Bestandsnachfolge: So gefragt sind kleine Bestände

21.10.2026 – Versicherungsmakler, die Bestände übernehmen oder ein Unternehmen kaufen wollen, suchen besonders häufig kleinere Bestände. Das zeigt eine Auswertung des Nachfolgespezialisten Resultate Institut. Sach- und Gewerbeversicherungen werden dabei besonders häufig nachgefragt, während Kontokorrent und Vermögensverwaltung oft ausgeschlossen werden.

Die Resultate Institut für Unternehmensanalysen und Bewertungsverfahren GmbH hat ihre Nachfolger- und Investorendatenbank ausgewertet. Untersucht wurde, welche Interessen und Suchkriterien Personen und Unternehmen haben, die einen Maklerbestand oder ein Maklerunternehmen erwerben wollen.

Die in der Datenbank registrierten Interessenten haben ein Investitionsbudget von insgesamt 1,5 Milliarden Euro angegeben, wie der Nachfolgeexperte der Presse berichtet. Eine amtliche Statistik dazu, wie viel Kapital für die Maklernachfolge bereitstehe, gebe es nicht. Die Datenbank liefere aber zumindest einen Anhaltspunkt aus dem Markt selbst.

Damit gehen viele Maklerpools […] in den Interessenkonflikt mit ihrer eigenen Hauptzielgruppe.

Andreas Grimm, Resultate Institut

Kleine Bestände sind gefragt

Andreas Grimm (Bild: Winkel)
Andreas Grimm (Bild: Winkel)

Die Auswertung deckt sich in ihren Ergebnissen mit einer Studie von Imas Corporate Finance LLP: Bestandskäufer setzen keineswegs nur auf große Bestände, so dass auch kleinere Versicherungsmakler ihren Bestand veräußern können (VersicherungsJournal 12.5.2026).

Fast jeder zweite Interessent (49 Prozent) gibt demnach in der Datenbank an, dass er Bestände mit einem Budget bis 250.000 Euro suche. Fast jeder Vierte (23,5 Prozent) nennt sogar nur ein Investitionsbudget bis 100.000 Euro.

Weitere 14,2 Prozent nennen ein Budget von über 500.000 bis zu einer Million Euro, 9,0 Prozent von über einer Million bis zu 2,5 Millionen Euro. Auf Summen von über 2,5 Millionen Euro entfallen zehn Prozent.

„Wer einen typischen Maklerbestand abgeben möchte, muss nicht nach Private-Equity-Investoren oder einem finanzstarken Konzern als Käufer suchen“, kommentiert Andreas Grimm, Geschäftsführer des Resultate Instituts, die Ergebnisse. Die meisten Interessenten seien selbst Makler, die einen Bestand in überschaubarer Größe suchten. „Für diese Bestände ist die Nachfrage am breitesten“, so Grimm.

Maklernachfolge: Anteil der Kaufinteressenten nach Investitionsbudget (Bild: Wenig)

Versicherungsmakler in Konkurrenz zu Pools

Andreas Grimm weist gegenüber der VersicherungsJournal-Redaktion darauf hin, dass kleinere Bestände den Kern der Nachfrage bilden.

„Damit gehen viele Maklerpools, die die Bestände ihrer Makler aufkaufen, klar erkennbar in den Interessenkonflikt mit ihrer eigenen Hauptzielgruppe: kleine und mittlere Maklerunternehmen, die sie als Vertriebspartner gewinnen oder halten wollen“, so Grimm.

Makler mit kleinen Budgets wollen Kunden vor Ort

Alter und Berufserfahrung der Kaufinteressenten würden in der hauseigenen Datenbank nicht erfasst, berichtet Grimm. Anhand der Höhe des Investitionsbudgets ließen sich jedoch Unterschiede bei den Suchkriterien erkennen.

So suchten Kaufinteressenten mit einem Budget von bis zu 250.000 Euro deutlich regionaler als solche mit mehr Geld: Gut 70 Prozent beschränkten sich auf ein oder zwei Postleitzahlgebiete. Bei Budgets von mehr als 500.000 Euro sei es nur gut ein Drittel. „Das spricht für Vermittler, die ihren bestehenden Kundenstamm vor Ort ergänzen wollen“, so der Nachfolgeexperte.

Spezialisierungen spielen im kleinen Segment kaum eine Rolle

Auch hinsichtlich des Kaufgegenstands unterscheiden sich die Interessenten: Fast ein Drittel derjenigen mit einem Budget von bis zu 250.000 Euro interessiere sich ausschließlich für einen Bestandskauf. Bei Budgets von mehr als 250.000 Euro zögen dagegen gut 90 Prozent auch den Kauf eines ganzen Unternehmens in Betracht.

Bei den Sparten dominiere im kleinen Segment das klassische Sachgeschäft: Knapp 90 Prozent der Interessenten suchten demnach Bestände mit Sachversicherungen. Mit steigendem Budget würden Vermögensverwaltung und Industrieversicherung an Bedeutung gewinnen. Für Bestände bis 250.000 Euro interessiere sich nur etwa jeder Siebte für die Vermögensverwaltung, bei Budgets von mehr als 500.000 Euro fast jeder Dritte.

Spezialisierungen auf bestimmte Zielgruppen wie Heilberufe oder Handwerk spielten bei kleineren Budgets ebenfalls kaum eine Rolle. Weniger als fünf Prozent der Interessenten mit einem Budget von bis zu 250.000 Euro suchten nach derart spezifischen Beständen, berichtet Grimm. Bei größeren Budgets würden solche Angebote häufiger nachgefragt.

Die meisten Interessenten suchten breit: Rund zwei Drittel der Übernahme- und Kaufinteressenten gäben vier oder mehr Sparten an.

Ein Bestand, den viele Käufer ausschließen, ist nicht wertlos.

Thomas Öchsner, Resultate Institut

Wonach die Versicherungsmakler (nicht) suchen

Blickt man unabhängig vom Investitionsbudget darauf, welche Sparten bei den Kauf- und Übernahmeinteressenten besonders gefragt sind, liegen Sachversicherungen mit 83,6 Prozent der Nennungen vorn. Es folgen gewerbliche Versicherungen (66,6 Prozent) und Personenversicherungen wie Lebens- und Unfallversicherungen (58,9 Prozent).

Dahinter rangieren Krankenversicherungen mit 55,5 Prozent und die Altersvorsorge mit 52,9 Prozent.

Die Makler und Unternehmen können in der Datenbank auch angeben, welche Vertragsarten sie nicht übernehmen wollen. Am häufigsten ausgeschlossen werden Kontokorrent (42,4 Prozent), alternative Investmentprodukte (36,0 Prozent), Vermögensverwaltung (31,2 Prozent), Industrieversicherungen (28,2 Prozent) und standardisierte Vermögensverwaltung (24,4 Prozent).

Bei der Vermögensverwaltung ist der Anteil der Interessenten, die diese Sparte ausschließen, damit höher als der Anteil derjenigen, die gezielt danach suchen, heißt es im Pressetext.

Diese Sparten suchen Kaufinteressenten – diese schließen sie aus (Bild: Wenig)

„Ein Bestand, den viele Käufer ausschließen, ist nicht wertlos. Aber der Kreis der passenden Käufer ist kleiner, und das wirkt sich auf Preis und Dauer der Suche aus. Wer das früh berücksichtigt, kann seinen Verkauf entsprechend planen“, kommentiert Thomas Öchsner, Gesellschafter und Geschäftsführer des Resultate Instituts.

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