gesamten Pensionsvermögen wurden Erträge in Höhe von 9,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dies ist wesentlich weniger als die 30,2 Milliarden Euro des Vorjahres, in dem allerdings die Volumina höher waren und Aktienmärkte sich besser entwickelten. Dennoch ist die tatsächliche Rendite von 3,8 Prozent bemerkenswert.
Damit haben die DAX-Unternehmen ihre eigenen Ertragserwartungen von 3,4 Milliarden Euro deutlich übertroffen. An der Anlagestrategie wurde im Jahresvergleich wenig geändert. Rund die Hälfte der Mittel ist in Anleihen investiert, 19 Prozent in Aktien. Seit 2011 wurden allerdings „weitere Investments“, darunter Infrastruktur, zulasten der Anleihen um 17 Prozentpunkte auf 29 Prozent aufgebaut.
Darüber hinaus haben viele Unternehmen ihre Pensionsvermögen durch zusätzliche Dotierungen erweitert. So wurden insgesamt rund 7,8 (7,6) Milliarden Euro neu für die Pensionszahlungen reserviert. Spitzenreiter war Siemens mit 2,9 Milliarden Euro, gefolgt von Volkswagen mit 0,9 und Daimler mit 0,8 Milliarden Euro.
bAV bindet Mitarbeiter
„Dass die Unternehmen über Jahre hinweg die spezifische Finanzierungsbasis ihrer bAV freiwillig durch zusätzliche Dotierungen ausbauen, verdeutlicht einmal mehr, welchen Stellenwert die bAV als Instrument zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung genießt“, erklärte Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei WTW.
Hier entstehe eine Win-Win-Situation. Mitarbeiter wünschten sich Unterstützung bei der Altersversorgung. Arbeitgeber wiederum könnten Steuervorteile und Skaleneffekte nutzen, um ihren Mitarbeitern Wege zu einer guten Altersversorgung zu eröffnen.




