Altersvorsorgedepot: Wie Provisionen Rendite kosten

30.10.2026 – Der ehemalige Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten geht davon aus, dass das neue „Standarddepot“ ab Januar „nur selten aktiv vertrieben wird“. Denn laut seinen Berechnungen fallen für dieses obligatorisch mit anzubietende Produkt nur zwei Monatsbeiträge für den Vertrieb an. Zum Vergleich: Bei AVD-Angeboten mit frei wählbaren Fonds sind es knapp 19 Monatsbeiträge, bei einer Riester-Police 10,5.

Der Diplom-Mathematiker Axel Kleinlein hat eine kontrovers geführte Fachdiskussion auf Linkedin angestoßen. Inhaltlich geht es um Provisionen für Vermittler von Altersvorsorgedepots (AVD) (VersicherungsJournal 4.6.2026). Private Investitionen in dieses neue Produkt werden mit Inkrafttreten des Altersvorsorgereformgesetzes (AVRG) (8.5.2026) ab Januar staatlich gefördert.

Axel Kleinlein (Bild: Mathconcepts Kleinlein)
Axel Kleinlein (Bild: Mathconcepts Kleinlein)

„Konkrete Angebote gibt es noch nicht. Vollmundige Ankündigungen schon“, stellt der ehemalige Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten e.V. (BdV) den aktuellen Stand dar. „Ein Fondsanbieter will vollständig kostenfrei arbeiten“, so Kleinlein weiter und fragt, wie das gehen soll. „Ein anderer hat nun flugs eine Lebensversicherung in Liechtenstein gegründet“ (20.10.2026).

Allianz setzt Standard für die ganze Branche

Aus der Assekuranz hat der Branchenführer Allianz Lebensversicherungs-AG (29.9.2026) angekündigt, Angebote in allen Kategorien der geförderten privaten Altersvorsorge anbieten zu wollen (17.6.2026).

Außerdem hat die Assekuranz mitgeteilt, „was sie den Vermittlern an Provisionen zu zahlen gedenkt“. Für Kleinlein steht fest: „Damit setzt sie einen Standard, an dem sich erfahrungsgemäß der Rest der Branche orientieren wird.“ Daher habe er diese Provisionsplanungen unter die Lupe genommen.

„Die Ergebnisse sind beunruhigend“, so sein Fazit. Denn: „Beim Altersvorsorgedepot steigen die Provisionen im Vergleich zur Riester-Rente deutlich an.“ Bei Riester-Verträgen seien bereits etwa zehn Monatsbeiträge an Abschlusskosten einkalkuliert gewesen. Doch: „Zukünftig machen allein die Provisionen mehr als eineinhalb Jahre Beitragszahlung aus.“

Provisionen kosten den Kunden Rendite

Je nach Vertragsdauer kosten die Provisionen den Kunden laut Kleinlein bis zu 0,5 Prozent Rendite. „Ob eine Beratung dazu führt, dass über mehrere Jahrzehnte eine solche Mehrrendite erzielt werden kann, ist jedoch unklar.“

Das AVRG sieht zwar de facto ein Zillmerverbot vor. Denn die Versicherer sollen die Abschlusskosten bei geförderten Produkten nicht mehr in den ersten Vertragsjahren vollständig mit den Beiträgen verrechnen dürfen.

„Die Lebensversicherer gehen deswegen an die Kostenüberschüsse ran“, erklärt Kleinlein. „Vorsichtig gerechnet sinken daher im nächsten Jahr branchenweit diese Überschüsse um 4,5 Milliarden.“ Dies gehe sogar zulasten von Kunden ohne AVD.

Provision je nach Stornohaftungszeit

Konkret analysiert Kleinlein die von der Allianz angekündigte Vergütungssystematik exemplarisch für die Versicherungsbranche. Demnach soll es bereits zu Vertragsbeginn eine volumenabhängige Upfront-Vergütung geben. Darüber hinaus soll der Vermittler sowohl auf den Eigenbeitrag als auch auf die Zulage eine prozentuelle Provision bekommen.

Konkret gibt es laut den Plänen zwei Provisionsarten für AVD-Angebote mit frei wählbaren Fonds. Die Provisionen auf den Eigenbeitrag betragen demnach bis zu zwei Prozent, auf die Zulage bis zu vier Prozent. Die Upfront-Zahlung steigt auf bis zu drei Prozent der Beitragssumme, während sich die Stornohaftungszeit auf bis zu acht Jahre erhöht.

In der Summe erhält der Vermittler bei einem Beispielvertrag mit 150 Euro Monatsbeitrag über 30 Jahre in beiden Varianten jeweils insgesamt 2.808 Euro heraus. Bei dem ebenfalls anzubietenden Standardprodukt (8.5.2026) sind es hingegen 351 Euro.

Standarddepot selten aktiv vertrieben

„Es ist daher zu erwarten, dass das Standarddepot nur selten aktiv vertrieben wird“, erwartet der ehemalige Verbraucherschützer Kleinlein. „Während in den ersten beiden Varianten insgesamt knapp 19 Monatsbeiträge als Provision anfallen, sind es für das Standarddepot insgesamt nur gut zwei Monatsbeiträge.“

Beim direkten Vergleich mit dem noch bis Jahresende verfügbaren Produkt „Allianz RiesterRente Perspektive“ zeige sich, dass hier bei einem monatlichen Beitrag von 85 Euro insgesamt Abschlusskosten von 894,88 Euro ausgewiesen werden.

„Das entspricht 10,5 Monatsbeiträgen“, rechnet Kleinlein vor. Beim neuen AVD könnten sich die Abschlusskosten also gegenüber der Riester-Rente deutlich erhöhen. Nur bei dem Standardprodukt sinken sie demnach deutlich.

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